„Trierer – wir haben euch nicht vergessen!“

Oliver Maria Schmitt möchte Bundeskanzler werden und kommt am 11. September auf seiner Wahlkampftour nach Trier. Foto: PromoSeit Ende der 80er versucht Oliver Maria Schmitt, Berufspolitiker zu werden. 2012 kandidierte er für das Amt des Oberbürgermeisters von Frankfurt, nun möchte er Angela Merkel ablösen. Die Jahre dazwischen überbrückte er unter anderem als Autor bedeutender biografischer Werke („Die schärfsten Kritiker der Elche“, 2001) und komischer Prosa („AnarchoShnitzel schrieen sie“, 2006) sowie als Chefredakteur des Satire-Magazins Titanic. Seine Erlebnisse im OB-Wahlkampf hat Schmitt in dem Buch „Mein Wahlkampf“ niedergeschrieben, das er am 11. September um 20 Uhr im Exhaus vorstellen wird. 16vor sprach mit dem 47-Jährigen über frühe journalistische Erfahrungen beim Trierischen Volksfreund, seine Ziele als Kanzlerkandidat für die PARTEI und darüber, was auf Trier zukommt, wenn er an der Macht ist.

16vor: Ihre journalistische Karriere begann als Freier Mitarbeiter für die Wittlich-Redaktion des Trierischen Volksfreunds. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?

Oliver Maria Schmitt: Lassen Sie mich mal überlegen: Briefmarken, einen Locher, Kaffeemaschine, die Pornosammlung der Anzeigen-Aquisiteure, den Kopierer, zwei Schreibtische und den Bürocomputer. Das war wohl ein Fehler, der Computer war völlig veraltet, ich kriegte das Ding kaum los.

16vor: Verbindet Sie noch etwas mit der Region?

Schmitt: Ja, ich bekomme immer noch Anfragen, wann ich die Sachen endlich wieder zurückbringe, vor allem die Heftchen. Das ist ja überhaupt der Grund, warum ich wieder in diesen toten Winkel Deutschlands komme: um den Menschen dort Hoffnung zu bringen. Trierer! Wittlicher! Auch wenn ihr am äußersten Rand der Republik lebt – wir haben euch nicht vergessen! Unter meiner Kanzlerschaft werde ich dafür sorgen, dass ihr an Kanalisation, an Strom- und Datennetze angeschlossen werdet.

16vor: Vor über 25 Jahren versuchten Sie vergeblich, in den baden-württembergischen Landtag gewählt zu werden, etwas später scheiterten Sie als Oberbürgermeister-Kandidat in Ihrer Heimatstadt Heilbronn und im vergangenen Jahr als ebensolcher in Frankfurt. Wie geht Ihre politische Karriere weiter?

Schmitt: In Frankfurt habe ich den Wahlsieg mit 1,8 Prozent total knapp verpasst. Darüber bin ich jetzt aber ganz froh, sonst müsste ich da jetzt als OB arbeiten. Als Bundeskanzler verdient man aber viel mehr. Deswegen setze ich noch immer auf meinen alten Slogan: „Ich brauch den Job!“ Wenn ich den Job kriege und Bundeskanzler werde, ist das eine klassische Win-Win-Situation: Ich bin weg von der Straße, und Deutschland hat einen jungen, undynamischen Regierungschef, der aufgrund seiner angeborenen Lethargie so gut wie nichts macht. Und damit auch keine Fehler. Und aus der Geschichte wissen wir: Nur wer keine Fehler macht, wird wiedergewählt.

16vor: In Ihrem politischen Manifest „Mein Wahlkampf“ sagen Sie ganz deutlich, dass Sie sich als Politiker nur bereichern wollen. Das macht Sie menschlich und berechenbar. Wofür werden Sie im Falle eines Wahlsieges ihr Kanzlergehalt und die ganzen Zulagen ausgeben?

Schmitt: Soo dicke verdient man da ja leider nicht. Vom Kollegen Steinbrück habe ich erfahren, dass Spitzenpolitiker in der Bundesrepublik immer noch nicht spitzenmäßig bezahlt werden. Deshalb werde ich beispielsweise die Bezüge des Bundeskanzlers, des Außenministers und des Innenministers auf mich vereinen müssen, das wäre nur fair, denn ich stemme ja sowieso fast alles. Und als Mann der Wirtschaft stelle ich fest: In den politischen Königsdisziplinen Vetternwirtschaft, persönliche Bereicherung und Korruption stehen wir zum Beispiel im internationalen Vergleich weit abgeschlagen hinter Griechenland und Spanien. Hier muss sich dringend was tun.

16vor: Vor knapp zwei Monaten waren Sie als Spitzenkandidat der PARTEI bei Markus Lanz in der Sendung gemeinsam mit unter anderem Markus Söder, Marijke Amado und Johann Lafer. Was hat Sie zur Teilnahme daran bewogen?

Schmitt: Man hat mir Schecks in Millionenhöhe geboten – und ein kostenloses Beratungsgespräch mit Markus Söder. Da hab ich natürlich sofort zugesagt, denn von der CSU lernen heißt siegen lernen. Die CSU hat klar bewiesen, dass es sogar noch effizientere Systeme als die Vetternwirtschaft gibt, nämlich die Schwestern- und Ehefrauenwirtschaft. Je näher die Verwandtschaft, die man mit Steuergeldern scheinbeschäftigt, desto besser das Arbeitsklima. Das hat mir imponiert.

16vor: Wie war der Kontakt zu den Gästen? Haben Sie sich im Anschluss noch mit einem von ihnen unterhalten? Frau Amado schien Sie zu mögen?

Schmitt: Mareijke hat mich gebeten, unsere Beziehung nicht öffentlich zu machen, und daran halte ich mich. Sie ist schon mal auf einen Hochstapler reingefallen, und ich bin jetzt schon der zweite.

16vor: Sie machen sich stark für weniger Transparenz, mehr sinnlose Großprojekte und Vetternwirtschaft. Wie wollen Sie sich von den Regierungsparteien abheben?

Schmitt: Durch unser Alleinstellungsmerkmal – nämlich unseren Slogan „Inhalte überwinden“. Wir haben herausgefunden, dass der Wähler Inhalte generell ablehnt, weil er sie nicht versteht. Der Slogan ist übrigens so gut, dass die CDU ihn praktisch kopiert, die tritt ja auch ohne Inhalte an. Deren einzige Botschaft lautet: Merkel. Ich halte dagegen und sage: „Macht alle mitt, wählt Oliver Schmitt.“ Ich bin mein eigener Inhalt. Vielleicht sollte ich aber noch inhaltsfreier werden, so wie etwa Rainer Brüderle. Der spricht ja inzwischen komplett unverständlich, der arbeitet nur noch über das Geräusch.

16vor: Wie gehen Sie damit um, dass so wenige verstehen, dass es Ihnen und der PARTEI ernst ist?

Schmitt: Die Menschen werden spätestens dann begreifen, wenn sie sehen, dass es mit dem Mauerbau wieder voran geht. Unsere PARTEI ist die Partei des Mauerbaus. Wir wollen nicht nur eine Mauer quer durch Deutschland bauen, um Arbeitsplätze zu schaffen und Überschwemmungen einzudämmen, sondern sogar eine riesige Mauer um ganz Deutschland herum. Eine unüberwindliche Firewall, so dass wir von keinem Geheimdienst der Welt abgehört werden können. Dann ist in Trier allerdings auch Schluss mit dem Tanktourismus nach Wasserbillig.

16vor: Wann wird die Mehrheit der Menschen bereit sein für die PARTEI?

Schmitt: Sie ist es längst, sie weiß es nur noch nicht. In „Mein Wahlkampf“ habe ich das Szenario des kommenden Wahlsiegs genau ausgebreitet. Das werde ich am elften September im Exhaus vorlesen, dann werden die Menschen verstehen. Der 11.9. – klingt irgendwie nach einem Datum, das man nicht vergessen können wird. Zumindest nicht in Trier.

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