„Sehr, sehr nah an den Menschen“
Trier bekommt einen neuen Stadtschreiber. Von April bis Oktober nächsten Jahres soll Frank Meyer seine Eindrücke über die Menschen und Begebenheiten in diesem Zeitraum literarisch verarbeiten. Der gebürtige Hermeskeiler, der in Trier und Oxford studierte und derzeit als Geschäftsführer des Graduiertenzentrums und Leiter der Zentralen Studienberatung der hiesigen Uni tätig ist, tritt die Nachfolge von Rajvinder Singh und Frauke Birtsch an.
TRIER. „Die Partnerschaft mit der Stadt muss wachsen. Enttäuscht war ich vor allem über das Desinteresse von Seiten der Stadt“, sagte Rajvinder Singh nach seiner Zeit als Stadtschreiber von Dezember 2006 bis Juli 2007 in einem Interview mit 16vor. Das Kulturamt und der damalige Kulturdezernent hätten ihn nicht einmal eingeladen.
Frauke Birtsch, die 2009/2010 für sechs Monate Stadtschreiberin war, wurde immerhin schon von dem Städtenetzwerk Quattropole unterstützt. Doch erwies es sich für die öffentliche Wahrnehmung als abträglich, dass sie sich dadurch neben Trier auch noch Luxemburg, Metz und Saarbrücken widmen musste.
Bei Frank Meyer soll alles besser werden. Im Kutscherhaus des Haus Franziskus‘, wo er von April bis Oktober 2012 sein „Wohnzimmer“ haben und zu Sprechstunden Besucher empfangen wird, wurde sein Name gestern verkündet – vom aktuellen Kulturdezernenten Thomas Egger. „Dies ist eine Initiative, die es lohnt, fortgeführt zu werden“, betonte der Beigeordnete. „Trier bekommt eine andere Werbung, wenn es literarisch verarbeitet wird.“
Die Stadt fördert das Projekt finanziell und möchte für eine größere Aufmerksamkeit sorgen. „Im Rahmen der Unterstützung soll der Stadtschreiber als Person stärker in den Fokus gerückt werden“, sagte Egger und wies damit auf ein Manko bei den Vorgängern hin. Anders als bisher soll Meyer in das gesellschaftliche Leben der Stadt einbezogen werden.
Eingewöhnungsschwierigkeiten dürfte Frank Meyer, der von einer Auswahlkommission bestehend aus dem Vorstand des Stadtschreiber Trier e.V. und dem Kulturdezernenten aus vier Kandidaten ausgewählt wurde, nicht haben. Der gebürtige Hermeskeiler, der in Primstal wohnt, studierte Anglistik, Germanistik und Niederländische Philologie in Trier und Oxford und kehrte sieben Jahre nach seiner Promotion und einer Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach „Angewandte Sprachwissenschaft“ an der Universität Hildesheim an die Universität Trier als Studienberater und Lehrbeauftragter im Fach Anglistik zurück. Momentan ist der 49-Jährige Geschäftsführer des Graduiertenzentrums und Leiter der Zentralen Studienberatung an der Uni.
Meyer hat bisher unter anderem zwei Erzählbände (Raum 101. Erzählungen über Männer, 2002; Es war mir ehrlich gesagt völlig egal, 2008) veröffentlicht, schon zahlreiche Lesungen gehalten und in verschiedenen Städten mehrere Kreatives-Schreiben-Kurse angeboten. Schreibwerkstätten und Lesungen werden auch in seiner Zeit als Stadtschreiber auf ihn zukommen. Allerdings ist auch Eigeninitiative gefordert. „Wir wollen jemanden, der Kontakt zur Bevölkerung sucht und das auch beschreiben kann“, nannte der Vereinsvorsitzende Dr. Bernd Steinmetz zwei weitere Auswahlkriterien. Bei Meyer ist man sich gewiss, die richtige Wahl getroffen zu haben. „Er ist sehr, sehr nah an den Menschen“, so Egger.
Die Zeitspanne, in der Meyer als Trierer Stadtschreiber tätig sein wird, ist nicht zufällig gewählt. „Wenn es kulturelle Großereignisse gibt, werden wir aktiv“, sagte Steinmetz mit Verweis auf die Jubiläumswallfahrt. Gleichzeitig versicherte er: „Wir erwarten keine Heilig-Rock-Hofberichterstattung.“
