Von Alltag und Vergnügen

TRIER. Raucher und Biertrinker halten derzeit Einzug ins Stadtmuseum. Das Stifterkabinett in der obersten Etage wird umgehängt und der Bestand neu geordnet.

Die Neupräsentation zeigt ab Mitte nächster Woche bäuerlichen Genre- und Alltagsszenen des 16. und 17. Jahrhunderts.

Das Stifterkabinett in der obersten Etage des Stadtmuseum Simeonstift stellt wichtige Mäzene des Museums vor. Denn es waren vor allem kunstinteressierte Trierer Bürger, die bereits im 19. Jahrhundert mit der großzügigen Überlassung ihrer Sammlungen den Grundstock für ein Stadtmuseum gelegt hatten. Neben Asiatika und Textilien sind dort Gemälde und Skulpturen zu sehen, die dicht an dicht, Rahmen an Rahmen um die Aufmerksamkeit der Betrachter buhlen. Die Fülle der Präsentation sollte vor allem einen Eindruck vom Umfang der Sammelleidenschaft Trierer Stifter vermitteln.

Ein Großteil der Exponate stammt aus dem Nachlass des Industriemanagers Dr. Martin Schunck, eine der jüngsten größeren Schenkungen, die im Jahr 1987 dem Stadtmuseum als Vermächtnis zufiel. Das Legat war mit der Auflage verbunden, sämtliche Kunstwerke für einen bestimmten Zeitraum komplett zu zeigen, nur dann sollte die Stiftung auch tatsächlich in den Besitz der Stadt Trier übergehen. Diese Frist ist nun abgelaufen, weshalb die Hängung neu sortiert wird.

Auch künftig werden im sogenannten Stifterkabinett Stiftungen gewürdigt, doch jeweils mit einem thematischen Schwerpunkt. Die Anzahl der Exponate wird reduziert, eine sorgfältige Auswahl getroffen, das einzelne Bild besser ausgeleuchtet und beschriftet. Die erste Präsentation unter dem Titel „Von Alltag und Vergnügen“ widmet sich niederländischen Genre- und Alltagsszenen des 16. und 17. Jahrhunderts aus der Sammlung Schunck. Darstellungen von Dorffesten und Bauernhochzeiten, von Rauchern und Trinkern waren damals überaus populär.

Dem Betrachter sollte vor Augen geführt werden, wie sich der ungebildete und plumpe Bauer verhält, nämlich moralisch falsch: er trinkt und tanzt, er raucht und feiert – alles Laster, von denen sich betuchte Bildungsbürger oder gar Adlige beflissentlich distanzierten. So entstand eine gewisse Ambivalenz dem Bauerntum gegenüber. Zum einen rümpfte man verächtlich die Nase über ein solch frivoles Verhalten, zum anderen beneidete man die Bauern um ihre Freiheit.

Rauchen war auch damals schon höchst umstritten, Tabak und Alkohol als die Sinne benebelnd verpönt, und ein Tanz, bei dem der Rock so fliegt, dass er den Blick auf Füße oder gar Beine freigibt – undenkbar. Aber auf dem Lande, weit weg vom höfischen Zeremoniell, herrschte keine so strenge Etikette. Da konnte man noch ausgelassen feiern. Dementsprechend enthalten viele Gemälde eine versteckte moralische Botschaft und mahnen, sich stets korrekt und wohlerzogen zu verhalten. „Wie gewonnen, so zerronnen“ lautet denn auch der vielsagende Titel einer der Dorffestszenen.

Das Stifterkabinett ist bereits leergeräumt und frisch gestrichen, derzeit wird es neu gehängt. Der Raum bleibt aber die ganze Zeit über geöffnet. Ab Mittwoch ist die Neuhängung fertig und komplett zu sehen. Führungen finden statt am Sonntag, 19. Februar 2012, und Sonntag, 11. März 2012, jeweils um 11.30 Uhr mit Dr. Christiane Häslein.

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