Unser täglich Bild gib uns heute

In diesem Sommersemester fand an der Universität Paderborn im Fach Kunst zum wiederholten Male ein „Daily Painting“-Projekt statt. Vom 1. bis zum 30. Juni sollten die Teilnehmer täglich ein Bild anfertigen. Nach zwei lokalen Themen lautete die Vorgabe für die Kunststudenten diesmal „World Heritage in Germany“. 36 UNESCO-Welterbestätten (Stand Juli 2011) gibt es in Deutschland – Anna Husemann wählte Trier und hat diese Entscheidung nach eigenen Angaben nicht bereut. 30 kleinformatige Bilder in Tusche und Aquarell zeigen ihre Sicht auf die Wahrzeichen der Stadt.

TRIER. „Daily Painting“ ist eine Bewegung von Künstlerinnen und Künstlern, die sich im Internet seit einigen Jahren etabliert hat. Dabei wird sich verpflichtet, jeden Tag ein neu gemaltes Werk in einen Blog zu stellen und mit einer Fan-Gemeinde über die Kunstwerke zu kommunizieren. Der berühmteste Vertreter dieser Richtung ist der in Berlin lebende Maler Edward B. Gordon.

Unter Leitung der Professorin Jutta Ströter-Bender und einem Projekt-Team knüpft die „Daily Painting“-Gruppe der Universität Paderborn an diese Kunstform an. Im vergangenen Juni wurden täglich von Kunststudenten neue Bilder zu jeder deutschen Welterbestätte gemalt, gezeichnet, gedruckt oder gestaltet. Derzeit sind es schon über 1500 Werke, die auf einer eigenen Internetseite hochgeladen wurden. Weitere werden noch folgen.

Eine der anfangs über 60 Teilnehmer ist Anna Husemann. Ihre Wahl fiel auf Trier. „Viel habe ich nicht über Trier gewusst“, sagt die 22-Jährige. Aber weil es von Paderborn nicht allzu weit weg sei und eine Freundin – die auf einem der Bilder auch verewigt wurde – dort studiere, habe sie sich für diese Stadt entschieden. „Ich habe die Wahl nicht bereut.“

Zunächst wurde das Thema im Seminar theoretisch behandelt. Man beschäftigte sich mit „Daily Painting“-Künstlern und untersuchte, wie Welterbestätten bislang dargestellt wurden. Anna Husemann reiste dann für ein Wochenende nach Trier und machte Fotos von den römischen Bauwerken, die die UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen hat.

In ihrer Freizeit und in der wöchentlichen Lehrveranstaltung malte sie die Bilder. „Es war stressiger als gedacht“, erzählt die Paderbornerin, die an jedem Werk (ca. 14,5 mal 14,5 cm) mit Tusche und Aquarellfarben zwei bis drei Stunden arbeitete. „Vor allem, wenn man abends um acht von der Uni nach Hause kam und dann noch ein Bild malen musste.“ Einige haben dies nicht durchgehalten. Während am 1. Juni 62 Arbeiten eingestellt wurden, waren es in den letzten Tagen des Monats nur noch 39 bis 48. „Am Ende machte es jedoch wieder Spaß“, so Husemann, die im fünften Semester Kunst und Deutsch auf Lehramt studiert. „Man wird routiniert und die Striche fallen leichter.“

Die Studentin malte Gesamtansichten und Details von Triers Wahrzeichen und der Igeler Säule – manche mit Menschen, manche ohne. In den kurzen Kommentaren dazu auf der Internetseite wird bereits ihre Begeisterung für die Motive deutlich. „Die Bauwerke sind keinesfalls nur Vergangenheit, sondern sie sind hochgradig gegenwärtig. Mich haben sie total begeistert und diese Begeisterung möchte ich gerne teilen.“

Sämtliche Originale des „Daily Painting“-Projektes sind noch bis heute im WDR-Studio in Bielefeld ausgestellt. Im Winter sollen alle Arbeiten in Weimar gezeigt werden. Anna Husemann hofft noch auf eine eigene Ausstellung in Trier.

„Die Bauwerke sind keinesfalls nur Vergangenheit, sondern sie sind hochgradig gegenwärtig. Mich haben sie total begeistert und diese Begeisterung möchte ich gerne teilen.“

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