Das Badesalz in der Suppe

Die gute Nachricht: Ende vergangenen Jahres ist die famose Badesalz-Serie „Och Joh“, die Anfang der 90er in der ARD ausgestrahlt wurde, auf DVD erschienen. Die schlechte: Es stimmt einen wehmütig, wenn man sieht, was das Duo im Vergleich dazu heute bietet. Wie schon im letzten Programm „Dugi Otok“ schlüpfen Henni Nachtsheim und Gerd Knebel auch in „Bindannda“, das sie am Dienstagabend in der Europahalle zeigten, nicht mehr wie in den Anfangsjahren in mehrere Rollen, was viel von deren Komik ausmachte, sondern beschränken sich auf zwei Figuren. Und es wird wieder eine durchgehende Geschichte erzählt. Trotz einzelner Einlagen wie die Einbeziehung des Publikums und ein paar Songs ist das einst erfrischend Episodenhafte in den Hintergrund geraten.

TRIER. Der mittelständische Dosenfabrikant Peter Lembach (Henni Nachtsheim) hat von seiner Frau einen Gleitschirmflug geschenkt bekommen. Damit landet er außerplanmäßig in einem Waldstück. Weil sein Handy dort kein Netz hat, kann er niemanden darüber informieren.

Allein ist Lembach jedoch nicht. In einer schiefen Hütte (sehr hübsch: der rauchende Schornstein) haust der überspannte Aussteiger Noah, der nach eigenen Angaben auf Außerirdische wartet, um sie mit einer Kiste mit anspruchsvollem Kulturgütern davon zu überzeugen, dass die Menschheit nicht so dumm ist, wie die von ihm verhassten Vorabendserien jenen vermitteln könnten.

Für Noah ist die neue Gesellschaft lediglich ein Objekt der Unterhaltung und des Spottes. Er spielt mit dem naiven, braven Besucher wie mit einem dummen Hund. Und dennoch wird Lembach, der sich redlich Mühe gibt, sich mit seinem Gastgeber und der Situation zu arrangieren, mit einem erweiterten Bewusstsein aus dieser Begegnung hervorgehen. Denn in Noahs Wahnsinn steckt auch Weisheit. „Sie sind doch pervers“, sagt Lembach zu ihm, als jener vom Verzehr von Zecken schwärmt. „Nein, flexibel.“

Der in seinem Lebensraum überlegene Einzelgänger suhlt sich in der Unbeholfenheit und Gutgläubigkeit des Kleinbürgers, bis dieser gestärkt, vielleicht sogar geläutert aus der ungewohnten Lage wieder herauskommt. Klingt bekannt? Ist es auch! „Bindannda“ ist die gleiche Rollenkonstellation wie im Badesalz-Film „Abbuzze!“ (1996), wo der Versicherungsvertreter Erich und der obdachlose Richard im Aufzug feststecken. Auch darin geht es ums Improvisieren beim Kaffeekochen und um das Verrichten der Notdurft in einer unpassenden Umgebung.

Die Komik hat sich jedoch im Laufe der Jahre verändert. Badesalz hat sich vom Nummernprogramm immer stärker zu Zwei-Personen-Stücken mit Handlung bewegt. Die Vielschichtigkeit der früheren, aufwendigeren Episoden mit den zahllosen verschiedenen Rollen und Verkleidungen hat einen Großteil der Komik ausgemacht. Doch nun wirken beispielsweise die Gesangseinlagen, die nichts mehr von den einst gelungenen Songparodien wie „Evi, du wohnst in Bad Nauheim“ („If you don’t know be by now“) haben, aufgesetzt.

Verstärkt versucht das Duo, über seinen hessischen Dialekt lustig zu sein. Abgesehen von dem Ratespiel, Hessisches ins Hochdeutsche zu übersetzen, wo die Mundart durch ein schnelles Aussprechen oder Fantasiewörter verfremdet wird, soll sie für sich allein schon Lacher erzeugen. „Ich würde gerne irgendwas frühstücken. Käffsche, Eische, Töstsche – irgendwas mit ’sch‘ halt.“ Badesalz war auch schon origineller (zum Beispiel mit dem afrikanisch anmutenden Song „Kumma di Oma da“). In der vom Stück losgelösten Zugabe, aber auch schon während des Programms erzählt Nachtsheim beziehungsweise Lembach Witze. Die sind zwar zum Teil nicht schlecht – beispielsweise, wo der eine Frankfurter zum anderen sagt: „Du, ich muss dir was gestehen: Ich habe Offenbacher Blut.“ „Näh?“ „Doch, an meiner Stoßstange.“ –, zeugen aber davon, dass einem selbst nicht mehr viel einfällt.

An die Klasse der Frühwerke erinnern nur noch die wenigen Kurzausflüge ins Groteske. Etwa wenn beide Figuren in Gedanken gegeneinander Mikado spielen oder Noah eine Maschine präsentiert, mit der man „Geschwätz in Strom“ umwandeln kann.

Wenn man die ersten Programme, TV-Serien und CDs nicht kennte, würde man Badesalz gerade im Vergleich mit aktuellen Comedy-Größen wohl positiver beurteilen. So fehlt einem das Tempo, die Abwechslung und der Ideenreichtum früherer Nummern.

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