Laas‘ Letters from London… # 1
Es ist Herbst 2011. Die Sonne scheint und meint es gut mit uns in London. Ein perfekter Tag, um eine neue Kolumne zu schreiben. Worüber? Über mich, einem Berliner Konzeptkünstler in Trier, der nun für drei Jahre in der englischen Hauptstadt leben wird. Ich möchte euch mitnehmen auf meine Reise und darüber berichten, wie es sich hier lebt in der großen Provinz von London. Was ist hier anders und was ähnlich im Vergleich mit der weltberühmten Moselstadt? Gibt es hier Trierer und wenn ja, warum? Wissen Londoner eigentlich wo Trier liegt? Wie fühlen sich Neo-Nazis im Linksverkehr? Gibt es hier auch Tankstellen, die ganz lange auf haben? Bekommt man den 5 O’Clock Tea auch, wenn man zu spät kommt und wenn ja, wie heißt er dann? Fragen über Fragen denen ich nachgehen werde und über die ich berichten möchte. Alle 14 Tage gibt es Neuigkeiten aus London, über London für euch! Willkommen bei meiner Kolumne!
Eigentlich hat Trier ja viel mit London gemeinsam. Beide Städte bauen auf ihr römisches Kulturerbe, auf ihre Geschichte und beide Städte werden durch einen Fluss geteilt. Nun kann man zwar den unteren Teil der Themse sicherlich nicht mit Trier-West vergleichen, aber dennoch teilen die Themse beziehungsweise die Mosel die Stadt und ihre Menschen irgendwie. Wobei die Standortbeschreibung „Inner London“ oder „Greater London“ die Menschen mit Abstand sogar noch mehr trennt. Aber genug der Trennung (muss wohl am posttraumatischen Berlin-Syndrom liegen)! So stelle ich lieber die Frage: Was führt sie zusammen?
Ja, genau, der Öffentliche Nahverkehr! Wer in London ankommt und nicht ständig Taxi fahren möchte, der besorgt sich zuerst einmal eine Oyster Card, eine Chipkarte auf der man seinen individuellen Tarif laden kann. Diese Chipkarte macht das U-Bahnfahren und besonders das Busfahren beim Ein- und Umsteigen wunderbar stressfrei. Man hält einfach seine Karte an einen Sensor beim Fahrer, es macht „piep“ und fertig. Umsteigen muss man hier ja auch ständig und so macht es immer wieder „piep“, „piep“ und „piep“, bis man angekommen ist. Your individual London melody.
Ähnlich wie in Trier fahren die Busse hier sehr ruppig und man muss sich schon mal festhalten, um nicht vor dem Bus am Ziel anzukommen. In Trier hatte ich oft das Gefühl, die Busfahrer haben entweder keinen Führerschein, waren im früheren Leben gewohnt, Vieh zu transportieren (was ich als Nicht-Vegetarier bei Tieren auch nicht tolerierbar finde) oder es war ihnen einfach egal, was hinter ihnen passiert. Jeder, der mal mit der 30 oder 86 von Mertesdorf zum Trierer Hauptbahnhof gefahren ist, weiß sicherlich, was ich meine. Und das für 3,20 Euro – Wahnsinn!
Erstaunlich ist, dass es hier in London sogar Spaß macht, etwas ruppig von A nach B befördert zu werden. Das kann daran liegen, dass man selbst hochmotiviert ist, schnell voranzukommen. Oder daran, dass der gute englische Busfahrer (oder Fahrerin) trotz aller extremen Manöver wie das Umfahren von Radfahrern stets höflich bleibt, die Etikette wahrt und dem Fahrgast das Gefühl vermittelt, alles im Griff zu haben. „Yes, Madam, I stopped the bus at the wall on purpose!“
Nur ein einziges Mal hatte ich den Eindruck – wie übrigens alle anderen auch –, nicht „safe“ zu sein, und so kam dann ganz englisch die Beschwerde in Form eines Dankeschöns, nicht alle Reisenden in diesem Bus getötet zu haben. Originalgesprächsnotiz: „Thank you, Mr. Fucking Busdriver for not Killing Everybody on this Bus!“ Das hätte man auf Trierer Platt sicherlich nicht schöner sagen können, oder?
Natürlich gibt es noch weitere Verbindungen zwischen Trier und London, zum Beispiel Karl Marx. In der einen Stadt geboren, in der anderen begraben. In meiner nächsten Kolumne erzähl‘ ich euch von meinem Date mit Karl und seiner Jenny. Macht’s gut und bis bald.
Euer Laas
TIPP: https://oyster.tfl.gov.uk/oyster/entry.do (Informationen zur Oyster Card)
http://www.ltmuseum.co.uk/ (London Transport Museum)
Der Berliner-Trierer Konzeptkünstler Laas Koehler berichtet alle 14 Tage für 16vor aus London. Mehr Informationen unter: http://www.laaskoehler.tumblr.com
von 16vor
