„Ich habe einen chronischen Hang zu Zerrungen“
„Nicht ohne meinen Pappa“ war Anfang der 90er Jahre die erste Sprechplatte seit Otto Waalkes, die in die Charts kam. Heißt es zumindest auf der Homepage von Badesalz, weshalb es auch stimmen muss. Schließlich wird dort auch glaubwürdig vermittelt, wie das hessische Humorduo zusammengefunden hat: „Wir tanzten kurz nach dem Krieg im russischen Staatsballett, wo wir uns auch kennengelernt haben.“ Beziehungsweise: „Wir trafen uns bei einer Brauereipferde-Auktion im holländischen Heiloo, wo wir beide dasselbe Pferd ersteigern wollten…“. Am 3. Dezember treffen Gerd Knebel und Henni Nachtsheim jedenfalls wieder in Trier aufeinander. In der Europahalle stellen sie ihr neues Programm „Bindannda“ vor. Nachtsheim gab 16vor Auskunft über die neue Bühnenshow und vor allem über seine Lieblingsmannschaft Eintracht Frankfurt.
16vor: Bitte ergänzen Sie den folgenden Satz: Mit Michael Skibbe wäre Eintracht Frankfurt…
Henni Nachtsheim: … noch früher abgestiegen.
16vor: Was dachten Sie bei der Verpflichtung von Christoph Daum?
Nachtsheim: Wow! Jetzt zeigt Heribert Bruchhagen allen, die ihm irgendjemanden reinschwätzen wollten, verbal den Mittelfinger.
16vor: Und was denken Sie inzwischen über ihn?
Nachtsheim: Er ist bestimmt kein schlechter Trainer. Aber er muss sein Rhetorikgehabe überdenken! Diese Art von Motivationstamtam ist überholt!
16vor: Wie oft gehen Sie ins Stadion?
Nachtsheim: Aufgrund der Auftritte nicht regelmäßig. Aber wenn ich nicht kann, zeichne ich die Eintracht-Spiele in der Regel auf.
16vor: Tragen Sie bei Stadionbesuchen ein bestimmtes Trikot?
Nachtsheim: Nein, aber schwarzrote Socken.
16vor: Was hält der Kollege Knebel von Ihrer Fußballleidenschaft? Interessiert er sich für Fußball? War ein komplettes Programm über Fußball schon mal Thema?
Nachtsheim: Gerd duldet das. So wie ich es dulde, wenn er vom Boxen redet. Fußball spielt immer mal eine Rolle bei uns, aber nimmt keinen zu großen Raum ein. Deshalb habe ich ja mein Soloprogramm, da geht’s um Fußball.
16vor: Der vielleicht am meisten nachgespielte Dialog von Badesalz ist „Anthony Sabini“, in dem es um Rassismus beim Fußball geht. Was würden Sie machen, wenn im Stadion in Ihrer Nähe jemand fremdenfeindliche Parolen riefe?
Nachtsheim: Wenn es ein paar überdrehte Buben sind, würde ich sie ansprechen und fragen, ob sie überhaupt wissen, was sie da rufen. Sind die Buben aber deutlich alle über Mitte zwanzig und zudem im Dutzend unterwegs, würde ich es eher lassen…
16vor: Sie spielten früher selbst Fußball auf Rechtsaußen. Kicken Sie heute noch ab und zu?
Nachtsheim: Leider nein. Ich habe einen chronischen Hang zu Zerrungen. Deshalb lasse ich es.
16vor: Einen wichtigen Teil in Ihrem und auch Herrn Knebels Leben nimmt die Musik ein. Ist das eine Art Ausgleich zur Comedy?
Nachtsheim: Das ist wie bei der Ernährung. Wir essen beide gerne gute Sachen. Aber wir trinken beide auch gern, was uns schmeckt. Und nicht, weil wir zum Essen einen Ausgleich bräuchten. Musik spielt für uns schon immer eine große Rolle, das ist in uns drin.
16vor: Viele gute Komiker sind auch passable Musiker. Sehen Sie da einen Zusammenhang oder empfinden Sie das anders?
Nachtsheim: Ich finde nicht, dass es so viele sind. Deswegen kann ich auch keinen Zusammenhang herstellen.
16vor: In Ihrem neuen Programm geht es um einen Mann, der nach dem Absturz mit seinem Gleitschirm in einem Wald bei einem Aussteiger landet. Die Zuschauer dürfen sich also vor allem wieder auf groteske Komik freuen?
Nachtsheim: Ob das grotesk oder sonst was ist, müssen andere beurteilen. Es ist jedenfalls ein intensives Zwei-Personenstück, also kein Nummernprogramm. Und wir spielen es ausgesprochen gerne!
16vor: Was war der Auslöser für die Idee zum neuen Programm? Ist Ihnen etwas Vergleichbares passiert? Martin Sonneborn hat bei seiner Dokumentation „Heimatkunde“ ja auch einen sonderbaren Aussteiger im Wald getroffen.
Nachtsheim: Ehrlich gesagt kenne ich das nicht. Für uns war der Ausgangspunkt, dass wir eine Situation schaffen wollten, in der zwei Personen aufeinandertreffen, die sich bislang nicht kannten.
16vor: Bei Ihrer Tour treten Sie auch an zwei Tagen in Offenbach auf. Werden Sie Witze über Offenbacher erzählen?
Nachtsheim: Ja, klar!
16vor: Fänden Sie es gut, wenn die Offenbacher Kickers und die SGE wieder einer Liga spielten?
Nachtsheim: Das kommt auf die Situation an. Wenn es in der 1. Liga ist: absolut ja!
16vor: Wo steht die Eintracht am Ende der Saison?
Nachtsheim: Ich hoffe, dass sie sich schnell in der Liga zurechtfinden und auf einem Aufstiegsplatz landen wird. Wichtiger ist mir aber noch, dass sie uns das Gefühl geben, sich wirklich reinhängen zu wollen!
16vor: Bitte vervollständigen Sie zum Abschluss diesen Satz: Wenn Lothar Matthäus einmal Trainer bei der SGE werden sollte, werde ich…
Nachtsheim: … meinen Mitgliedsausweis zurückgeben.
