Codex Egberti in neuem Einband

TRIER. Neben dem Ada-Evangeliar, der Trierer Apokalypse und der Gutenberg-Bibel gehört der Codex Egberti zu den wertvollsten Stücken der Trierer Stadtbibliothek. Jetzt erhielt er einen neuen Einband.

Die seit 2004 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählende Handschrift enthält den ältesten und umfangreichsten Bildzyklus zum Leben Jesu in einem Buch. Um 980 in Trier und auf der Insel Reichenau entstanden, bezeugt die kostbare Handschrift den Stand der Kultur am Hofe der ottonischen Kaiser und des Trierer Erzbischofs Egbert (977-993). An der Entstehung beteiligt war der Trierer „Meister des Registrum Gregorii“, der als größtes Malergenie des 10. Jahrhunderts galt.

Aus konservatorischen Gründen musste jüngst ein neuer Einband für den Codex Egberti hergestellt werden. Die neu gebundene Handschrift soll im Rahmen der „Nacht der Wissenschaft“ (28. September, 16 Uhr) im Lesesaal der Stadtbibliothek der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Bibliotheksdirektor Professor Michael Embach wird dazu auch einen Vortrag halten. Das Buch wird an diesem Tag nur für wenige Stunden zu sehen sein. Danach verschwindet es wieder in der Schatzkammer.

Der vorherige Einband stammte aus 1950er Jahren und war qualitativ nicht mehr ausreichend. Als man 2004 begann, ein Faksimile des Werkes zu erstellen, wofür die Seiten einzeln herausgelöst werden mussten, nutzte man diesen Zustand, um einen neuen Umschlag anzufertigen. Mit einer Handschrift aus dem 11. Jahrhundert wurde die Prozedur vorexerziert.

„Wir möchten keine unhistorische Anmutung erwecken“, war der Standpunkt der Bibliothek zur Gestaltung. „Der Einband muss allen Regeln der Kunst entsprechen, die Handschrift schützen, aus Materialien des Mittelalters gemacht und haltbar sein“, so Embach.

Nach zweijähriger Planung und mehrwöchiger Umsetzung der Trierer Buchbinderei Mohr ist der Umschlag nun fertig. Herausgekommen ist ein ästhetisch einfach gehaltener Kalbsledereinband – ohne das von Egbert geschätzte Elfenbein oder sonstige Verzierungen. „Wir haben schließlich keine Belege dafür, dass der Umschlag ursprünglich einmal so ausgesehen hat.“ Zumal es ja auch auf den Inhalt ankommt und eine schmuckvolle Restaurierung wesentlich teurer gewesen wäre. Schließlich warten noch zahlreiche andere wertvolle mittelalterliche Handschriften und Druckwerke aus der Zeit Gutenbergs auf einen neuen Einband. „Die Kosten bewegen sich jetzt in einem Bereich, wo eine normale Bibliothek mit klar kommt“, sagt der Leiter der Einrichtung.

2014 soll die Sanierung der Stadtbibliothek abgeschlossen sein. Dann sollen der Codex Egberti und die anderen Schätze dauerhaft in einer Ausstellung gezeigt werden. Das „Buch des Egbert“ gibt es bereits bei der „Nacht der Wissenschaft“, dem „City Campus“ zu sehen.

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