Laas‘ Letters from London… #6

Der Tunnel ist geschafft und der Eurostar hält gerade in Calais. „Der Weg ist das Ziel“ ist ja normalerweise mein Lebensmotto, aber heute möchte ich einfach nur ankommen – in Trier. Seit Oktober 2011 wohne ich bereits in London und freue mich nun auf meine erste Heimreise, auf meine Freunde, auf alles, was mir lieb geworden ist, in dieser wunderschönen Moselstadt.

In Brüssel habe ich einen Aufenthalt, bestelle Kaffee und Kuchen und muss mal wieder in Euro bezahlen. Die Toilettenbenutzung kostet 50 Cent und ich frage mich tatsächlich, ob es überhaupt 50-Cent-Münzen gibt. Schon komisch, wie schnell man vergisst. Wie es in Trier aussieht, habe ich natürlich nicht vergessen und ich kann meine Erinnerungen bestätigen, als ich abends endlich am Hauptbahnhof ankomme. Es ist alles beim Alten! Nichts verändert… alles ist gut. Ich werde abgeholt, herzlich begrüßt und zum Essen eingeladen. Anschließend werde ich sogar nach Hause gefahren – Danke Christina.

In Mertesdorf angekommen staune ich nicht schlecht, wie groß meine Wohnung ist, im Vergleich zum Londoner Ground Floor Flat. Ich erahne, wie sich wohl die Queen fühlen mag, in ihrem Schloss und fühle mich doch sehr privilegiert, in zwei Welten leben zu dürfen. Am nächsten Tag beginnt meine Arbeit, denn ich bin ja nicht nur zum Vergnügen hier. Ich werde am Sonntag neue Werke in der Galerie Neosyne (Karl-Marx-Str. 53) ausstellen, habe viele Termine für die Organisation einer Reliquienausstellung, welche parallel zur Wallfahrt (14. April) eröffnen wird und ein spannendes Projekt mit der Lebenshilfe.

HILFE… was für ein Programm. Doch bevor ich starte, geht es zuerst von der Porta aus durch die Fußgängerzone. Mir fällt auf, wie langsam und gemütlich sich die Menschen bewegen, und es ist schön, mal wieder hier zu sein. Auch, wenn ich sicherlich nicht jeden Trierer persönlich kenne (ich arbeite daran), so fühlen sich die Menschen hier nicht ganz so anonym und distanziert an, wie in der englischen Hauptstadt. Alles hat wohl seine Vor- und Nachteile, right?

Die ersten Tage vergehen fast wie im Flug. Ich habe viele Termine, bin immer unterwegs und beginne in der zweiten Woche so langsam meine neue, neue Heimat zu vermissen. Irgendwie vermisse ich die englische Sprache, mein Real English Breakfast (kann tatsächlich lecker sein) und träume mich hin und wieder über den Kanal. Und weil ich weiß, dass ich Trier nach meiner Rückkehr im Februar auch wieder vermissen werde, bin ich im Hier, im Heute und versuche, so viel wie möglich mitzunehmen.

Die Stadt hat so viele schöne Gebäude, die Glocken läuten und geben einen angenehmen Rhythmus vor und die vorhin angesprochene Langsamkeit habe ich tatsächlich positiv gemeint! Der Karamell-Macchiato im Coffee Fellows wird zum täglichen Ritual und als ich den Co-Working-Space in der Saarstraße entdecke, atme ich sogar etwas Großstadtluft. Im Kontrast dazu gefällt mir aber auch der neue Tante-Emma-Laden, welcher in einem begehbaren Schaufenster, nostalgische Alltagsprodukte und allerlei Kuriositäten anbietet.

Ganz unerwartet und spannend ist die „Neue Kunst im öffentlichen Raum“, welche wie eine Installation von Iza Genzken aussieht und ebenfalls in der Saatch Gallery zu finden sein könnte. Das Broadway-Kino ist natürlich Pflicht und wird gleich zweimal besucht. Ein Käsegriller gegenüber von Karstadt muss auch noch sein und schmeckt nur hier, in Trier. Der Winter Pride auf dem Kornmarkt war zwar verregnet, aber dennoch schön, auch dort mal wieder bekannte Gesichter wiederzusehen. Prima, das die SCHMIT-Z-Family und die Trierer Aidshilfe weiterhin so aktiv sind!

Die Ausstellung von sechs Künstlern aus York im Kunstverein Junge Kunst (geht noch bis 25. Februar) ist sicherlich auch kein Zufall, sondern ein Anzeichen dafür, dass zwischen England und Trier bereits mehrere Brücken bestehen und weiter ausgebaut werden wollen. Wer mich mal also mal besuchen mag, kann sich ja einfach mal melden…

Macht’s gut und bis zum nächsten Mal.

Euer Laas

TIPP:
www.neosyne.de
www.coworking-trier.de
www.saatchi-gallery.co.uk
www.junge-kunst-trier.de

Der Berliner-Trierer Konzeptkünstler Laas Koehler berichtet alle 14 Tage für 16vor aus London. Mehr Informationen unter: http://www.laaskoehler.tumblr.com.

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