Laas‘ Letters from London… #8

Wie in meiner letzten Kolumne versprochen, möchte ich heute davon berichten, welche Hürden mit einer Konto-Eröffnung in London verbunden sein können. Zur Erläuterung eines mir bisher bekannten Weges beginne ich in Berlin. Dort geht man einfach mit seinem Personalausweis in eine Sparkassen-Filiale, setzt sich zu einem Mitarbeiter, sagt, welche Konten man benötigt, unterschreibt Formulare, bekommt Kopien und innerhalb von circa 14 Tagen ist dann auch die EC-Karte im Briefkasten. Geheimnummer wird separat verschickt. Das nenne ich ein Musterbeispiel an Bürokratie, und bisher dachte ich immer, wir Deutschen hätten auch den Papierkrieg erfunden. Weit gefehlt!

Kommen wir nun nach London. Banken gibt es hier sehr viele und weil meine Geschichte fast schon Allgemeingültigkeit besitzt, kann ich auch auf die Nennung einer bestimmten Bank verzichten.

Man geht hinein und fragt nach einem Girokonto. Der Gesichtsausdruck des Angestellten dort wäre auch nicht anders, hätte man versucht, die Bank auszurauben. Wir befinden uns in Phase 1… Fast alle atmen noch normal. Der Personalausweis wird gezeigt (ja, mit deutscher Adresse), Unterlagen vom neuen Arbeitgeber mit persönlichem Anschreiben können vorgelegt werden. Was ich vergessen habe zu erwähnen: Diese Geschichte ist nicht mir, einem Künstler, passiert, sondern einem Banker (!), dessen Arbeitgeber Businesskonten bei diesem Institut hat und nicht unbekannt sein dürfte. Let’s keep going.

Da momentan nur eine Hoteladresse vorliegt (Wohnungssuche ist noch nicht abgeschlossen, aber er arbeitet bereits) kann das Konto nur mit einer Gebühr eröffnet werden, mit Jahresvertrag. Tipp #1: Warten, bis eine UK-Adresse vorliege, oder jemanden bitten, einfach einen Brief zu schreiben, dass man dort angeblich wohne, dann sei es kostenfrei! Auf die Frage, ob man diesen Tipp schriftlich haben könne, wurde höflich gelächelt. Also erst einmal kein Konto eröffnet.

Kleiner Zeitsprung. Die neue UK-Adresse ist nun fast vorhanden, Einzug ist in 14 Tagen. Zweiter Anlauf bei der gleichen Bank. Wieder hat man den Ausweis dabei, die Papiere des Arbeitgebers und kann eine Adresse nennen. Die Bank möchte nun eine schriftliche Erklärung vom vorigen Vermieter, eine Erklärung vom Hotel, man habe ja schließlich dort vier Wochen gewohnt. Tipp #2: Man könne auch Briefe mit der neuen Adresse mitbringen, zum Beispiel die Wasserrechnung (dazu später).

Nach fünf Anläufen bekommt unser Banker sein Girokonto. Der UK-Arbeitgeber will ihm ja auch endlich sein Geld in London überweisen. Gehen wir nun einen Schritt weiter. Onlinebanking und Dauerauftrag. Es gibt zwar ein freigeschaltetes Konto, aber beim Onlinebanking immer Fehlermeldungen. Die selbstgewählte (!) PIN-Nummer sei falsch. War sie natürlich nicht! Ein persönlicher Besuch in der Filiale erfolgt mit der nicht formulierten Äußerung, der Kunde sei wohl zu blöd, seine PIN-Nummer einzugeben. Wir erinnern uns: Max Mustermann hier ist selbst Banker, but who cares? PIN wird zurückgestellt und ein neuer Code eingegeben. Ergebnis: Onlinebanking funktioniert nicht. Wieder in die Filiale. Bei der Beschwerde tippt der Mitarbeiter weiter seine SMS, zieht sich den Nasenrotz hoch und nach einer ganzen Stunde kommt heraus, dass das Geburtsdatum falsch eingegeben war. Von wem wohl?

Zur Einrichtung eines Dauerauftrags zur Überweisung der Miete wird vom Immobilienmakler ein Formular der Bank ausgefüllt. Wieder persönlich in der Filiale. Weitere Papiere werden ausgefüllt, abgegeben, die persönliche Unterschrift hinterlegt. Dann passiert lange nichts. Der angekündigte Brief mit der Freischaltung kommt nicht. Die erste Miete wird also per Kreditkarte überwiesen, man will ja die neue Wohnung nicht gleich wieder verlieren.

Endlich Post. Ein Kreuz auf dem Formular fehlte. Wieder in die Bank, denn der Antrag muss neu gestellt werden. Der Immobilienmakler muss natürlich auch noch einmal das gleiche Formular ausfüllen (of course).

Wieder laaaaaaaaaaaaange keine Post. Dann endlich mit einer Absage, weil die Unterschrift angeblich abweichend war. Wieder wird die Miete per Kreditkarte gezahlt, man will ja die mittlerweile liebgewonnene, neue Wohnung wirklich nicht mehr verlieren. Es folgen endlose Telefonate mit den ewig gleichen Entschuldigungsfloskeln, bis Max Mustermann ganz untypisch für seinen Charakter, das Konto mündlich kündigt und das Gespräch mit „FUCK YOU“ beendet. War ja schließlich eine teure Hotline und irgendwann platzt wohl jedem mal der Kragen. Habt Ihr nun alle bis hierhin durchgehalten? Ich bin stolz auf Euch!

Kommen wir nun zum gefährlichen Sparkonto… Kleiner Scherz! Das wäre jetzt echt zu viel. Aber momentan überlegt unser Banker, einen Waffenschein zu beantragen, damit er einen zweiten Identitätsnachweis hat, da ja die Wasserrechnung nur zwei Mal im Jahr kommt, aber als proof of identity nach 90 Tagen nicht mehr anerkannt wird.

Macht’s gut, Ihr Trierer. Erfreut Euch an der heimischen Sparkasse, und wenn ihr mal nach London kommt, bringt Traveller Cheques mit!

Euer Laas

TIPPS:
www.sparstrumpf.co.uk
www.gelduntermkopfkissen.com

Der Berliner-Trierer Konzeptkünstler Laas Koehler berichtet alle 14 Tage für 16vor aus London. Mehr Informationen unter: http://www.laaskoehler.tumblr.com.

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