„Bei den Proben habe ich mich schlappgelacht“

„Keinohrhasen“ von Til Schweiger und Anika Decker gehört zu den zehn erfolgreichsten deutschen Filmen. Die Bühnenfassung von Gunnar Dreßler hat am Samstag um 19.30 Uhr im Großen Haus des Trierer Theaters Premiere. 16vor sprach mit dem Schauspieler Michael Ophelders, der in diesem Stück Regie führt, unter anderem über seine ungewohnte Rolle als Regisseur, seine Bearbeitung der Vorlagen und Theater-Neuzugang Alina Wolff, die in der Komödie die weibliche Hauptrolle übernimmt.

16vor: Was hat Sie dazu bewogen, bei „Keinohrhasen“ die Regie zu übernehmen?

Michael Ophelders: Zunächst einmal die Anfrage der Theaterdirektion (lacht), die mich schon als Regisseur von „Der Lebkuchenmann“ kennt. Das Weihnachtsmusical hatte ich vor ein paar Jahren am Theater Trier inszeniert. Ich glaube, die Tatsache, dass das ganz gut gelaufen ist, hat sie dazu bewogen, mich zu fragen.

Der Film ist ganz nett. Ein nettes Schmankerl, wo man entspannt zuschauen kann. Dann habe ich aber mit der Theateradaption Bekanntschaft gemacht. Das war eine Inszenierung aus Berlin, wo vier Leute diesen Film gespielt haben. Ich habe das Textbuch gelesen und gesehen, dass viel auf der Hinterbühne stattfindet, weil die Darsteller sich dann – wegen der geringen Personenzahl – unterhalten haben. Ich finde es aber besser, wenn alles gezeigt wird. Deshalb fand ich es auch interessanter, zwei Leute dazuzunehmen und diese sechs dann alles spielen zu lassen.

Da ist eine schöne romantische Liebesgeschichte mit zwei Personen, die aus verschiedenen Lagern kommen – sei es wie bei Capulet und Montague in „Romeo und Julia“, da war es halt der Familienstreit, sei es wie in „My Fair Lady“, da ist es sprachlich die aus der Gosse Kommende und der Professor. Hier bei „Keinohrhasen“ ist es die Öko-Dame, die Kindergärtnerin ist, und der Macho, der alle Frauen flachlegt.

16vor: …neben dem, dass er sie als Kind geärgert hat.

Ophelders: Neben der Tatsache – das ist ein weiterer komödiantischer Moment –, dass sie die Chefin ist. Da ist wieder die Gewichtung: Der, der sie als Kind gehänselt hat – also als Kind der Chef war im Ring –, muss plötzlich vor ihr Kniefälle machen, weil sie die Chefin ist und seine Bewährung. Das unterstützt nochmal, dass sie aus verschiedenen Richtungen kommen.

Man weiß wie in jedem Hollywood-Liebesfilm als Zuschauer in der ersten Sekunde, in der sie sich begegnen: „Die kriegen sich“. Nur die beiden wissen’s noch nicht. Man hat Spaß daran zu beobachten, wie sie aneinander vorbeidriften, und am Schluss küssen sie sich. Als Zuschauer sagt man: „Ah ja, hab‘ ich doch gleich gewusst!“ Das ist ein schöner Moment in einer romantischen Geschichte. Das ist in „Keinohrhasen“ ganz gut gebaut. Und die theatralische Komik – weil man ja nicht wie im Film die Möglichkeit hat, über Schnitt, über Timing zu erzählen – lasse ich darüber entstehen, dass vier Leute die restlichen Rollen spielen.

16vor: Das sind zwei Frauen und zwei Männer.

Ophelders: Zwei Frauen, zwei Männer. Alle müssen sich oft umziehen, zwei der Darsteller machen da wirklich ein Kostümfest.

16vor: Bis zu sieben Rollen nehmen die Darsteller ein.

Ophelders: Und darüber entsteht im günstigsten Fall im Theater die Komik. Dass wir zwei Leute in vielen Kostümen sehen. Der war gerade noch der, dann spielt er den auch noch. Erst spielt er den Klitschko, im nächsten Moment den kleinen Jungen. Wir nehmen das, was wir im Theater zur Verfügung haben: Maske, Kostüme und Personen.

16vor: Dadurch sind es viel weniger Darsteller als im Film.

Ophelders: Herr Schweiger hat halt Klitschko. Schweiger ist natürlich auch nicht dumm. Er holt die Prominenz in den Film und dann rennen alle rein. Die haben wir nicht.

Was wir machen könnten, wäre, jemanden aus dem Ensemble zu suchen, der dem Jürgen Vogel oder dem Klitschko relativ ähnlich ist und den so schminken, dass er möglichst echt ist. Aber das ist ja nicht komisch. In dem Film ist es komisch, dass der Jürgen Vogel sich schminkt und den veräppelt. Wenn wir aber jemanden hätten, den wir so schminken, als wäre er Jürgen Vogel, der… Also ist es doch besser, jemanden zu haben, der sagt: „Ich bin Klitschko“, „Ich bin Jürgen Vogel“, „Ich bin noch der“ und „Ich bin auch der“.

16vor: Der nun auch gar nicht so aussieht…

Ophelders: Der überhaupt nicht so aussieht! Dass man als Zuschauer außerdem eine Lust daran hat, zuzuschauen; dass der Darsteller Lust und Freude hat, das zu machen. Dann kann es komisch werden. Ich habe sechs Wochen mit den Kollegen geprobt und mich schlappgelacht. Als Regisseur bin ich Zuschauer. Da habe ich gemerkt, dass der Text gar nicht so unkomisch ist. Und vor allen Dingen ein Argument fürs Theater. Jeder, der sich in der Stadt fragt, sollen wir Theater haben oder nicht, soll sich den Film angucken und dann ins Theater kommen.

16vor: Das bringt mich zu meiner nächsten Frage. Weil „Keinohrhasen“ eher ein Jugendstück ist: Sollen mehr junge Leute für das Theater interessiert werden?

Ophelders: Es ist eine Schwellenangst da, dass man sagt: „Theater ist immer so schwer, ist so klassisch, da habe ich mich in der Schule schon gelangweilt und dann soll ich ins Theater…“ Mit dem jüngeren Stoff möchte man die Schwellenangst überwinden. Man muss sich allerdings darauf einlassen, dass Til Schweiger und Jürgen Vogel nicht dabei sind.

16vor: Sie sind für die Trierer Regiefassung verantwortlich. Heißt das, Sie haben das Drehbuch verändert?

Ophelders: Ich habe das noch verändert, ja. Es gab ein Stück, das in Berlin gelaufen ist…

16vor: …von Gunnar Dreßler?

Ophelders: Genau. Die Berliner haben die Fassung für vier Personen gespielt. Ich habe aus dem Original-Drehbuch und aus dieser Fassung für vier Personen dann eine Fassung geschrieben, die sechs Personen umfasst. Ich konnte dadurch, dass ich zwei Leute mehr habe, einige Szenen wieder reinnehmen, die ich witzig fand, die ich rührend fand. Aber dafür musste ich nochmal eine Extrafassung schreiben.

16vor: Sie führen mit „Keinohrhasen“ zum zweiten Mal am Theater Trier Regie. Regisseur waren Sie aber auch schon früher.

Ophelders: Ja, in Tecklenburg. Damals war ich in Osnabrück engagiert und Tecklenburg ist so ein kleines Städtchen im Teutoburger Wald, das ein riesiges Freilichttheater hat. Die machen jeweils ein Kinderstück, ein Musical und eine Operette im Jahr. 2000 habe ich dort „Räuber Hotzenplotz“ und 2001 „Pinocchio“ inszeniert. Das ist ein großes Ding, da passen 1500, wenn es ganz voll ist, 2000 Kinder rein.

16vor: Wie liegt Ihnen die Regiearbeit?

Ophelders: Ach, das müssen die anderen beurteilen. Mir macht diese Arbeit Spaß. Und vor allen Dingen, das mal von der anderen Seite zu sehen, die Anforderungen, die Herausforderungen von der Regie-Seite mitzukriegen. Zudem finde ich es interessant, als Schauspieler da zu sitzen und sich zu fragen: „Wie wäre ich jetzt auf der Bühne?“ Und ich muss sagen, ich muss Einiges an mir kritisieren und korrigieren, wenn ich wieder Schauspieler bin. Jeder sollte mal der Chef sein und umgekehrt. Ein Küchenchef sollte auch mal die Koteletts anbraten und der, der die Koteletts anbrät, sollte sich mal damit auseinandersetzen, was es heißt, die Logistik eines Sechs-Gänge-Menüs für 70 Leute an einem Abend auf die Beine zu stellen. So sollte auch jeder Schauspieler mal Regie geführt und jeder Regisseur mal auf der Bühne gestanden haben. Um sich in die andere Seite reinzuversetzen, um zu denken: „Aha, wie kann ich denn helfen? Ich kenne die Problematik, ich kenne die Anforderungen, dann lass uns zusammenarbeiten, lass uns einen Konsens finden!“

16vor: Bis auf die Hauptdarstellerin sind die Darsteller alle langjährige Kollegen. Als Regisseur steht man hierarchisch etwas darüber. Wie ist es, mit den Kollegen jetzt in einer anderen Funktion zu arbeiten?

Ophelders: Ich glaube, durch die Tatsache, dass in Trier ein relativ homogenes Ensemble besteht – die Leute können ganz gut miteinander –, wirft das nicht große Probleme auf. Ich versuche auch nicht, mich da hierarchisch drüber zu setzen. Gerade weil ich die andere Seite kenne, versuche ich, mich als Regisseur so zu verhalten, wie ich es mir als Schauspieler wünschen würde. Natürlich ist jede Person verschieden, aber ich glaube, ich bin da eher ein diplomatischer Mensch und versuche, Dinge über Diplomatie und Harmonie zu lösen. Ich versuche, Überzeugungsarbeit zu leisten, die manchmal anstrengend für alle Beteiligten ist. Demokratie ist meiner Meinung nach anstrengender als Diktatur. Aber auch ein spannenderer Prozess, weil dann hoffentlich am Schluss ein Produkt entsteht, hinter dem alle entsprechend stehen können.

Ich kann mich auch nicht hinstellen und plötzlich sagen, ich bin hier der große Zampano, denn die kennen mich ja alle (lacht)! Die Regiearbeit sollte ein gemeinsames Entwickeln sein, so die Zeit da ist. Ich muss halt vorher meine Aufgaben machen, die Vorbereitungen, die Idee, die Konzeption und das Bühnenbild. Wenn ich meine Hausaufgaben gemacht habe, dann arbeiten wir größtmöglich zusammen. Der Job für die Kollegen ist, den Text auswendig zu lernen, das umzusetzen und die Energie zu haben. Die Zusammenarbeit ist mir dann am liebsten.

16vor: Alina Wolff ist neu am Theater und spielt die Hauptrolle in „Keinohrhasen“. Können Sie zu ihr etwas sagen?

Ophelders: Ich bin von dieser jungen Frau sehr überzeugt. Sie bringt sehr viel mit und ist eine sehr, sehr talentierte Schauspielerin. Man hat den Text, schwarze Buchstaben auf weißem Papier, das sie sehr schnell zu einem schönen Leben bringt. Bei ihr sieht man beim Zuschauen, dass die Sachen von innen kommen, sie bringt innere Prozesse auf die Bühne. Das macht es spannend und schön zuzuschauen. Sie ist eine gutaussehende Frau, die über ihre Uneitelkeit sehr komisch sein kann. Das erinnert mich an Leute wie Anke Engelke, an hübsche Frauen, die durch ihr Inneres komisch sind.

16vor: Das muss sie bei dem Stück auch, weil sie am Anfang hässlich ist.

Ophelders: Weiß Gott! Sie muss von Anfang an – nicht wie ein hässliches Entlein, vielleicht wie eine Eliza Doolittle –, eine Entwicklung mitmachen. Und das aber uneitel! Das ist sehr wichtig für den Beruf und da wird sie, glaube ich, einen guten Weg machen.

16vor: Ist bei der Premiere mit weiteren Überraschungen zu rechnen?

Ophelders: Es wird auf alle Fälle über das hinausgehen, worauf wir in dem Gespräch eingegangen sind. Überraschend ist die Personallösung. Das ist, hoffe ich, die Komik für die Leute, die den Film kennen. Für sie wird es eine Überraschung sein, wer welche Rollen spielt und in welche Situation eintaucht. Und da werden auch Requisiten und Dinge auf der Bühne erscheinen – ho, mein lieber Herr Gesangsverein! Es gibt auch einen kleinen Prolog, der zur Handlung hinführt. Man muss den Film auch nicht gesehen haben, weil die Handlung die Geschichte trägt, von zweien, die sich von früher kennen, die sich jetzt langsam kennen lernen und ein Tohuwabohu von Charakteren, die um sie herum spielen.

16vor: Dankeschön für das Gespräch. (flo)

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