Kein Abwärtstrend im Theater

Nach einigen unerfreulichen Nachrichten in den vergangenen anderthalb Jahren wie der Einstellung der Antikenfestspiele, der Spielzeitbilanz 2009/10, der ungeklärten Finanzierung der Theatersanierung und der Forderung nach drastischen Einsparungen gab es gestern bei der Präsentation der Zuschauerzahlen der vergangenen Saison eine erfreuliche Mitteilung in Bezug auf das Trierer Theater: Trotz anspruchsvollem Spielplan kamen wieder mehr Besucher.

TRIER. Euphorie klingt anders: „Ich bin nicht unzufrieden damit, aber es ist auch nicht alles Butter“, kommentiert Thomas Egger die Bilanz der Theaterspielzeit 2010/11. Langfristig wünsche er sich, dass die 100.000er-Marke ohne die Konzertbesucher übertroffen werde. In der vergangenen Saison waren es knapp 95.000. Immer wieder relativieren Einschränkungen sein Lob. „Wir haben immer noch gutes, qualitativ hochwertiges, Freude machendes Theater.“ Für den stets Optimismus verbreitenden Theaterintendanten Gerhard Weber sind solche Aussagen des Kulturdezernenten dennoch „Balsam“.

Bei seinen Ausführungen hat Egger die schwierige Gesamtsituation der Einrichtung im Hinterkopf. In diesem Jahr muss das Theater mehrere Hunderttausend Euro einsparen, zudem ist noch unklar, wie dessen überfällige Sanierung finanziert werden soll. Hinzu kommt, dass sich der Kulturdezernent zunehmend Kritik ausgesetzt sieht, weil sich auf einigen Baustellen in diesem Bereich – wie die 2010 angekündigte Änderung der Kartenpreis-Struktur oder der Verbesserung des Marketings – anscheinend wenig tut. Egger erklärt dies damit, dass er sich lieber mehr Zeit für eine Sache lasse, die dann auch funktioniere, als schnell Entscheidungen zu treffen, die sich als falsch erwiesen. Er schließt seine Ansprache mit einem großem Versprechen: „Am Ende meiner Amtszeit werden wir ein zukunftsfähiges Theater haben.“ Das wird 2018 sein.

Einen kleinen Schritt in diese Richtung ist dem Theater in der vergangenen Spielzeit gelungen. „Wir haben den Abwärtstrend aufhalten und die Zuschauerzahlen wieder nach oben drücken können“, verkündet Weber. Zwar liegt die Gesamtzahl der Besucher mit knapp 103.000 fast genauso hoch wie im Vorjahr, wo das schlechteste Ergebnis in der Geschichte des Theaters erzielt wurde, doch sind in dieser Zahl noch die 7000 Gäste der Antikenfestspiele enthalten, die es seitdem nicht mehr gibt.

„Es hätte besser sein können“, sagt der Intendant. „Aber es war ein sehr anspruchsvoller Spielplan. Das sieht man auch an den Zahlen.“ So verzeichnete die deutsche Erstaufführung von Salman Rushdies „Mitternachtskinder“ nur 2124 Besucher, was einer Auslastung von 42,9 Prozent entspricht. Auch die zweite deutsche Erstaufführung der Spielzeit, die Oper „The Voyage“ von Philip Glass, zog nicht die Massen. 1638 Menschen (Auslastung 37,7 Prozent) sahen das Stück im Großen Haus.

Musicals und Operetten lassen traditionell das Publikum ins Trierer Theater strömen. Das war auch 2010/11 nicht anders. 16.104 Zuschauer (89,6 Prozent) kamen zur „Rocky Horror Show“, 10.291 (87,4 Prozent) zu „My fair Lady“. Sven Grützmachers Uraufführung „Dance around the World“ war mit 5662 Besuchern (83 Prozent) das beliebteste Stück der Sparte „Tanztheater“. Ins Schauspiel lockte die meisten Gäste Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ (4898, 79 Prozent).

Beste Auslastung hatten die eigenen Konzerte im Großen Haus: So waren die Spielzeiteröffnungsgala, das Neujahrskonzert und die Operngala mit Franz Grundheber nahezu ausverkauft. Knapp 8000 Besucher verfolgten in der vergangenen Saison die Heimspiele des Philharmonischen Orchesters der Stadt Trier. Zusammen mit den 2645 Gästen im Studio wuchs die Zahl der Zuschauer der eigenen Aufführungen und Konzerte um 5000. Allerdings gab es mit insgesamt 374 Veranstaltungen auch 20 mehr als im Vorjahr.

Zu einer Halbzeitanalyse der laufenden Spielzeit ließ sich Gerhard Weber nicht verleiten. 17.000 Besucher der „West Side Story“ sorgten im vergangenen Sommer jedenfalls schon mal für einen Traumstart.

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