Wohnprojekt ZAK auf der Zielgeraden

ZAKTeamIn selbst gewählter Nachbarschaft leben, über Generationen hinweg soziale Verantwortung übernehmen – das ist das Ansinnen des Vereins ZAK. Nach mehrjähriger Vorlaufzeit nimmt das Projekt Gestalt an. So sicherte man sich die Option auf ein fast 2.900 Quadratmeter großes Grundstück im derzeit entstehenden Neubaugebiet BU 13. Auf Filscher Fläche soll die nicht nur barrierefreie, sondern sogar behindertengerechte Anlage entstehen. Im Frühsommer 2015 werde das 4,5 Millionen Euro teure Vorhaben realisiert sein, erwarten seine Macher, die auch sicher sind, dass nun nichts mehr dazwischenkommen wird. In der kommenden Woche wird sich eine Genossenschaft gründen. An Ideen und Konzepten mangelt es dem ZAK-Team nicht, wohl aber noch an potenziellen Bewohnern jüngeren Alters. Dass auch die noch Geschmack an dem Wohnprojekt finden werden, daran hegen die Initiatoren indes keinen Zweifel.

TRIER. Die Lage könnte besser kaum sein, meint Helga Büdenbender und zählt jetzt die Vorteile auf: Auf der Höhe und im Grünen gelegen, nur wenige Fußminuten und nahezu ebenerdig vom Einkaufszentrum Tarforst entfernt, obendrein hervorragend an das Stadtbusnetz angebunden – das alles und noch viel mehr werde ihre neue Heimat bieten. Doch diese Standortvorteile können viele der Menschen ins Feld führen, die in BU 12 Quartier bezogen oder gerade dabei sind, im benachbarten und besser unter der Bezeichnung „Im Freschfeld“ bekannten Wohngebiet BU 13 zu bauen. Helga Büdenbender kommt deshalb rasch auch auf das zu sprechen, was im Marketingsprech schon mal als „Alleinstellungsmerkmal“ bezeichnet wird und den eigentlichen Charakter ihres Projekts ausmachen soll: ZAK steht für „zusammen, aktiv und kreativ“ und plant nicht bloß eine neue Wohnanlage, sondern möchte ein durchdachtes und zukunftsweisendes Konzept umsetzen – eines, bei dem die Gemeinschaft ganz oben steht und sich Nachbarschaft nicht im Nebeneinanderwohnen erschöpft.

Gerd Müller und Michael Fuchs breiten nun Pläne aus. Zwei Architekten beauftragte der Verein mit Vorentwürfen, unterschiedlicher hätten die Ideen nicht ausfallen können. Kommende Woche wird sich aus dem ZAK e.V. heraus eine Genossenschaft gründen, dann wird es ernst. Denn eine der ersten Aufgaben der besagten Genossenschaft wird es sein, einen der beiden Architekten mit der Planung zu beauftragen. Eine Vorentscheidung sei schon gefallen, erklärt Fuchs, doch wer den Zuschlag bekommt, wollen sie noch nicht verraten. Zunächst müsse man die Architekten über das Ergebnis informieren, wirbt Büdenbender, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, um Verständnis. Gleich welcher Entwurf verwirklicht wird, so viel lässt sich schon heute sagen: Das Gebäude wird über einen Gemeinschaftsraum sowie ein Büro für die Genossenschaft verfügen, es wird in Passivbauweise errichtet und insgesamt 20 Wohneinheiten zählen, die eine Größe zwischen 55 und 100 Quadratmetern haben werden. Vor allem aber werden sämtliche Einheiten behindertengerecht sein, sprich es wird keine Schwellen und durchweg mindestens 90 Zentimeter breite Türen geben; außerdem sieht die Planung vor, dass in allen Bädern ein ausreichender Aktionsradius gegeben ist – auf dass sich auch ein Rollstuhlfahrer problemlos fortbewegen kann.

Eine Behindertenwohnanlage plant ZAK e.V. jedoch nicht, vielmehr sollen verschiedene Generationen heimisch werden. Allein die Nachfrage von Familien mit Kindern halte sich bislang noch in Grenzen, berichtet Andrea Riesbeck, beim Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Bislang haben 16 „Parteien“ ihr ernsthaftes Interesse angemeldet, eine der Wohnungen zu mieten; 27 Bewohner im Alter zwischen 50 und 70 Jahren. Noch vier freie Einheiten sind zu haben. „Wir suchen jetzt zunächst nach jungen Leuten, schrecken aber niemanden älteren ab“, erklärt Helga Büdenbender und nennt noch einmal das Prinzip des Modells: Es gehe um „geben und nehmen“, junge Familien könnten beispielsweise darauf setzen, dass sich immer ältere Mitbewohner für die Kinderbetreuung finden. Zudem wolle man bei der Miete unter dem marktüblichen Niveau bleiben.

Wobei die Gesamtrechnung noch einige Unbekannte hat, wie Gerd Müller einräumt. Der Betriebswirt kennt sich aus mit Zahlen, und während Fuchs als emeritierter Architekturprofessor ein Auge auf die Planung hat, kann er sich stärker um Themen wie die Rechtsform und die Finanzierung kümmern. Eine Genossenschaft soll es nun richten, ihre Mitglieder die Finanzierung stemmen. Zwischen 25 und 50 Prozent Eigenkapital werden die ZAK-Genossen einbringen müssen, abschließend geklärt ist das noch nicht. Denn sowohl eine hohe als auch eine niedrige Eigenkapitalquote bergen Vor- und Nachteile. Liegt die Quote höher, fällt die Miete – oder wie es bei Genossenschaften heißt: das Nutzungsentgelt – für die Wohnungen niedriger aus; die Miete ist Teil des Finanzierungskonzepts. Im Umkehrschluss könnte es eine höhere Eigenkapitalquote aber gerade jungen Paaren und Familien erschweren, sich für die Genossenschaft zu erwärmen – denn vielen fehlen noch die Mittel. Und dann gibt es da noch eine Art Mittelweg, den Müller und seine Mitstreiter diskutieren: Eine niedrige Eigenkapitalquote festschreiben und parallel dazu die Möglichkeit bieten, dennoch mehr Eigenkapital als verlangt einzubringen und dieses als Darlehen der Genossenschaft zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug würde dieser Mehranteil mit der Miete verrechnet. Helga Büdenbender spricht deshalb von „Mietvorauszahlung“ oder „vermindertem Nutzungsentgelt“.

ZAKManches sei noch „etwas vage“, sagt Müller und ergänzt sogleich: „Aber wir sind ja eher Sicherheitsfanatiker“. Soll heißen: Auf Sand wird ZAK nicht gebaut, das Projekt ist wohldurchdacht. In ungezählten Informationsveranstaltungen, auf Exkursionen oder in ganztägigen Workshops haben die Initiatoren ihr Projekt vorbereitet und sich fachlichen Rat eingeholt. Als die Stadt dann eine Option auf die Fläche auf Filscher Gebiet anbot, musste es zügig gehen. Ein Verein wurde gegründet, nur so ließen sich Verhandlungen mit den Verantwortlichen im Rathaus führen. Für die haben Büdenbender und ihre Kollegen sehr viel Lob übrig: Man erfahre sehr viel Unterstützung durch das Stadtplanungsamt, bei dessen Mitarbeitern spüre man ehrliches Interesse an dem Vorhaben; und dass der Stadtrat politischen Rückenwind gab, habe der Sache auch genutzt. Nur auf eine finanzielle Unterstützung vom Land können die künftigen Genossen noch nicht bauen. Ein Förderprogramm der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz lief zwischenzeitlich aus, ein vergleichbares Projekt in Bad Kreuznach hatte hieraus noch einen Zuschuss von fast einer Viertelmillion Euro erhalten.

Bei der derzeitigen Kalkulation gehe man deshalb davon aus, dass keine öffentlichen Gelder fließen werden, sagt Andrea Riesbeck. Doch wie sie hat auch Helga Büdenbender die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich noch ein Topf auftun oder Mainz einen neuen schaffen wird. Zumal die heutige Ministerpräsidentin Malu Dreyer in ihrer früheren Funktion als Sozialministerin das Vorhaben immer wohlwollend begleitet habe. Insgesamt rund 4,5 Millionen Euro soll das Projekt kosten, mit 2.500 Euro Baukosten pro Quadratmeter rechne man, beziffert Fuchs. Allerdings gebe es dafür Passivhausstandard, wovon die Genossen, die zugleich Eigentümer der gesamten Wohnanlage wie auch Mieter der einzelnen Einheiten sein werden, bei den Nebenkosten profitieren würden, wie Müller sogleich betont. Für nicht wenige werde die „zweite Miete“ immer mehr zum Problem, bei ZAK werde das anders sein.

Nun hat man in Trier schon viele gute Ideen und noch bessere Konzepte kommen und gehen sehen. Nicht wenige verschwanden sang- und klanglos in Schubladen oder gerieten in Vergessenheit. In der Runde der ZAK-Vertreter ist man sich einig – das Wohnprojekt wird kommen, ein zurück gibt es nicht mehr; schließlich habe man schon einiges an Geld in die Vorarbeiten gesteckt. Dass die Realisierung der Wohnanlage noch scheitern könnte, kann man sich im Verein deshalb nicht vorstellen. Bis zum April 2014 muss der Bauantrag stehen. Mit möglichen Stolpersteinen halten sich Müller, Fuchs sowie Helga Büdenbender und Andrea Riesbeck nicht lange auf, sondern berichten von neuen Details ihrer Planungen. So will man die Stadt davon überzeugen, dass zwei Stellplätze pro Wohneinheit für das Projekt entschieden zu viel ist. Viele hätten gar kein Auto, außerdem plane man Carsharing, und obendrein gebe es eine hervorragende Busanbindung, geben sie zu bedenken.

Weitere Informationen über den Verein und das Projekt finden Sie auf folgender Homepage

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