Jensen holt SWR-„Tatort“ nach Trier

Paukenschlag in Mainz: Die Programmverantwortlichen des Südwestrundfunks haben entschieden, den Schauplatz des SWR-„Tatorts“ von Ludwigshafen nach Trier zu verlegen. 23 Jahre nachdem Ulrike Folkerts als Lena Odenthal ihre Ermittlungen aufnahm, soll ab Herbst ein neues Kommissaren-Duo zum Einsatz kommen. Nach Informationen von 16vor nahm man dies beim SWR zum Anlass, die Folgen künftig an einem anderen Ort zu drehen. Ausschlaggebend für Trier sei die Nähe zu Luxemburg sowie die Vielzahl interessanter Drehorte gewesen, etwa im Ehranger Hafen oder im alten Ausbesserungswerk der Bahn in Trier-West. Maßgeblichen Anteil an der Entscheidung hatte aber auch Klaus Jensen. Der OB wollte seinen Coup ursprünglich morgen verkünden – pünktlich zum fünften Jahrestag seines Amtsantritts. Bevor Sie aber nun weiterlesen – dieser Text war unser Beitrag zum 1. April 2012.

TRIER/MAINZ/LUDWIGSHAFEN. Heute Abend ermitteln sie wieder, gehen die Kommissare Till Ritter und Felix Stark auf Sendung. „Alles hat seinen Preis“, lautet die neue Folge des Berliner Duos, und während der große Coole und der kleine Frauenversteher ihren nächsten Fall lösen, wird man in Mainz oder Baden-Baden vielleicht verkündet haben, was 16vor bereits aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr – dass der rheinland-pfälzische „Tatort“ künftig statt am Rhein an der Mosel spielen wird. Nach bislang unbestätigten Informationen wird Trier neuer Schauplatz der ARD-Erfolgsreihe. Schon im Sommer sollen die Dreharbeiten beginnen.

Nachdem Ulrike Folkerts vor wenigen Wochen in der SWR-Talkshow „Wieland Backes“ völlig überraschend und eher beiläufig ihren Rückzug als Kommissarin Lena Odenthal angekündigt hatte, standen die Zeichen auf personelle Veränderung. „Es hat mir unwahrscheinlich Spaß gemacht, aber nach mehr als 20 Jahren ist es nun langsam Zeit für einen Wechsel“, erklärte Folkerts Ende Februar. Ob Andreas Hoppe als Mario Kopper weiter ermittelt, ist dem Vernehmen nach bislang unklar. Für die Folkerts-Nachfolge werden derweil schon erste Namen gehandelt. Im Gespräch sind Bettina Zimmermann und Nadja Uhl. Auch Felicitas Woll soll angefragt worden sein. Für Woll, den meisten seit „Berlin, Berlin“ nur als „Lolle“ bekannt, spricht, dass sie bereits „Tatort“-Erfahrungen sammeln konnte: 2002 spielte sie eine Nebenrolle in „Bienzle und der Tod im Teig“.

Doch unabhängig von der Besetzung – dass der „Tatort“ künftig in Trier spielen wird, scheint für die Programmverantwortlichen des SWR längst ausgemacht. Bis zuletzt galt das Vorhaben als geheime Kommandosache. In den Sendergremien soll es hoch hergegangen sein, zumal sich die Schauplatz-Verlagerung zu einem regelrechten Politikum entwickelte. Das ist verständlich, denn in Ludwigshafen ist man alles andere als begeistert von der Entwicklung. Oberbürgermeisterin Eva Lohse soll auf höchster Ebene interveniert haben. Der „Tatort“ sei ein wichtiger Standort- und Werbefaktor für ihre Stadt, außer der BASF und der schönen Aussicht auf Mannheim bleibe Ludwigshafen ansonsten nicht mehr viel, beklagte sie. Lohse verwies auch auf die Größenverhältnisse, ihre Stadt habe deutlich mehr Einwohner als Trier.

Ludwigshafener sauer: Was bleibt uns dann noch?

Ein Argument, das nicht zog. Denn auch Konstanz (rund 84.000 Einwohner) hat seinen „Tatort“, und weil der neue Schweizer „Tatort“ im nur 77.000 Einwohner zählenden Luzern gedreht wird, drang Lohse auch bei Ludwigshafen-Befürwortern nicht mehr durch. Auch Lohses Hoffnung, der gebürtige Ludwigshafener Thomas Egger könne für die Chemiestadt in die Bresche springen, zerschlug sich. Wenn er sich nun für seine alte Heimat einsetze, könne er ja in drei Jahren nicht mehr als OB-Kandidat in Trier antreten, wies der Kulturdezernent Lohses Ansinnen zurück.

Auch Kurt Beck soll in die Diskussion eingegriffen haben. Der Pfälzer sprach sich angeblich ebenfalls für eine Verlagerung aus. Teilnehmer einer nicht öffentlichen Sitzung zitieren den Landeschef mit den Worten: „Ich war schon immer dagegen, dass der ‚Tatort‘ in Ludwigshafen gedreht wird, weil die Zuschauer denken müssen, so wie da sieht es in ganz Rheinland-Pfalz aus“. Den Ausschlag soll am Ende aber die Freundschaft zwischen Klaus Jensen und Walter Schumacher gegeben haben. Der OB ließ seine Beziehungen spielen und fand in dem Mainzer Kulturstaatssekretär einen kongenialen Unterstützer. Bevor Schumacher 1994 unter Beck zunächst Regierungssprecher wurde, arbeitete der heute 62-Jährige als Moderator und Redakteur für den früheren Südwestfunk. Bis heute unterhält er einen direkten Draht in den Sender, der sich nun auszahlt – für Trier und seinen OB.

Jensen wollte sich am Freitag nicht zum Thema äußern, doch auch ein Dementi war dem Stadtchef nicht zu entlocken. Tatsächlich soll er geplant haben, seinen Coup morgen auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz zu verkünden. Der Termin wäre für ihn ideal gewesen, jährt sich am Montag doch zum fünften Mal Jensens Amtsantritt als Oberbürgermeister. Aus der Überraschung wird nun nichts mehr, doch darf man gespannt sein, wann der SWR das gewesene Geheimnis lüften wird. Aus dem Sender heißt es, man wolle zunächst noch die Besetzung des Duos klären, bevor die Drehort-Verlegung bekanntgegeben werde.

Offenbar will man auch einen dritten Mann ins Boot holen, und der sollte nach Möglichkeit Lokalkolorit verkörpern. Heiß gehandelt wird der Theaterschauspieler und Charakterdarsteller Tim Olrik Stoeneberg. Der stammt zwar aus Köln, lebt aber seit einem Jahrzehnt an der Mosel und hat bereits in einigen Filmen mitgespielt. Dem breiteren Publikum ist Stoeneberg zudem von seinen Moderationen im Bürgerrundfunk OK54 bekannt. Denkbar auch, dass man sich bei den Darstellern des lokalen Blockbusters „Freck langsam“ bedient. „Die Jungs haben die Trierer Kinos voll bekommen, dann bringen die uns auch genügend Leute vor die Glotze“, kommentiert ein Insider die Überlegungen.

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