„Wir erleben einen echten Boom“
Viele Tierfreunde wissen um die Existenz von Hundesalons, haben aber noch nie einen Coiffeur für ihren Vierbeiner aufgesucht. Guido Klaus betreibt sein Pflegestudio für den angeblich besten Freund des Menschen bereits seit mehreren Jahren – seit er vom Zahntechniker zum „Groomer“ umschulte. 16vor interviewte den Heimtierpfleger in seinem Laden „GK-Hundefellness“ in der Herzogenbuscher Straße und sprach mit ihm über frisierunwillige Tiere, die Akzeptanzprobleme seines Berufs und die häufigsten Fehler der Hundehalter. Ein Gespräch auch über die Ängste von Frauchen und Herrchen und eine Branche, die seit einigen Jahren boomt.
Direkt nach der morgendlichen Ladenöffnung bedient Guido Klaus die erste Kundin des Tages. Auf dem Frisiertisch seines etwa 50 Quadratmeter großen Trimmstudios wird der West Highland White Terrier Angel zurechtgemacht. Derweil wartet die Besitzerin im abgetrennten Areal auf ihre Hundedame, die die Pflege sichtlich genießt und sich nach einem Bad artig föhnen und das Fell schneiden lässt.
16vor: Herr Klaus, sind Sie schon mal von einem Hund gebissen worden, der sich von Ihnen nicht frisieren lassen wollte?
Guido Klaus: Nein, so etwas ist mir tatsächlich noch nie passiert. Es gibt keine Hunde, mit denen ich nicht zurechtkommen kann. Vor ein paar Tagen schnappte mal einer nach mir, aber nach über 30-jähriger Erfahrung in Erziehung und Ausbildung von Problemhunden hat man gelernt, in jeder Situation richtig zu reagieren. Ganz wichtig ist dabei, dass ich schon bei der telefonischen Terminabsprache vorab versuche, durch gezieltes Fragen herauszubekommen, wie der Hund so drauf ist. Wenn der Hund dann da ist, frag ich mich zwar bisweilen nach fünf Minuten, was mir der Halter da denn eigentlich erzählt hat, aber in den Griff bekomme ich alle Tiere, die zu mir gebracht werden.
16vor: Wie gehen Sie konkret damit um, wenn sich Hunde gegen Ihre Behandlung wehren?
Klaus: Wenn das geschieht, sind normalerweise immer die Besitzer dafür verantwortlich. Wenn Herrchen oder Frauchen nämlich schon zwei Tage vor dem ersten Besuch im Hundesalon ohne Ende aufgeregt sind, dann überträgt sich das auf die Psyche ihres Tieres. Als Schutzmaßnahme habe ich mir deshalb angewöhnt, bis auf wenige Ausnahmen mit den Hunden alleine zu arbeiten, denn wenn die Besitzer neben mir am Tisch stehen, brauche ich wegen Unterhaltungen oder irgendwelchen unbegründeten Ängsten mindestens eine dreiviertel Stunde länger als alleine. Und selten kommt es auch vor, dass ich bereits am Telefon merke, wenn es nicht passt. Dann empfehle ich, sich an jemand anders zu wenden.
16vor: Womit haben Hundesalon-unerfahrene Heimtierhalter die meisten Probleme?
Klaus: Das Baden ist für viele ein Drama. Einige wollen das ihrem Hund nicht antun. Vergangene Woche lehnte es eine Kundin ab mit der Begründung, ihr Hund würde beim Baden schreien (lacht). Dabei schadet das dem Tier nicht, weshalb ich keine schmutzigen Hunde ungebadet frisiere. Andere stören sich an dem „Galgen“, den ich verwende, damit mir hier kein Hund vom Tisch fällt.
16vor: Sie können nicht verstehen, dass manche Hundehalter das nicht wollen?
Klaus: Dieser „Galgen“ bedeutet nicht Leid und Schmerz, sondern ist im Grunde nichts anderes als eine gewöhnliche Hundeleine. Die Fixierung am Tisch ist wichtig, denn wenn der Hund runterspringt und sich verletzt, dann zahlt das keine Versicherung der Welt. Solche Befürchtungen beruhen meist auf Unkenntnis. In dem Fall stört wohl in erster Linie das negative Wort.
16vor: Die Kenntnisse über Hundesalons scheinen hierzulande insgesamt wenig verbreitet.
Klaus: Das hat auch einen klaren Grund. Deutschland ist einer der wenigen westlichen Staaten, in denen „Heimtierpfleger“ oder „Groomer“, wie wir offiziell heißen, nicht als regulärer Ausbildungsberuf angeboten wird. In Italien oder den USA ist es beispielsweise üblich, dass ein Hundesalon ein Dutzend Mitarbeiter hat. Da wird wie am Fließband gearbeitet, jeder hat seine spezielle Aufgabe.
An den Wänden zeugen viele Urkunden von der Kompetenz des Salonbetreibers. Vom „Trimmen des Airedale-Terrier“ bis zum „Fachgerechten Effilieren“ hat er inhaltlich alles drauf und mit dem Zertifikat „ZZF-geprüfter Heimtierpfleger“ abgeschlossen. Zwischendurch erwacht auch Klaus‘ Königspudel Greta aus seinem Dösen, um mit den wartenden Hunden zu spielen oder sich Streicheleinheiten abzuholen. Kaum verwunderlich, dass das prächtige Tier aussieht, als habe es bereits bei mehreren Ausstellungen den ersten Preis abgeräumt.
16vor: Wie und wann sind Sie darauf gekommen, einen Hundesalon zu eröffnen?
Klaus: Meine Leidenschaft für Hunde war schon immer da. Eigentlich bin ich gelernter Zahntechniker. Vor etwa zehn Jahren war ich aber in ein berufliches Loch gefallen und musste finanziell wieder auf die Höhe kommen. Da ich mit meinen Gordon Settern bereits länger Hundeausstellungen besucht und mein Interesse für die Pflege begonnen hatte, eröffnete ich 2002 bei mir zu Hause einen privaten Hundesalon und investierte über die Jahre hinweg gut 5.000 Euro in die vielen Kurse und Spezial-Seminare. Trotzdem hat es Jahre gedauert, bis ich mir ein Herz gefasst und das Hobby zum Beruf gemacht habe, denn ich kenne wenige, die davon leben können. In Deutschland war es bis vor wenigen Jahren überwiegend üblich, dass irgendwelche Hundebesitzerinnen ohne vertiefte Kenntnisse eigene Salons führten. Nachdem ich es dann aber trotzdem professionell gewagt hatte, zahlte es sich dann zum Glück relativ schnell aus.
16vor: Wie würden Sie Ihre Kundenklientel charakterisieren?
Klaus: Eine heterogene Gruppe. Vom Privathalter über den Aussteller bis hin zum Züchter habe ich jeden in meiner Stammkundschaft. Und sie kommen teilweise von weit her: manche aus Kaiserslautern, andere aus dem Saarland, Luxemburg und sogar Aschaffenburg.
16vor: Wie oft sollte man mit seinem Vierbeiner zum Hundesalon gehen?
Klaus: Das kommt ganz auf den Hund an. Bei einem Terrier wäre es alle sechs bis acht Wochen angebracht, mindestens jedoch zweimal im Jahr. Viele unterschätzen vor allem die Funktion des Fells und meinen, ihr Hund müsse nur im Frühjahr einmal geschoren werden und im Winter dürfe es wuchern. Dabei schützt das Fell nicht nur vor Kälte, sondern auch vor Wärme. Da muss behutsamer gepflegt und auch die für die jeweilige Rasse geeignete Technik angewendet werden. Ein Pudel wird beispielsweise wirklich geschoren, ein Terrier dagegen nur gezupft.
16vor: Was müssen Sie als Groomer neben Frisiertechniken noch so drauf haben?
Klaus: Vertiefte Kenntnisse über Anatomie, Krankheitsanzeichen und Verhaltensweisen sind genauso wichtig. Es gibt zwar einige, die sich als „Hundepsychologen“ bezeichnen, obwohl viele von denen nicht mal gelernte Psychologen sind, aber ein Groomer sollte generell mehr bieten als Waschen, Schneiden und Pflegetipps. Neben dem Wellness-Effekt, der im Namen meines Salons zum Ausdruck kommt, berate ich manche Kunden auch beim Kauf eines Hundes oder zu Ernährungs- und Erziehungsfragen.
16vor: Hat Ihr Beruf günstige Zukunftsaussichten?
Klaus: Auf jeden Fall! Wir erleben in der jüngeren Vergangenheit einen echten Boom. Und das nicht nur auf der Kundenseite. Auch bei den Interessenten, die den Beruf erlernen wollen, erlebe ich in meiner Nebentätigkeit als Ausbilder einen Anstieg. Wenn der anhalten sollte, werden in der Bevölkerung auch die Kenntnisse über Hundesalons größer und vielleicht wird irgendwann sogar die rechtliche Stellung als Ausbildungsberuf anerkannt.
16vor: Also werden Sie den Job bis zur Rente machen?
Klaus: Ja, wenn ich bis dahin durchhalte (lacht). Immerhin ist das ein echter Knochenjob. Nicht nur, dass man den ganzen Tag im Stehen arbeitet. Auch an die Gelenke sind die Anforderungen hoch, was ich nach meiner Schulteroperation vor ein paar Jahren besonders spüre. Die Arbeit macht mir aber richtig viel Spaß, denn Hunde sind wirklich wundervolle und faszinierende Tiere.
Frisch frisiert kommt „Angel“ nun wieder vom „Galgen“ und darf ihrem ausgeprägten Spieltrieb nachgeben. Bevor Frauchen sie zurück in ihre Obhut nimmt, blickt die Hündin mit großen Augen noch einmal zu Guido Klaus, als wolle sie sich für die Wellness-Behandlung bedanken. Der wiederum lächelt zufrieden, schreitet zum Besucherbereich und schnappt sich den nächsten wartenden Kunden: einen schwarzen Terrier mit langem Fell.
In loser Folge interviewt 16vor Trierer, die etwas zu sagen haben – zu Themen, die immer aktuell sind. Bereits erschienen: „Die kleinen Fortschritte machen am glücklichsten“ – Kreisliga-Trainer Sascha Carl über chronische Erfolglosigkeit und Durchhaltevermögen.
von Christian Baron
