Eintracht Trier macht die Liga wieder spannend

Für Eintracht Trier könnte es bereits einige Tage vor dem Weihnachtsfest eine große Bescherung geben. Denn nach dem verdienten 3:2-Sieg im Auswärtsspiel bei Ligaprimus Sportfreunde Lotte beträgt der Rückstand auf Platz eins jetzt nur noch drei Punkte. Somit kann die Elf von Roland Seitz am kommenden Mittwoch den ganz großen Wurf landen. Denn schafft Trier im Nachholspiel in Wiedenbrück wieder einen Dreier, wäre man schon zur Winterpause punktgleich mit Lotte. Eine glänzende Perspektive also, die noch vor wenigen Wochen nicht Viele für möglich gehalten hätten.

LOTTE. Der 3:2-Sieg des SVE kann nicht hoch genug bewertet werden. Denn von Beginn an deutete die Körpersprache ganz klar darauf hin, den Sportfreunden mit viel Selbstvertrauen den Schneid abzukaufen. Die Eintracht wusste also um ihre Chance – und auch die über 100 mitgereisten Fans machten mit Spruchbändern klar, was sie von ihrer Elf erwarteten. „Ihr müsst heute alles geben, dem Aufstieg entgegen streben“ hieß es auf einem der Transparente.

Und furios starteten sie auch in die Partie. Die Sportfreunde standen brav Spalier, als sich Pagenburg durch die Abwehr spielte, dann aber seinen Schuss viel zu hoch ansetzte (1.). Trier dürfte überrascht gewesen sein von der recht holprigen Abwehr, die doch sonst das Prunkstück der Sportfreunde ist. Doch nach diesem Warnschuss lief es besser für den Gastgeber. SFL-Stürmer Martin Hess bekommt die Kugel von Marc Lorenz schön in den Lauf gespielt, doch Andre Poggenborg ist schneller am Ball (4.). Während Triers Keeper in dieser Situation noch sicher wirkte, offenbarte er in der nächsten Szene leichte Probleme, als Henning Grieneisen ihn mit einem Freistoß prüfte, den „Pogge“ gerade noch zur Ecke lenken konnte (14.). Nach einer halben Stunde scheiterte dann Christian Schlösser am SVE-Torwart, der die Kugel sicher herunterpflückte. Als dann noch Sebastian Zinke nur drei Minuten später den Ball weit über das Tor setzte, war es mit der Geduld vieler Lotter Fans vorbei. „Wir waren da klar die bessere Mannschaft und hätten auch in Führung gehen müssen“, monierte später Trainer Maik Walpurgis.

Aber eine abgezockte und taktisch gut eingestellte Gästeelf wusste dann die Nachlässigkeiten clever zu nutzen. Mit der zweiten Chance erzielte Thomas Kraus das 0:1 (34.). Eine tolle Flanke von der linken Seite landete direkt vor seinen Füßen – wuchtig und ungedeckt versenkte er die Kugel im Netz. Dabei war nicht nur das Tor, sondern auch der Jubel sehenswert, denn Kraus zeigte auf den orangenen Schuh und hätte wohl am liebsten noch seinen Fuß geküsst, mit dem er den Treffer markieren konnte.

Doch der Jubel währte nicht lange, denn Lotte wirkte danach weiter bissig und drängte sofort auf den Ausgleich. Und der fiel nur drei Minuten später, als Martin Hess die Trierer Innenverteidigung derart unter Druck setzte, dass Denny Herzig statt zur Ecke zum 1:1 ins eigene Tor schoss (37.). Und fast wäre in der ersten Halbzeit noch der 2:1-Führungstreffer gelungen, doch Lottes Marc Lorenz haute den Ball weit über den Kasten von Poggenborg. „Zur Halbzeit konnten wir schon froh sein über das Ergebnis, da gibt es nichts zu beschönigen“, resümierte später Trainer Roland Seitz. Ähnlich sah es auch der Torschütze zum 0:1: „Wir hatten anfangs Probleme, ins Spiel zu kommen. Den guten Standards von Lotte konnten wir nicht viel entgegensetzen“, so Kraus, der Marc Gouiffe á Goufan ersetzte, der auf der Bank Platz nahm.

Nach der Pause war es wieder Eintracht Trier, die mit dem größeren Elan aus der Kabine kamen. Lotte war noch gar nicht richtig auf dem Platz, als es wieder im eigenen Kasten rappelte. Auch dieses Mal war es der erste Angriff der Gäste, aber nun netzte Ahmet Kulabas mit einem schönen Drehschuss zur 2:1-Gästeführung ein. Dabei spielte zuvor Kuduzovic auf Kulabas durch, der dann aus rechtem Winkel sträflich ungedeckt verwandelte (47.). Das war so etwas wie der Siegbereiter, denn danach ließ Trier geschickt Ball und den Tabellenführer laufen. Die Sportfreunde fanden kaum Mittel, um dem Spiel noch eine Wende zu geben.

In der 55. Minute hatte Abelski die große Chance zum dritten Treffer, doch weil er den Ball nicht voll traf, ging der Schuss weit vorbei. Aber auch Lotte gab sich nicht auf und kam zu weiteren Chancen. Doch der Kopfball des eingewechselten zweiten Stürmers Simon Engelmann landet beim sicheren Keeper Poggenborg.

An diesem Tage war die Sportfreunde-Abwehr die große Schwachstelle im eigenen Spiel. Trier hätte dieses fast wieder nutzen können, doch Wiwerink kratzte den Ball von Kuduzovic noch gerade so von der Linie (72.). Die Partie blieb weiter spannend und hätte in der Folge ausgerechnet von Lottes Innenverteidiger David Czyszczon entschieden werden können. Der aber fand erst im Trierer Schlussmann seinen Meister und köpfte eine Minute später nur hauchdünn über den Kasten (75.). Es war insgesamt nicht der Tag des Spitzenreiters. In der 78. Minute kommt SFL-Keeper André Maczkowiak aus seinem Tor, wird dabei von Thomas Kraus zu weit abgedrängt und nimmt dann außerhalb des Strafraums die Hand zur Hilfe. Die berechtigte Rote Karte zwang Lottes Trainer Walpurgis zum Handeln. Ersatztorhüer Stefan Tantow kam ins Spiel und Lotte musste in Unterzahl weitermachen.

Ein Freistoß aus 20 Metern sorgte den dritten Trierer Treffer. Drescher bringt die Kugel eigentlich harmlos auf den Kasten und Tantow lässt den Kullerball unglücklich durch die Hände ins eigene Tor gleiten (85.). Der späte 2:3-Anschlusstreffer durch den Kopfball von Martin Hess war letztlich nur noch Ergebniskosmetik, denn mehr brachte Lotte an diesem Tag im Spitzenspiel nicht zustande.

Unter dem Strich steht somit ein verdienter Erfolg der Eintracht, die in Lotte klug die Räume eng machte, immer dicht am Gegner die Zweikämpfe suchte und letztlich auch spielerisch die bessere Tagesleistung abrufen konnte. Am Ende bedankten sich die Spieler brav bei ihrem treuen Anhang, womit die Mannschaft nach dem stillen Abgang im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen eine Art Schulterschluss mit ihnen schaffte. Auch wenn sich das Team dabei noch wenig euphorisch zeigte, war Thomas Kraus zufrieden. „Wir haben gesehen, dass wir hinten wie auch vorne genügend Qualität haben. Die hat Lotte zwar auch, aber dieses Mal waren wir das kleine Stückchen besser. Das Feld ist nun in der Regionalliga wieder näher zusammengerückt. Aber wir können uns dafür nichts kaufen, wenn wir in Wiedenbrück nicht wieder punkten und dann mit Lotte gleichziehen.“

Erleichterung gab es auch bei Trainer Roland Seitz: „Es ist schön, dass wir hier unsere Negativserie beenden konnten, nachdem wir zuvor in sechs Spielen nicht einmal gegen Lotte gewinnen konnten. Außerdem haben ausgerechnet wir deren Serie von 25 ungeschlagenen Saisonspielen in Folge beendet und die Liga damit wieder spannend gemacht“, freute er sich. Wohlwissend, dass nun mit einem weiteren Erfolg in Wiedenbrück der ganz große Wurf gelingen kann, auch wenn dann Abelski und Stang wegen der fünften Gelben Karte nicht mitspielen können.

Carsten Richter

Eintracht Trier: Poggenborg – Cozza, Stang, Herzig, Drescher – Kuduzovic, Karikari, Abelski (87. Hollmann), Pagenburg (81. Zittlau) – Kulabas (90. Pollok), Kraus.

Sportfreunde Lotte: Maczkowiak – Grieneisen, Czyszczon, Wiwerink, Hohnstedt (62. Engelmann) – Zinke (77. Rüter), Gorschlüter – Liesenfeld, Schlösser (79. Tantow), Lorenz – Hess .??

Tore: 0:1 Kraus (34.), 1:1 Herzig (37., Eigentor), 1:2 Kulabas (47.), 1:3 Drescher (85.), 2:3 Hess (90.) ??

Rote Karte: Maczkowiak, SF Lotte ( 78. Handspiel außerhalb des Strafraums)

Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)??

Zuschauer: 1467

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