Nervenstärke siegt
Beim FC Bayern ist es wie in vielen anderen Spielstätten der Basketball-Bundesliga ein guter Brauch, dass sich das Publikum beim Anpfiff erhebt – und erst dann wieder setzt, wenn die heimische Mannschaft den ersten Korb erzielt hat. Für gewöhnlich darf sich die Münchner Anhängerschaft recht schnell wieder niederlassen, schließlich ist das eigene Team ja ziemlich heimstark. Doch in dieser Partie gegen die TBB Trier war das ein bisschen anders. Da hieß es aus Münchner Sicht erst 0:3, dann 0:6, dann 0:8 – und weil dazu noch die im Basketball üblichen Unterbrechungen vor Frei- und Einwürfen kamen, musste der gemeine Bayern-Fan stolze vier Minuten stehen, ehe er wieder Platz nehmen konnte. Am Ende dürfte es ihm jedoch egal gewesen sein.
MÜNCHEN. Es war ein Auftakt, der die Münchner etwas beunruhigen musste und der zudem beispielhaft war für den Rest der Partie. Zwar gewannen sie das Spiel noch mit 76:70 (36:33), doch die Trierer hatten dem großen Favoriten heftig zugesetzt – und ein Sieg für die Auswärtsmannschaft wäre nicht unverdient gewesen. Entsprechend groß war danach das Lob des Bayern-Trainers Dirk Bauermann. „Trier hat uns alles abverlangt, Trier war sehr gut vorbereitet, Trier hat mit viel Energie gespielt“, sagte er.
Triers Coach Henrik Rödl hingegen saß mächtig enttäuscht daneben. Obwohl er seiner Mannschaft ein großes Kompliment machte – und dieses angesichts der gezeigten Leistung auch nicht die übliche Branchenrhetorik, sondern wirklich angebracht war. „Ich bin sehr stolz auf unser Team. Die Bayern haben irgendeinen Weg gefunden, das Spiel zu gewinnen“, sagte Rödl leicht resigniert und erweckte den Anschein, als suche er gerade immer noch nach diesem Weg.
Denn zwischen dem großen Favoriten Bayern München und dem klaren Außenseiter TBB Trier war kein großer Leistungsunterschied zu sehen gewesen. Rödl hatte seine Mannschaft vor allem defensiv gut eingestellt, den starken Münchner Center Jared Homan nahm sie nahezu komplett aus dem Spiel. Unterm Korb war Maik Zirbes immens stark, neben seinen 16 Punkten schaffte er auch noch zwölf Rebounds. Und offensiv zeigte der erst zum zweiten Mal eingesetzte Zugang James Washington seine Qualitäten: 13 Zähler steuerte er bei und war somit nach Zirbes zweitbester Trierer Werfer.
Mit dieser Einstellung war es der TBB auch gelungen, die anfangs erspielte Führung bis weit ins zweite Viertel hinein zu halten. Zwischenzeitlich betrug der Abstand sogar neun Zähler (23:14 beziehungsweise 26:17). Und selbst als die Bayern nach einer guten Serie durch einen Dreier von Robert Benzing in Führung gingen (18.), steckte die TBB nicht auf, sondern blieb dran. Mal waren es vier Punkte Rückstand, mal sechs, mal acht, aber nie so viele, dass jemand hätte sagen können: Diese Partie ist entschieden.
Als sich die Münchner im letzten Viertel eine Schwächephase leisteten und ihr Center Homan zudem ein technisches Foul kassierte, war die Mannschaft von Henrik Rödl sogar wieder ganz zurück im Spiel. 61:61 stand es dreieinhalb Minuten vor Schluss, doch dann zeigte sich die Klasse der Bayern-Spieler Chevon Troutman und Jonathan Wallace: Die nächsten 13 Punkte gingen auf ihr Konto. Vor allem an der Freiwurflinie blieben sie nervenstark – und das war an diesem Abend vielleicht der einzige wirkliche Unterschied zwischen dem Favoriten und dem Außenseiter. Denn während beispielsweise Wallace alle seine zwölf Freiwürfe versenkte, lag die Trierer Quote von der Linie bei äußerst schwachen 61 Prozent.
Das sollte sich bessern, wenn die TBB am 27. Dezember (Anpfiff: 20 Uhr, Arena Trier) die Brose Baskets aus Bamberg empfängt. Ansonsten könnte es gut sein, dass sie die vierte Niederlage in Folge kassiert und den Abstiegsrängen noch näher rückt. Denn nach dem 70:76 in München liegt Trier schon nur noch auf Rang 15. (MSA)
FC Bayern: Wallace (18), Troutman (18), Hamann (2), Schwethelm (8), Nadjfeji (0), Benzing (15), Hansbrough (3), Greene (5), Jagla (0), Homan (7)
TBB Trier: Linhart (5), Joyce (5), Saibou (0), Zwiener (7), Dojcin (10), Faßler (6), Seiferth (2), Washington (13), Picard (0), Zirbes (16), Bynum (6)
Schiedsrichter: Lottermoser, Krause, Arik
Zuschauer: 5598
von 16vor
