„Ich wollte nicht die Letzte auf der Party sein“
Nach betörenden Auftritten im luxemburgischen Atelier und in der Morbacher Baldenauhalle 2007 kommt Kim Wilde am 8. März 2012 nach Trier. In der Europahalle wird sie ihr neues Album „Snapshots“, das ausschließlich aus Coverstücken besteht, und ihre größten Hits präsentieren. Mit Songs wie „Kids in America“, „Cambodia“, „You keep me hanging on“ und „You came“ gehörte die attraktive Britin zu den Ikonen der 80er Jahre. Mit 16vor sprach sie unter anderem über ihre Karrierepause im Musikgeschäft, über Nena, die ihr zu ihrem Comeback verhalf, und darüber, welche Zukunftspläne eine solch vielseitige Frau wie sie hat beziehungsweise nicht hat.
16vor: Mitte der 90er haben Sie sich für ein paar Jahre aus dem Pop-Geschäft zurückgezogen. Was war der Grund dafür?
Kim Wilde: Ich habe gemerkt, dass die Party zu Ende geht. Ich wollte nicht die Letzte auf der Party sein.
16vor: Ein erfolgreiches Comeback hatten Sie 2003 mit dem Stück „Anyplace, Anywhere, Anytime“ im Duett mit Nena. Haben Sie noch Kontakt zu ihr?
Wilde: Wir reden nicht regelmäßig miteinander. Zuletzt sah ich sie bei ihrem 50. Geburtstag (Anm. d. Red.: 24. März 2010), als ihre ganze Familie da war. Das war sehr schön. Wir haben aber kein kontinuierliches Verhältnis. Wenn wir uns sehen, fühlt sich das gut an. Sie hat mir viel Erfolg gebracht und mich ermutigt und inspiriert, wieder ins Musikgeschäft einzusteigen. Ich war ziemlich lange draußen, aber ich dachte mir, wenn Nena es schafft, schaffe ich es vielleicht auch.
16vor: Mit „Snapshots“ haben Sie ein komplettes Cover-Album aufgenommen. Unter welchen Kriterien haben Sie die Stücke ausgewählt?
Wilde: Zu allererst sollte es eine größtmögliche Zeitspanne abdecken: von dem Zeitpunkt, als ich als Kind anfing, Popmusik zu hören, bis zur Gegenwart. Wir haben das auch einigermaßen hinbekommen. Der älteste Song ist von 1964 (Anm. d. Red.: „Anyone who had a heart“ von Dionne Warwick) und der aktuellste von 2007. Ich wollte zudem Songs, denen ich etwas Neues geben konnte, und die zu meiner Stimme passten. Wir haben einige Stücke ausprobiert, die überhaupt nicht zu mir gepasst haben. Aber ich verrate Ihnen jetzt nicht, welche das waren (lacht).
16vor: Ihre Familie ist sehr musikalisch. Wer von Ihren Geschwistern und Verwandten wird Sie auf der Tour begleiten?
Wilde: Mein Bruder Ricky ist mein musikalischer Leiter, er wird also dabei sein. Und meine Nichte Scarlett. Sie ist meine Begleitsängerin. Bei einigen Auftritten könnte auch mein Mann auftauchen, um mit mir „Kooks“ zu singen. Der Rest meiner Band ist wie meine zweite Familie.
16vor: Eine besonders enge Verbindung scheinen Sie aber zu Ihrem Bruder zu haben. Verläuft das immer harmonisch?
Wilde: Ja, immer. Er ist manchmal ein sturer Esel, aber ich habe seine Meinungen immer sehr respektiert. Ich bin glücklich, dass ich von seinem Talent profitieren kann. Er ist zudem ein toller Kerl. Er ist sehr lustig, ein sehr talentierter Musiker und ein großartiger Bandleader. Er ist die Seele unserer Gruppe.
16vor: Einige Ihrer Kolleginnen wie Cyndi Lauper und Madonna spielen in Filmen mit. Haben Sie daran auch schon mal gedacht?
Wilde: Nein, ich habe mich nie für eine Schauspielerin gehalten. Ich habe einen Schauspieler geheiratet und weiß, welche besondere Fähigkeit das ist. Aber ich glaube nicht, dass ich sie besitze.
16vor: Gibt es irgendetwas anderes, das Sie gerne noch ausprobieren möchten?
Wilde: Es gibt nicht mehr viel, das ich noch ausprobieren möchte. Ich wollte mal Eiskunstläuferin werden, aber ich glaube, ich bin inzwischen zu alt, um solche Dinge anzufangen.
16vor: Sie planen also auch nicht, einen Roman oder eine Autobiographie zu schreiben?
Wilde: Nein, ich denke, die Leute wissen schon mehr als genug über mich.
