„Ziemlich bodenlos“

TRIER. Der Stadtrat hat sich einstimmig gegen die für den Fahrplanwechsel im Dezember vorgesehenen Streichungen von Fernverkehrsverbindungen nach Trier ausgesprochen. Vor dem Beschluss kam es zu harten Wortgefechten.

In der von der CDU-Fraktion eingebrachten Resolution heißt es: „Der Rat der Stadt Trier fordert die Deutsche Bahn AG auf, das bisherige Fernverkehrsangebot bis auf Weiteres auch über den jährlichen Fahrplanwechsel hinaus aufrecht zu erhalten und in Verhandlungen mit den Behörden auf kommunaler, Landes- und Bundesebene ein zukunftsfähiges Fernverkehrskonzept zu erstellen“. Man bitte zudem die regionalen Abgeordneten des Landes- und Bundestages sowie die Landesregierung, sich in Verhandlungen mit der Bahn für eine kurz- und mittelfristige Übergangslösung einzusetzen, die eine ausreichende Anbindung der Stadt Trier an das Fernverkehrsnetz gewährleiste.

CDU-Ratsmitglied Thomas Albrecht erklärte, er sei enttäuscht, „wie in der Trierer Kommunalpolitik Prioritäten gesetzt werden“. Während der Pachtvertrag einer Tankstelle über Wochen die öffentliche Debatte bestimme, habe es relativ wenig Resonanz auf die Ankündigung der Bahn gegeben, die Region vom Fernverkehr abzukoppeln. „Es ist doch ein Treppenwitz: Auf der einen Seite reden wir hier immer wieder, den Nahverkehr zu fördern. Doch wenn es ernst wird, fahren wir ihn zurück“. Vor allem dem Engagement Luxemburgs sei es zu verdanken, dass nun zumindest die Lücken auf den Verbindungen zwischen Trier und dem Großherzogtum geschlossen werden können. „Wir müssen die Landesregierung in die Pflicht nehmen“, verlangte Albrecht weiter, Mainz müsse das Geld bereitstellen, um eine weitere IC-Anbindung sicherzustellen.

Marz nimmt Kaster vor Teuber-Kritik in Schutz

Das sieht SPD-Fraktionschef Sven Teuber anders. So beteilige sich Rheinland-Pfalz an der beschlossenen Ersatzlösung, doch belaste dies den Landeshaushalt und wälze die Verantwortung von einem privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen auf den Steuerzahler ab. Lediglich der Bund als Eigentümer könne noch einen Einfluss auf die Bahn ausüben. Teuber holte sodann zu einer Breitseite aus: „Kaster hätte sich mal ausnahmsweise produktiv für den Erhalt des ICE, den er für sich in Anspruch nimmt, aber nie nutzt, einsetzen können“.

Die Attacke des Sozialdemokraten rief Reiner Marz auf den Plan: „Ich muss mal Herrn Kaster in Schutz nehmen“, leitete der Grüne ein und fuhr fort: „Das Engagement eines Bundestagsabgeordneten mit Worthülsen nieder zu machen, finde ich perfide“. Marz warf Teuber zudem eine „peinliche Lobhudelei gegenüber der Landesregierung“ vor. Der Antrag der CDU sei richtig, er komme aber etwas spät, was aber alle Fraktionen zu verantworten hätten. Auch die Chefs der Fraktionen von FWG und FDP, Christiane Probst und Dr. Karl-Josef Gilles, sowie Linde Andersen von der Linken unterstützten den Antrag der Union. Deren Fraktionschef Dr. Ulrich Dempfle verteidigte ebenfalls den CDU-Kreisvorsitzenden: „Wenn ein Bundestagsabgeordneter für eine Region und für den Zugverkehr gekämpft hat, dann ist es Bernhard Kaster“. Teubers Kritik sei „ziemlich bodenlos“.  Dempfle räumte ein, dass der gesamte Rat auf das Thema „schläflich und gemächlich“ reagiert habe.

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