Artland Dragons werden zum Angstgegner
Außer Spesen nichts gewesen. Über 400 Kilometer musste die TBB Trier zum Punktspiel nach Quakenbrück anreisen. Doch die Hinfahrt dürfte lustiger gewesen sein als die nächtliche Rückreise, da am Ende für die Moselstädter eine deutliche 62:88-Niederlage zu Buche stand – gegen die Niedersachsen die vierte in Folge. Dabei musste sich die Mannschaft von TBB-Coach Henrik Rödl während der gesamten Spieldauer eines aggressiven Dragons-Teams erwehren, das in der nicht ganz ausverkauften Artland-Arena mit den Gästen phasenweise Katz und Maus spielte. Entsprechend unzufrieden war am Ende der Trierer Trainer: „Die Dragons waren gut auf uns vorbereitet und waren uns in allen Belangen überlegen. Wir haben es heute zu keiner Zeit geschafft, deren starke Offense zu stoppen. Zu Beginn des zweiten Viertels war der Rückstand zwar noch nicht zu groß, doch wir konnten dem Spiel nicht mehr die Wende geben und etwas für Spannung sorgen.“
QUAKENBRÜCK. Dabei war die Rollenverteilung vor Beginn der Partie eigentlich klar. Denn bei der Heimpremiere erwarteten die heimischen Zuschauer natürlich den ersten Sieg der Saison. Entsprechend wurde der TBB nur die Rolle des Außenseiters zuteil, doch die kleine Chance auf eine mögliche Überraschung wollte sie sich mit einem konsequenten Angriffsspiel und einer „frechen Spielweise“ (O-Ton Rödl) bewahren. Dabei musste Trier aber auch im spöttisch genannten Entenhausen erneut auf einen wichtigen Leistungsträger verzichten. Denn mit Philip Zwiener fehlte verletzungsbedingt erneut der Kopf des Teams. Der an einer Sprunggelenksverletzung laborierende Nationalspieler (25 Länderspiele), der in seinem ersten Jahr an der Mosel pro Spiel 12,7 Punkte erzielte sowie 4,6 Rebounds schnappte, fehlte auch im Artland an allen Ecken und Enden. Denn zu der ausgeglichenen TBB-Bilanz von einem Sieg (75:56 gegen Eisbären Bremerhaven) und einer Niederlage (67:74 in Würzburg) kam in Niedersachsen eine Niederlage, die über den gesamten Spielverlauf als völlig verdient zu bezeichnen ist.
Von Beginn an kamen die heimstarken Quakenbrücker stark ins Spiel und zogen gleich auf 11:5 davon. Dem konnte Trier nicht viel entgegensetzen. Ehe sich die Gäste versahen, lagen sie nach dem ersten Viertel mit 13:21 hinten. Dru Joyce, sein Landsmann Ernest Gallup und Maik Zirbes waren weitgehend abgemeldet. Auffällig war, dass im ersten Viertel die taktische Vorgabe, öfter mal aus der Zonenpresse in die Zonenverteidigung zu wechseln, kaum umgesetzt werden konnte – zu stark war der Angriffswirbel der Dragons. Die Defense, die eigentliche Stärke der TBB, konnte dem nicht viel entgegensetzen und blieb über große Strecken blass. „Wir haben da nicht mutig genug agiert, haben den Dragons zu viel Platz gelassen und waren nicht durchschlagskräftig genug. Außerdem haben wir über die gesamte Spielzeit nicht aggressiv genug verteidigt“, resümierte TBB-Coach Henrik Rödl in Richtung seines Teams, das mit Joyce, Gallup, Linhardt, Dojcin und Zirbes das Spiel begann.
Auch im zweiten und dritten Viertel wurde es nicht viel besser. Wieder hatten die Dragons mehr Assists und auch mehr Rebounds als die Trierer. Dabei zogen die Gastgeber zeitweise bis auf 20 Punkte davon, nachdem es zuvor schon mal zwölf Punkte waren. Die Folge war ein deutlicher 22-Punkte-Rückstand (45:67), von dem sich die Trierer nicht mehr erholten. „Da war schon ein Klassenunterschied zu erkennen, wir haben souverän und sicher gespielt“, stellte der Quakenbrücker Trainer Stefan Koch fest. Dabei hatte doch auch er auf einen wichtigen Akteur verzichten müssen, weil sein Aufbauspieler Bryan Bailey wegen einer Daumen-Verletzung fehlte. Dafür war der australische Youngster Isiah Omamogho im Kader, der als Doppellizenzler spielberechtigt ist und sonst eher im Nachwuchs in der NBBL spielt.
Auch im Schlussviertel blieben die Trierer weiter blass, das nötige Wunder in Form einer wesentlichen Resultatsverbesserung blieb somit aus. Zwar konnte das Rödl-Team acht Minuten vor dem Ende den Rückstand auf 18 Punkte verkürzen, doch der große Wurf war nicht mehr drin. Stattdessen zogen die Quakenbrücker in der „Drachenhölle“ weiter auf und davon und drei Minuten vor dem Ende war es sogar ein 32-Punkte-Rückstand, womit die Niederlage schon fast tragische Züge trug. Denn während des gesamten Spiels lagen die Gäste immer in Rückstand und immer, wenn dieser etwas verkürzt werden konnte, gaben die Dragons mehr Gas und bauten den Vorsprung sofort wieder aus. Bester Dragons-Werfer war Adam Hess mit 19 Punkten, während für Trier Dragan Dojcin der Topscorer mit ebenfalls 19 Punkten war.
Fazit: Genauso harmlos, wie sich die Trierer während der gesamten Begegnung präsentierten, genauso abgeklärt und forsch zeigte sich die Mannschaft von Headcoach Stefan Koch. Vielleicht kommt die 62:88-Klatsche für die TBB zur rechten Zeit. Denn es ist offensichtlich, dass die Mannschaft noch auf der Suche nach einer konstant starken Leistung ist, und dass somit die Niederlage auch einen gewissen Lerneffekt haben dürfte. Und dass die Mannschaft in Quakenbrück kurz nach der Schlussirene nur kurz mit hängenden Köpfen auf den Hallenboden starrte, um sich umgehend zur Teambesprechung zu versammeln, darf als Zeichen gewertet werden. Als Zeichen, dass sie die Begegnung schnell aufarbeiten will und wird und dass es vielleicht nur ein kleiner Ausrutscher war.
Carsten Richter
Artland Dragons: Hess (19), Fenn (13), Peavy (13), King (12), Holston (12), Hilliard (5), Grünheid (4), Hartenstein (4), Omamogho (2), Strasser (2), Njei (2), Doeinck (0).
TBB Trier: Dojcin (19), Joyce (15), Gallup (8), Zirbes (6), Picard (5), Faßler (4), Linhart (3), Seiferth (2), Saibou (0), Bynum (0).
Viertelstände: 21:13; 45:32; 67:45; 88:62
Zuschauer: 2806
von 16vor
