Brunnen soll anders heißen
TRIER. Am vergangenen Dienstag, am Jahrestag des Endes vom Zweiten Weltkrieg, demonstrierten Mitglieder des Antifaschistischen Jugendbündnisses Trier für eine Umbenennung des „Heimatbrunnens“ am Rathaus.
Der Brunnen, der 1965 eingeweiht wurde, ist eines von 36 Mahnmalen und Gedenkstätten der Vertriebenen, die der Bund der Vertriebenen in Rheinland-Pfalz zählt. Darauf ist eine Bronzeplakette mit folgender Aufschrift angebracht: „Einigkeit und Recht und Freiheit. Breslau, Gleiwitz, Stettin, Königsberg, Eger, Marienburg.“
Das Antifaschistische Jugendbündnis Trier interpretiert die Worte als „verleumderischen Umgang mit der Geschichte“ und machte wie schon 2010 mit einem Infostand vor dem Brunnen darauf aufmerksam. „Anstatt sich der Tatsache der Vertreibung Deutscher von ihrem damaligen Wohnsitz als direktes und nicht anders erklärbares Ergebnis der verbrecherischen Kriegsführung des deutschen Faschismus zu erinnern, anstatt also darauf zu verweisen, daß die Vertreibung eine Vorgeschichte hat, […] suggeriert die Gedenktafel am Brunnen etwas anderes, ja geradezu gegensätzlich verkehrtes: indem sie verschweigt, was war, stellt sie einen verleumderischen Umgang mit der Geschichte dar und möchte durchaus so verstanden werden, als seien ‚Einigkeit und Recht und Freiheit‘ noch nicht ‚für das‘ gesamte ‚deutsche Vaterland‘ wieder vollständig hergestellt“, heißt es in dem Flugblatt, das die Mitglieder verteilten. Als Konsequenz fordern sie „die Entfernung der Bronzeplakette, eine Umwidmung des Brunnens samt entsprechender Gedenktafel und letztlich seine Umbenennung in ‚Brunnen des 8. Mai'“.
