Forschungszentrum trennt sich von Professor

Das Historisch-Kulturwissenschaftliche Forschungszentrum der Universität Trier wird seinen Vertrag mit dem umstrittenen Militärhistoriker Martin van Creveld vorzeitig auflösen. Das erklärte eine Sprecherin des HKFZ am Dienstag gegenüber 16vor.

Erst kürzlich hatte Professor van Creveld ein „Visiting Fellowship“ am HKFZ angetreten. Vergangene Woche hielt er an der Universität einen Vortrag zum Thema „Männer, Frauen, Kriegsspiele und Kultur“. Dabei stellte er Behauptungen auf wie jene, dass es viele Frauen genössen, wenn Männer sich gegenseitig abschlachteten.

Hatten den Vortrag nur rund 50 Zuhörer verfolgt, sorgte in den folgenden Tagen die Berichterstattung von 16vor für einigen Wirbel auf dem Taforster Campus und darüber hinaus. Am vergangenen Freitag verlangten der AStA sowie mehrere Hochschulgruppen der Universität in einem „Offenen Brief“ die sofortige Abberufung von van Crevelds.

Am Dienstag erklärte nun eine Sprecherin des HKFZ auf Anfrage, dass der Gastaufenthalt des Wissenschaftlers schon bald beendet werde. Der Vertrag zwischen dem Forschungszentrum und Professor van Creveld werde „aufgrund beiderseitiger Vorbehalte aufgelöst“, zudem werde es keine weiteren Veranstaltungen mehr mit ihm geben. Für die nächsten Tage kündigte das HKFZ eine ausführliche Stellungnahme zu dem Vorgang an, in der man auch die Beweggründe für die Entscheidung erläutern will.

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19 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Rüdiger Rauls schreibt:

    Als nächstes würde ich eine Bücher-Verbrennung vorschlagen. Dann habt Ihr eine noch höhere Gewissheit, dass niemand mit diesem Gedankengut in Kontakt kommt.
    Wovor habt Ihr denn Angst?
    Traut Ihr es Euren KommilitonINNEN nicht zu, dass gebildete Menschen sich ein eigenes Urteil bilden können. Oder befürchtet Ihr, dass sie sich nicht das RICHTIGE Urteil bilden, also EURES.
    Wovor habt ihr Angst, dass ihr Leute verjagen müsst, deren Meinungen Euch nicht passen. Die meisten von denen, die da verdammen und verurteilen, haben an dem Vortrag nicht einmal teilgenommen, stimmen aber ein in den Chor der Verdammer und Verurteiler. Das erinnert mich doch an etwas.
    Meinungen und Weltbilder verändert man nicht, indem man ihre Träger verjagt. DAS ist kein Ausdruck von Stärke. Könnt Ihr Euch nicht mit Ihnen auseinandersetzen, sind Eure Argumente so schwach, Euer Weltbild so zerbrechlich, dass Ihr Euch diese Auseinandersetzung nicht zutraut?
    Mangelnde Argumentationskraft ist doch gerade das ERgebnis mangelnder Auseinandersetzung mit solchen Themen. Ihr müsst sie Euch anhören, um sie bekämpfen zu können, die Irrlehren. Aber man muss auch begründen können, warum es Irrlehren sind, muss darstellen können, was das Falsche daran ist.
    Nur das verändert die Welt, nicht das Niederbrüllen oder Verjagen Andersdenkender. Die Welt wird verändert durch die Veränderung der Ansichten über die Welt. Aber alleine die Veränderung der Ansichten genügt auch nicht, sondern es müssen auch immer mehr Menschen diese Ansichten teilen. Die Wahrheit setzt sich durch, sonst würden wir heute noch die ERde für eine Scheibe halten und für das Zentrum der Welt. Es hat nichts genützt die Verkünder dieser Wahrheiten zu bedrohen, zu vertreiben oder zu verbrennen, weil immer mehr Menschen erkannten, dass sie richtig sind.
    Und deshalb sind nicht die falschen Ansichten und Argumente das Problem, sondern die Schwäche Eurer eigenen.

  2. Christian Kraus schreibt:

    Als ehemaliger Student an der Universität Trier empfinde ich es als blamabel und skandalös, dass das Historisch-Kulturwissenschaftliche Forschungszentrum sich dem Druck gebeugt und den Vertrag mit Gastprofessor Martin van Creveld vorzeitig aufgelöst hat.

    Vor allem ist jedoch der in einem Offenen Brief Ausdruck verliehenen Haltung des AStA entschieden zu widersprechen. Auch ich halte die meisten Thesen van Crevelds für wenig überzeugend, aber auf Zustimmung oder Ablehnung kommt es gar nicht an.

    Würde an der Universität Trier ein neugieriges, offenes und pluralistisches Meinungsklima herrschen, wäre es selbstverständlich gewesen, mit Herrn van Creveld zu diskutieren, Gegenthesen zu formulieren, einen spannenden Gedankenaustausch zu vollziehen und imGespräch hart mit ihm ins Gericht zu gehen; stattdessen exekutiert man über Pressemitteilungen politische Korrektheit, schickt den Gast aus Israel vorzeitig nach Hause und stellt ihn ins intellektuelle Abseits. Der Trierer AStA scheint die bloße Bereitschaft zur Debatte schon mit vorauseilendem Einverständnis mit van Crevelds Aussagen zu verwechseln.

    Die heute leider Vieles beherrschende politische Korrektheit treibt ihre hässlichsten und stinkendsten Blüten genau dann, wenn sie die Gedanken eines Menschen von vornherein als “indiskutabel” und „unter Niveau“ verurteilt, anstatt sich auf einen offenen Diskurs einzulassen. Dieses Verhalten ist der Inbegriff von gedankenfaulem Provinzialismus, der sich im konkreten Fall hinter den voreilig für unantastbar erklärten Wahrheiten der “gender studies” verschanzt.
    All jene Mitarbeiter und Studenten der Universität Trier, die das in beleidigt-mimosenhafter Manier betriebene Rausekeln van Crevelds dem kritischen Dialog vorziehen, sind eine Fehlbesetzung an der Hochschule und ganz bestimmt kein Aushängeschild einer offenen und freigeistigen Wissenschaftskultur. Es ist ein schrecklich unsouveränes, kurzum: peinliches Verhalten!

  3. Lucas Castro schreibt:

    Warten Sie doch bitte erst einmal die Stellungnahme des HKFZs ab, in der die näheren Beweggründer erläutert werden.

    Sie wissen ja noch gar nicht, inwiefern der offene Brief eine Rolle gespielt hat. Aber Sie benutzen die Meldung als Vorlage, um gegen Feindbilder zu poltern. Wäre dem nicht so, dann würden Sie nicht sofort schließen, dass das HKFZ auf äußeren Druck hin die Gastprofessur beendet hat. Auf Grund dieser Informationslage könnte es ja genauso 16vor sein, das Creveld abgesägt hat. Oder der eigene Wille des Forschungszentrums- verrückt, oder?
    Außerdem:

    1. Der offene Brief wurde von AStA, den Stipendiaten der FES, studentischen Senatoren, der GEW, der DGB, eine studentischen Theatergruppe, HSG Jusos, HSG Grün/Orange, HSG LiLi, HSG KDV unterzeichnet. Sie picken sich hier wieder nur das heraus, was Ihnen in den Kram passt.

    2: Gestehen Sie den Wissenschaftler_innen im HKFZ doch ruhig eine eigene Meinung zu. Ich halte es für möglich, dass diese selbst und ohne äußeren Druck für sich selbst diese Entscheidung getroffen haben. Und Prof. Creveld schließe ich damit durchaus mit ein.
    Jetzt mal im Ernst: Professoren fürchten doch nicht den Druck der studentischen Massen, das hat sich doch schon allzuoft gezeigt. Sie fürchten alleine sich auf dem akademischen Tableau zu blamieren. Oder sie haben auch einfach keinen Bock auf eine Zusammenarbeit, die durch so entgegengesetzte Forschungspositionen zum Scheitern verurteilt ist.

    3: Zur Meinungsfreiheit gehört auch die Freiheit, anderen Meinungen zu widersprechen. Nur weil man Position gegen Prof. Creveld wie in dem offenen Brief geschehen äußert, bedeutet das nicht, dass man gleich Bücher verbrennen wird, meine Güte, +1 Point Godwin. Es geht um einen offenen Brief, nicht um Denkverbote, Busenattentate oder dem Niedergang der Wertegemeinschaft.

    Oder andersrum: Forschungs- und Meinungsfreiheit ist nicht der Freifahrtschein dafür, überall vor widerspruchslosen Geistern dozieren zu dürfen.

    4: Ich habe Creveld gelesen, oft den Kopf geschüttelt und – habe das Buch nicht verbrannt! (Sind Sie verrückt? wissen Sie, wie hoch die Wiederbeschaffungsgebühren der Uni-Bib sind???I)

  4. Simon Stratmann schreibt:

    Es war ja vollkommen klar, dass sich jetzt hier einige hinter der Formel der Meinungsfreiheit und des Pluralismus versammeln, um die Thesen von Herrn van Creveld als ganz normalen Beitrag innerhalb der Wissenschafts-Community darzustellen. Es war auch klar, dass sie diejenigen scharf angreifen, die die politische Kultur der Universität mit gestalten und sich eben nicht an einem meinungslosen und achselzuckenden Pseudo-Diskurs beteiligen wollen.
    Die beiden Leserbriefe zeigen, wie die Sarrazin-Logik funktioniert und bestärkt einen nur noch in seiner Haltung, diskriminierende und anti-demokratische Positionen als das zu behandeln, was sie sind: Nicht tolerierbar, sondern deutlich zurückzuweisen. Mit den Argumenten der beiden Leserbriefe kann die Universität ja auch massenhaft NPDler oder Scientologen einladen, um diese dann in einem „kritischen Dialog“ zu widerlegen. Welchen wissenschaftlichen Wert ein solches Vorgehen hat, erschließt sich mir überhaupt nicht.

    PS: Herr Rauls: Volksfreund! Sie sagten doch, Sie diskutieren nur noch beim Volksfreund, weil die Leserbriefe auf 16Vor so dumm seien. Nehmen Sie sich doch selbst endlich mal beim Wort und höre Sie auch auf, die gute Arbeit der 16Vor Redaktion zu beleidigen.

  5. Werner Rüffer schreibt:

    Wissenschaftsfreiheit ? Meinungsfreiheit ? Pluralismus ? Offener Diskurs? Kritischer Dialog? Redefreiheit ? Die Gedanken sind frei….? Querdenkerei erwünscht ? Ach was ?

    Was wir (sogen. Altlinken) früher als spießigen Opportunismus, als erstickendes Establishment beklagten und bekämpften, zelebriert das heuer etwa fröhlich seine Wiederkehr auf leisen Sohlen und exekutiert in altbekannter Selbstgerechtigkeit jedweden Abweichler und, pardon, jegliche Abweichlerin… alles bloss ein paranoider Wachtraum ?

    Denktabus? Redetabus? Schere im Kopf ? Moralische Keulen? Schon wieder falsches Bewußtsein ?

    I wo, ist doch alles bloß gut gemeint, nicht nur ein bisschen gut, nein, so richtig gut eben …notwendige Notfallmaßnahmen gegen falsches, vielleicht infektiöses Gedankengut ( ach, schöne neue Sprache) ?

    Huch, wie ärgerlich, was da am Horizont scheinbar so gänzlich unbeleckt und unbedarft als ‚Piraten‘ aufgetaucht ist und einfach so drauf losredet, gar von Post Gender babbelt.
    Mal wieder ein bisschen Farbe, ein Tick Querköpfigkeit, eine Prise frecher Ahnungslosigkeit, ein wenig Blasphemie gegen den großen Meinungsmainstream…einfac h nicht hinhören oder sollte man die vielleicht auch besser gleich wieder heimschicken?

    Wie seufzte einstmals ein großer Dichter auf der Flucht vor dem Allzudeutschen: Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht… hätte der mal besser seine Zeit in Trier verbracht ?
    Oder was meinte ehedem eine kleine Revolutionärin namens Luxemburg über die Freiheit des Andersdenkenden ? Hat ales nichts mit der Causa Crefeld zu tun, da ging es bloss um Hygiene?

    Tschuldigung, nix für ungut, war von mir alles nicht so gemeint, so viele Fragen halt, nehme sie alle zurück, – natürlich,Sie haben ja sooo recht, so geht es nicht,so nicht … die Reinheit der Wissenschaft, das isses… die muß heute und hier gerettet werden.. so wie der Euro und der ganze Rest- genau, sehr gerne !

  6. Peter Schwenkmezger schreibt:

    Auch wenn die Thesen von Herrn von Creveld unsäglich sind: Warum geht man nicht in den Vortrag und meldet Widerspruch an und sucht den Ort der offenen Diskussion in Konfrontation mit dem Referenten. Die Universität ist ein Ort der freien und offenen Auseinandersetzung. Das muss sie aushalten. Welche Vorstellungen von Autonomie einer Universität hat eigentlich der ASTA, wenn er sich gleich an die Ministerin wendet. Wie wenn die Ministerin in einen solchen Sache der Universität eine Anweisung erteilen könnte? Also, bitte die offenen Auseinandersetzung mit solchenReferenten suchen und nicht hinterher nachkarten. Das wäre allemal besser gewesen.

    (Anm. d. Red. Professor Peter Schwenkmezger war bis August 2011 Präsident der Universität Trier)

  7. Martin Weinert schreibt:

    Ich gehöre zu denjenigen, die nicht an dem Vortrag teilgenommen haben, die aber die aktuelle Entscheidung des HKFZ begrüßen.

    Warum? Weil meine schwachen Argumente nicht ausreichen würden, um mit Prof. Martin van Creveld „im Gespräch hart mit ihm ins Gericht zu gehen“? Das käme auf einen Versuch an.

    Wer aber den öffentlichen Widerstand gegen die Thesen und das Auftreten im staatlich geförderten Raum von Professor van Creveld in Analogie setzt mit den Bücherverbrennungen der Nazis und der Inquisition des späten Mittelalters (Und ja, Herr Rauls und Herr Kraus, das haben Sie zwar nicht geschrieben, aber gemeint.) setzt sich nicht etwa für das demokratische Recht der freien Meinungsäußerung ein, sondern wird willfähriger Diener derjenigen, die dieses Recht erstens nicht zum akademischen Dialog, sondern zur Propaganda nutzen und zweitens dieses Recht Andersdenken nicht unbedingt zugestehen wollen.

    Dagegen setze ich: Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit!

  8. Dieter Lintz schreibt:

    Können vielleicht noch mal alle runterkommen vom Bäumchen? Weder ist der Protest gegen die Einladung van Crevelds ein Akt der Barbarei wie Bücherverbrennung und Inquisition, noch ist der Professor ein „Feind der Freiheit“, gegen den man die westliche Zivilisation verteidigen müsste.
    Ganz rational geht es doch um die Frage, ob die Universität mit den raren Ressourcen von Fellowships sinnvoll umgegangen ist, als sie van Creveld eingeladen hat. Der Mann ist ein zwar umstrittener, aber wissenschaftlich durchaus anerkannter Militärhistoriker. Gleichzeitig ist er in den letzten Jahren am Rande seines Arbeitsfeldes als Autor antifeministischer Traktate aufgetreten, deren wissenschaftliches Niveau jenes von Hera Lind oder „Warum Frauen nicht einparken können…“ nicht nennenswert überschreitet. Das ist nett für einen launig-provokativen Leseabend in der Tufa, hat aber im wissenschaftlichen Ambiente nichts zu suchen.
    Offenbar haben die Einladenden das nicht vernünftig geklärt. Das war ein Fehler. Möglicherweise hätte sich die Sache schon im Vorfeld erledigt. Nachdem man ihn aber schon mal eingeladen hatte, hätten alle Seiten das meines Erachtens aushalten müssen. Originell wäre gewesen, der AStA hätte ein Streitgespräch van Creveld/Alice Schwarzer organisiert. So wirkt das alles etwas kleinkariert.

  9. Christian Kraus schreibt:

    Weil in den nachfolgenden Leserbriefen einige Male auf meine Stellungnahme Bezug genommen wurde, möchte ich folgende Punkte klarstellen:

    Erstens, Herr Weinert, verwahre ich mich dagegen mit Herrn Rauls mal eben in einen Topf geworfen zu werden. Ich habe die Vertragsauflösung mit Herrn van Creveld weder explizit noch implizit mit der Bücherverbrennung der Nazis verglichen und finde derlei Vergleiche auch nicht gerechtfertigt.

    Zweitens, Herr Stratmann, bewegen sich die Aussagen van Crevelds nun wirklich auf einer völlig anderen Ebene als die Programmatik der NPD. Aber ich gebe gerne offen zu, dass ich als Demokrat auch mit einem NPD-Verteter eher öffentlich streiten würde, als ihm den Mund zu verbieten. Und Sie werden es nicht glauben: Der langjährige SPD-Bundesgeschäftsführer und vorbildliche Demokrat Peter Glotz hat dies in einer bei youtube nachsehbaren Talkshow sogar getan, es soll auch an anderer Stelle schon einmal vorgekommen sein. Aber darum geht es hier nun wirklich nicht.
    Es geht um Thesen, die ich – noch einmal gesagt – auch für falsch halte, aber mir bricht keine Zacken aus der Krone, Herrn van Creveld dies persönlich zu sagen und ihm weiter zuzuhören. Und die jetzt abgeblasenen Vorträge und Workshops sollten sich übrigens mit anderen Themen beschäftigen als der jetzt inkriminierter Auftritt, hier hätte man einfach einmal abwarten sollen.

    Drittens freut es mich, dass der langjährige Rektor der Universität Trier, Schwenkmezger, ebenfalls für das plädiert, das auch ich für richtig halte: Widerspruch anmelden und offen diskutieren. In diesem Zusammenhang, Herr Castro verstehe ich auch nicht, warum der ASta Herrn van Creveld nur widersprechen kann, indem er gleich gnadenlos seine Verbannung fordert. Warum konnte der ASta nicht widersprechen, indem er mit ihm diskutiert und die geplanten Veranstaltungen ganz einfach stattfinden; wieso maßt sich der ASta mal wieder die autoritäre Rolle einer allzeitbereiten Gedankenpolizei an, die intellektuelle Platzverweise ausstellt?

    Und viertens, Herr Lintz, überrascht es mich nicht, dass Sie diesem Vorgang ganz pragmatisch mal wieder den Charakter einer Grundsatzfrage absprechen und vor allem angeblich ineffizienten Mitteleinsatz beklagen. Da Herr van Creveld in absoluter Rekordzeit des Campus verwiesen wurde, werden wir angesichts der geplatzten Veranstaltungen niemals erfahren, ob der fellow nicht vielleicht auch auf dem auch hier so vielbesungenen wissenschaftlichen Niveau einiges zu bieten gehabt hätte. Eine Universität ist übrigens ein Ort der allgemeinen gesellschaftlichen Debatte, die gerade in auch auf Öffentlichkeit zielenden Veranstaltungen nicht in jedem Fall nach den strengen Regeln eines Oberseminars ablaufen muss. Viele der besten Wissenschaftler waren übrigens hier und da auch mal glänzende Polemiker, oder würden Sie diesen Charakterzug Einstein, Luhmann und Habermas absprechen?

    Wie dem auch sei. Die Verantwortlichen an der Uni Trier haben sich entschieden. Sie sollten aber konsequent sein und ihre Studenten in der nächsten Zeit in Seminaren nicht mit dem Wort von Evelyn Beatrice Hall behelligen: „Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen“. Täten sie es doch, wäre das nun wirklich ein Skandal.

  10. Rüdiger Rauls schreibt:

    Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit!
    Welche Freiheit, Herr Weinert, meinen Sie denn zu verteidigen? Mir grausts vor solchen selbsternannten Verteidigern der Freiheit.

  11. Michael Merten schreibt:

    Wer den Verlauf dieser Leserbriefe betrachtet, kann feststellen, welche absurden Triebe doch manchmal die politische Korrektheit treiben kann. Da eröffnet Herr Rauls den Reigen mit den berüchtigten Bücherverbrennungen. Oh Gott! Oh Nein! Bücherverbrennungen – das gibt es doch nicht! Wie kann man denn so einen Nazivergleich ziehen???????????
    Daß es sich offensichtlich um IRONIE handelt, man könnte auch von SARKASMUS sprechen, wird hier von manchem Empörten völlig außer Acht gelassen. Gleich wird der Reigen der politischen Korrektheit losgetreten, ist von willfährigen Dienern und dergleichem die Rede. Dadurch aufgeschreckt, sieht sich der nächste dazu verpflichtet, klarzustellen: „Ich habe die Vertragsauflösung mit Herrn van Creveld weder explizit noch implizit mit der Bücherverbrennung der Nazis verglichen und finde derlei Vergleiche auch nicht gerechtfertigt“.

    Ich halte von den schwachsinnigen auf Frauen bezogenen Thesen des angeblich antiisraelischen Israeli Creveld nichts. Wie mir meine Freundin gerade versichert, steht sie auch nicht darauf, daß Männer sich gegenseitig abschlachten. Also soll sich jeder, der Lust darauf hat, an Crevelds Thesen abarbeiten – aber welche Blüten diese Aufregungskultur jetzt wieder treibt, das ist lächerlich.

  12. Martin Klingsporn schreibt:

    Ich kann Dieter Lintz nur zustimmen: Max. 10 Minuten Recherche im Internet (an der Uni vorzugsweise durch HiWis geleistet) hätten ausgereicht, um sich Klarheit über Crevelds Positionen zu verschaffen. Da kann eigentlich niemand überrascht gewesen sein vom Ergebnis. Damit bleibt wirklich nur die Frage: Warum lässt man so eine Figur auf die Öffentlichkeit los, ohne vorher ein wenig zu steuern? Es gibt eine ganze Menge hier und heute spannender Thmen, zu denen MvC Vernünftiges und Erhellendes zu sagen hat, wahrscheinlich (ganz gegen seinen Willen) sogar zur Frauenrolle, wenn man ihn auf konkrete Fragestellungen etwa mit Bezug auf die asymetrischen Konflikte und die Einbindung der Zivilbevölkerung in die Auseinandersetzungen hätte reden lassen und auf seine Kompetenz hin gesteuert hätte.
    Das scheinheilige Gerede von der wissenschaftlichen Freiheit ist demgegenüber ein Selbstbetrug: Schließlich wird die Forschung heute stärker denn je durch die vorgegebenen Fragestellungen gesteuert („gemanagt“). Wer immer Creveld eingeladen hat, hätte sich vorher überlegen müssen, was man von ihm will. So hat man nicht nur das Geld sondern auch eine große Chance verschenkt.

  13. Felix Weber schreibt:

    Die Andersdenkenden Studenten der Universität Trier tun mir sehr leid, vor allem die, die sich wirklich mit der Thematik befassen müssen und gewillt sind diese Thesen zu reflektieren, rein positiv und kritisch und nicht normativ.

    Doch die Berufsaufreger und selbsternannten Freiheitsverteidiger scheinen nicht zu wissen was sie wirklich verursachen, beziehungsweise verstärken.
    Nunja, frei nach dem Motto „Wer nicht mein Freund ist ist mein Feind“.
    Statt zu hinterfragen und die Thesen tatsächlich zu falsifizieren kommen nur erschreckende Parolen zu denen man erschreckende Parallelen ziehen kann.

  14. Conradin Sturm schreibt:

    Bei all den Reaktionen, die die Affäre um Herrn van Creveld ausgelöst hat und die inzwischen sogar SPON erreicht haben, stellt sich mir eine Frage:

    Wer hat eigentlich den „Kriegsforscher“ – denn jeder, der sich auch nur oberflächlich mit seinem wissenschaftlichen Werdegang auseinander gesetzt hat, hätte erkennen können, wen man da einlädt – Martin van Creveld eingeladen? Dies kann doch nur unter Ignorierung oder Unwissenheit seiner durchaus umstrittenen Thesen zum Thema Krieg und „Gender“ (ist normalerweise nicht Bestandteil meiner Diktion) geschehen sein. Anders ist mir dies nicht erklärbar.

    Was war jetzt eigentlich der Anlass für diese peinliche Situation? Akademisches Missmanagement, das nur nach dem Glanz des Namens schielte oder einfach dumpfe Unkenntnis?

    Wie dem auch sei, die Geschichte ist für alle Beteiligten absolut kein Ruhmesblatt!

  15. Hannah Hinnemann schreibt:

    Der ganze Vorgang ist aus meiner Sicht hahnebüchen.
    Ein wissenschaftliches Institut lädt doch keinen Wissenschaftler ein, ohne zumindest Zusammenfassungen seiner einschlägigen Publikationen vorher anzuschauen – es sei denn, man sucht die Wissenschaftler, die man zu einem bestimmten Thema einladen könnte, nach der Trefferliste der gesuchten Schlagworte in einer Online-Datenbank aus …

    Wenn anhand eines Wikipedia[!]-Artikels abzusehen war, welche Richtung der Vortrag wohl nehmen würde, hat jemand schlicht seine Hausaufgaben nicht gemacht.
    Ich kenne den Vortrag leider nur aus den veröffentlichten Auszügen, aber was dort zu lesen war, bot schon Grundlage genug, die Argumentation bereits in den Ansätzen mit Leichtigkeit auszuhebeln.
    Ich schließe mich Herrn Prof. Schwenkmezger und anderen an: Wie leicht wäre es gewesen, in einer erneuten öffentlichen Debatte (wenn dies im Anschluss an den Vortrag nicht ausreichend geschehen ist), derartige Thesen ad absurdum zu führen und im wissenschaftlichen Diskurs Profil zu zeigen. Stattdessen lädt man den Wissenschaftler kurzerhand aus – ein wissenschaftliches Armutszeugnis auf der ganzen Linie, wie ich finde.

  16. Alex Bermann schreibt:

    Wenn ich das richtig verstanden habe, wurde Professor van Crefeld als Wissenschaftler geladen, als einen Menschen, der sich in seiner Disziplin verdient gemacht hat. Ich kann mir kein Urteil über diese Disziplinären Qualifikation erlauben, doch der Vortrag war auch nicht ein Vortrag aus dieser Disziplin. Würden wir einen Professor der Betriebswirtschaftslehre einladen, über Sozialisationstechniken zu reden?

    Natürlich kann man sich an der Universität auch kritisch mit misogynen Thesen auseinandersetzen. Dennoch hat der wissenschaftliche Diskurs gewisse Regeln, die sein Funktionieren garantieren. Wenn man nach diesen Regeln einen Vortrag hält, sollte man sich auch wissenschaftlicher Thesen bedienen. Van Crefelds Thesen zu Geschlechterrollen kann man nichtmal wissenschaftlich umstritten nennen – alle wissenschaftliche Rezensionen, die ich gelesen habe, waren sich einig, dass das Buch nicht wirklich ernst zu nehmen ist. Mir selbst fällt auch kein Wissenschaftsbegriff ein, der die kruden Thesen umfassen würde.

    Es war nicht ein Fehler, Professor van Crefeld ausgeladen wurde, es war ein Fehler, dass er eingeladen wurde.

  17. Christoph Cluse schreibt:

    Die heftigsten Kommentare stammen von denen, die gar nicht dabei waren. Hier werden völlig sachfremde Gesichtspunkte in die Debatte getragen. Wer die Zuhörer und Zuhörerinnen mal befragt, bekommt versichert, dass der Vortrag keinerlei wissenschaftlichem Anspruch genügen konnte. Vielmehr bekam ich den Eindruck, dass er i.W. sprachloses Kopfschütteln hervorgerufen hat. Von allen Vorwürfen ist der der „Vulgärwissenschaftlichkeit“ der einzig relevante.

    Mit Einschränkungen der Meinungsfreiheit hat es wirklich nichts zu tun, wenn das HKFZ in diesem Fall die Notbremse gezogen hat. Natürlich ist die Universität ein Forum offenen Austausches – aber eben unter dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit. Wer als Stipendiatin oder Stipendiat in dieser Hinsicht die Erwartungen nicht erfüllt, verliert den Anspruch auf Förderung, aber nicht das Recht auf eigene Meinung. Warum sollten wir uns einen teuren „Visiting Fellow“ leisten, wenn er in eklatanter Weise die Regeln der „guten wissenschaftlichen Praxis“ verletzt?

    Und das Gejammer der selbststilisierten Opfer von Gleichstellungsbeauftragten und „political correctness“ kann ich nicht mehr hören.

  18. H.Sulz schreibt:

    Offenbar ist sich die hier versammelte Gelehrsamkeit einig darüber, das es alles lächerlicher Quatsch ist, was van Crefeld so von sich gab und mit Leichtigkeit zu widerlegen.
    Wenn dem so ist, warum tat es dann keiner vor Ort? Statt dessen Großmäuligkeit aus Heckenschützenperspektive.
    Man habe nicht gewußt, wen man sich da so einlud- ja gehts noch? WEIL er solche Thesen vertritt, hätte doch mal für Farbe im grünroten Einheitsmeinungsbrei dieser sog.’Universität‘ gesorgt.
    Und denkt mal einer darüber nach, WARUM sich alle so aufregen und dabei keine Grenzen mehr kennen?
    Vielleicht der van Crefeldsche Tabubruch, an den Denkverboten der upside- down verordneten Gender- Ideologie zu rütteln? Merkt den keiner, was es bedeutet, wenn ‚das darf man doch öffentlich nicht sagen‘ (Wagener) gilt?
    Und überhaupt- wieviele Stellenbesetzungen an dieser Universität erfolgen nach dem Generalkriterium weibliches Geschlechtsteil und Kotau vor dem sog. Zeitgeist statt nach Qualität? Dämmerts?

    Offensichtlich nicht. Q.e.d.

  19. K. D. Deumeland schreibt:

    Das Verhalten der Verantwortlichen an der Universität Trier,deren wissenschaftlicher Ruf insbesondere im juristischen Bereich gering ist,gegenüber dem jüdischen Professor van Creveld ist eine Schande. Aber aus Trier kann man wohl kaum etwas anderes erwarten,wenn man weisss,dass dort einmal ein Juraprofessor namens Michael Kloepfer tätig war,der nun an der HU in Berlin praktiziert.
    Andere Meinungen werden skrupellos unterdrückt und die Wissenschaftsfreiheit beseitigt. Ich habe in meinem Vortrag in Graz darauf hingewiesen,dass Wissen die Basis für jede Wissenschaftsfreiheit ist und daher verfassungsrechtlich geschützt wird. Die Lösung des Vertrages -auch wenn Prof.van Creveld zugestimmt haben sollte- verletzt in schwerwiegender Weise Art.5 Abs.3 GG und ist daher rechtlich unwirksam.
    Im übrigen kann die Aussage von van Creveld bestätigt werden,wenn man sich einmal Wettkämpfe von Catchern ansieht. Man sollte dabei das Publikum beobachten.Die Frauen waren immer mehr als andere begeistert,wenn es besonders brutal zugingen und haben dem Brutalsten zugejubelt!
    K.D.Deumeland,Rechtslehrer a.d. für Rechtswissenschaft

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