„Gebt mir eure Stimmen!“

Am Dienstag kommender Woche starten die Wahlen zur ersten Trierer Jugendvertretung. Hatte es noch vor wenigen Wochen danach ausgesehen, als kämen nicht genügend Bewerber für die 22 zu vergebenden Plätze zusammen, haben nun fast 70 Kandidaten ihren Hut in den Ring geworfen. Bei einer Auftaktkonferenz blieben diese aber noch weitgehend unter sich, nur wenige potenzielle Wähler waren in die Viehmarktthermen gekommen. Von Wahlkampf wollen ohnehin die wenigsten etwas wissen. Bei den Gruppendiskussionen wurde vor allem deutlich: Die Perspektiven der Kinder und Jugendlichen könnten die Stadtpolitik bereichern.

TRIER. Nina Regenhardt ist beim Thema Helmpflicht angekommen. Gemeinsam mit weiteren Kandidaten diskutiert die HGT-Schülerin über „Sicherheit im Straßenverkehr“, und weil die große Mehrzahl der Kandidaten für den Weg zur Schule den Umweltverbund nutzt, stehen der Rad- und Busverkehr ganz oben auf der Agenda. Während die 13-Jährige einer Helmpflicht eines abgewinnen kann, kritisieren andere das lückenhafte Radwegenetz. Lasse Marz aus Euren etwa, der beklagt, dass viele der wenigen Wege im Nichts endeten. Auch die Schaltung von Fußgängerampeln kommt zur Sprache, oder die Lage von Bushaltestellen, die manche Schüler schon mal dazu verleitet, den direkten Weg über die Fahrbahn statt über den nächsten Fußgängerüberweg zu nehmen.

Engagiert diskutieren die Jugendlichen, sachlich und vor allem konstruktiv. An diesem Tisch darf jeder ausreden. Niemand redet sich in Rage und man staunt bisweilen über die konzentrierte Ernsthaftigkeit in der Runde, die von dem FSJler Till Goßmann moderiert wird. Der 20-Jährige versteht es, den richtigen Ton zu treffen und alle am Tisch zu Wort kommen zu lassen. Dass an anderen Tischen zur gleichen Zeit die Debatten nur mühsam in Gang kommen und sich einige Bewerber gar nicht beteiligen, gehört auch zu den Eindrücken, die der Beobachter von der Auftaktkonferenz für die Wahl der Jugendvertretung mitnimmt.

Eigentlich hatten sich die Kandidaten hier erstmals einer größeren Öffentlichkeit vorstellen sollen, doch abgesehen von ein paar mitgebrachten Freunden blieben die Bewerber weitgehend unter sich. Dafür ging es gleich zur Sache, von „gesellschaftlichem Miteinander“ über „Natur und Umwelt“ bis hin zu „Orte für Kinder und Jugendliche“ reichte die Palette an Themen, über die im Viertelstundentakt und stetigen Wechsel diskutiert wurde.  Und die Jugendlichen dachten hierbei keineswegs nur an sich. So wurden auch Vorschläge wie eine bessere Bezahlung der Busfahrer aufgeworfen.

Gewählt werden 22 der knapp 70 Kandidaten in zwei Altersklassen, und unter diesen dürften einige sein, die mit dem nötigen Elan die erste Trierer Jugendvertretung in Gang bringen und so auch die Stadtpolitik bereichern  könnten. An vier Tagen, vom 15. bis zum 23. November, werden an fast allen weiterführenden Schulen die Wahllokale geöffnet sein. Zum derzeitigen Zeitpunkt Prognosen über die Wahlbeteiligung anzustellen, wäre einigermaßen gewagt. Denn der bisherige Verlauf der Vorbereitungen sorgte schon für so manche Überraschung.

So sah es zu Beginn der Herbstferien noch danach aus, als kämen nicht genügend Bewerber zusammen. Die Konsequenz wäre gewesen, dass die Wahlen hätten abgesagt werden müssen und die verbliebenen Kandidaten automatisch in die Jugendvertretung eingerückt werden. Dann kam es zu einem überraschenden Run, laut Achim Hettinger vom Jugendamt gingen allein am letzten Tag der Frist noch rund 50 Bewerbungen ein. Die nächste positive Überraschung: Sämtliche Schulformen sind mit Kandidaten vertreten, und manche, wie die Kurfürst-Balduin-Realschule plus, die Medard-Schule, oder MPG und FWG schicken eine beachtliche Zahl an Kandidaten ins Rennen.

Hoffen auf hohe Wahlbeteiligung

Die präsentieren sich nun in Flyern, und weil am Ende die Zeit fehlte, konnten einige der Bewerber nicht mehr rechtzeitig ihr Konterfei liefern. Fast alle steuerten aber einen Slogan bei, und die reichen von eher allgemein gehalten wie „Mehr Mitbestimmung für euch?Dann wählt mich!“ oder „Meine Zeit für eure Ideen“ bis zu klaren Ansagen wie „Kostenloses W-Lan in allen Trierer Schulen“ oder der Idee, Begegnungsmöglichkeiten zwischen jungen und alten Menschen zu schaffen. Während bei einigen der Bewerbern ein späteres Berufspolitikerdasein schon jetzt programmiert scheint, treibt andere erkennbar die Lust am Verändern an. Einige haben sich gar eine Krawatte umgebunden oder sind gleich im Anzug gekommen. „Denen ist das halt wichtig, die nehmen das hier sehr ernst“, kommentiert eine der Organisatorinnen anerkennend.

Kerstin Schorer-Hach zeigt sich zufrieden mit der bisherigen Resonanz, auch wenn die Mitarbeiterin des triki-Büros nicht verhehlt, dass die Zeit für die Vorbereitung des Wahldebüts gerne länger hätte sein dürfen. Sie berichtet auch, dass einige wenige Bewerber zwischenzeitlich der Mut verließ. Denn manchen sei erst nach der Anmeldung so richtig bewusst geworden, was es heißt, sich einer öffentlichen Wahl zu stellen, berichtet Schorer-Hach von einem ersten Vorbereitungstreffen; allein mit der Möglichkeit, nicht gewählt zu werden, müsse man erst einmal umgehen können, gibt sie zu bedenken. Ein Rückzug von der Kandidatur war nach der Zulassung durch den Wahlausschuss indes nicht mehr möglich.

Die Verantwortlichen um Mascha Gorges von der Geschäftsstelle der Mobilen Spielaktion hoffen nun, dass die überraschend große Zahl an Bewerbern ein gutes Omen dafür ist, dass möglichst viele der rund 6.700 Wahlberechtigten ihre jeweils bis zu drei Stimmen abgeben werden. Einer der Kandidaten will es mit der Hoffnung nicht bewenden lassen: „Gebt mir eure Stimmen!“ verlangt er kategorisch kurz und knapp im Flyer.

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1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. Alex Bermann schreibt:

    Offensichtlich ist unsere Jugend besser als ihr Ruf.

    Dieser kleine Bericht zeigt, dass Jugendliche und Kinder offensichtlich durchaus bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, sich eingehender mit Themen durcheinanderzusetzen und für das Wohl anderer einzutreten.

    Das sind die Tugenden eines guten Bürgers.

    Ich hoffe inständig, dass man der Jugendvertretung seitens der Stadt auf Augenhöhe begegnet, denn es wäre wirklich schade, wenn die bürgerlichen Tugenden durch den zynischen Zeitgeist des „die machen doch eh, was sie wollen“ verdrängt würde.

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