Konzept auf der Kippe

TRIER. Weil bei „Brot und Spiele“ 2011 unter anderen deutlich weniger als geplant aus dem Kartenverkauf eingenommen wurde, bleibt die Stadt als Veranstalter auf einem Fehlbetrag von 45.000 Euro sitzen. In der gestrigen Sitzung des Kulturausschusses wurde die Bilanz offiziell vorgestellt.

In diesem Jahr fand das Römerfestival „Brot und Spiele“ zum ersten Mal an zwei Wochenenden und nicht mehr im August, sondern im September statt. Die mit der Ausrichtung beauftragte Agentur Medienfabrik erhoffte sich mehr Zuschauer, weil man nicht mehr mit der ADAC-Rallye konkurrieren müsse und Familien wieder aus den Ferien zurück seien.

Die Verlegung und Ausweitung machte sich jedoch in der Nachfrage insgesamt nicht bemerkbar. 20.750 Besucher (dazu gehören mehrere Tausend Sponsorenkarten- und Freikartenbesitzer) kamen 2011 in die Kaiserthermen und ins Amphitheater, im vergangenen Jahr waren es knapp 1000 weniger, 2009 sogar über 1000 mehr. Allerdings interessierten sich laut Angaben der Medienfabrik immer weniger Menschen für die Zeltstadt mit Legionärslager und Handwerkerdorf in den Kaiserthermen, während die Zahl der Gäste bei dem Gladiatorenschauspiel im Amphitheater zunehme und erstmalig die des anderen Veranstaltungsortes überholt habe.

Dennoch gab es insgesamt zu wenig Besucher. Obwohl die Gesamtausgaben mit 457.000 Euro um 30.000 Euro niedriger als geplant ausfielen, muss die Stadt, bei der das Einnahmenrisiko liegt, 45.000 Euro zusätzlich zu ihrem Zuschuss von 50.000 Euro (plus 10.000 Euro für Personal- und Sachaufwand) drauflegen, weil aus dem Kartenverkauf statt der erwarteten 214.000 Euro nur 147.500 Euro eingenommen wurden. „Wir haben zum ersten Mal den Wettbewerb gegen das Schwimmbadwetter verloren“, sagte Agentur-Chef Ronald Frank im Kulturausschuss über den starken Besucherrückgang in den Kaiserthermen.

Über die nicht erzielten Einnahmen trotz des „annehmbaren Wetters“ wunderte sich Karl Biegel von der CDU-Fraktion und kritisierte, dass die Stadt wie schon häufiger in den vergangenen Jahren neben ihrem Anteil auch noch für einen Fehlbetrag aufkommen müsse. „Kultur muss nicht immer damit zu tun haben, dass wir etwas dazuschießen.“ Biegel hakte immer wieder bei Zahlen nach, bis andere Ausschussmitglieder unruhig wurden.

Markus Nöhl (SPD) hält, obwohl das „Ergebnis nicht schön“ sei, „Brot und Spiele“ für eine „förderungswürdige Sache“, die es für Trier zu erhalten gelte. Allerdings zweifle er daran, ob der September der richtige Monat dafür sei. Schon im vergangenen Jahr stand die Terminverlegung in der Kritik. An diesem Zeitraum wird sich aber wohl vorerst nichts ändern. „Es ist schwierig, Schulen zu motivieren“, so Frank. Es sei jedoch sinnvoll, nicht in die Schulferien zu gehen.

„In den Kaiserthermen ist die Verlegung in den September nicht gelungen“, konstatierte Gerd Dahm von den Grünen. Er bemängelt, dass nun das Programm in der Palästra infrage gestellt werde. „Ich habe immer anerkannt, dass diese Veranstaltung das didaktisch Wertvolle von ‚Brot und Spiele‘ ist.“

Die Ausschussmitglieder hatten über den Trierischen Volksfreund erfahren müssen, dass Frank angesichts des ebenfalls dort bereits veröffentlichten Fehlbetrages darüber nachdenke, das Römerlager nur noch alle zwei Jahre stattfinden zu lassen und von „Brot und Spiele“ zu trennen. Allerdings scheint auch die komplette Einstellung eine Option zu sein. „Wenn man aufs Geld schaut, bleibt nur das Amphitheater“, sagte Frank.

Ein Wegfall oder eine starke Reduzierung des Angebots könnte große Folgen haben. „Das Land stützt seine Förderung vornehmlich auf das Programm in den Kaiserthermen“, so Kulturdezernent Thomas Egger, der keinen Hehl aus seiner Verärgerung machte, dass Informationen an die Ausschussmitglieder vorzeitig an die Presse gelangt sind.

Für 2012 scheint es nicht mehr darum zu gehen, ob die Reihe „Brot und Spiele“ fortgesetzt wird, sondern nur noch wie. Im vergangenen Jahr hatte sich der Kulturausschuss auf eine dreijährige Testphase des neuen Konzepts geeinigt. In den kommenden Wochen soll darüber entschieden werden, wie es in den Kaiserthermen weitergeht.

Auch wenn die ersten Planungen bereits laufen und mit der diesjährigen Hauptdarstellerin Katy Karrenbauer wieder Gespräche geführt werden, könnte dies für das Marketing zu spät sein. Während der Vorverkauf für das Römerfestival in diesem Jahr schon im vergangenen Dezember startete, werden für die kommende Veranstaltung erst an Ostern Karten erhältlich sein.

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