Unerhört tiefe Laute
TRIER. Gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam rund um die Universität Wien, hat der Trierer FH-Professor Jörg Lohschneller jetzt einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis der Elefantenkommunikation geliefert.
Darüber berichtet auch die Fachzeitschrift Science. Die Forscher untersuchten erstmals, wie Elefanten Infraschall-Töne, also extrem tiefe Laute, produzieren können. Hierbei fanden sie heraus, dass die Dickhäuter dazu denselben physikalischen Stimmproduktions-Mechanismus wie Menschen verwenden.
Die Gruppe aus europäischen und amerikanischen Wissenschaftlern untersuchte, wie Elefanten den für ihre Kommunikation wichtigen Infraschall überhaupt erzeugen. Die von den Elefanten produzierten extrem niederfrequenten Schallsignale besitzen eine derart geringe Tonhöhe, dass sie vom menschlichen Ohr nicht mehr wahrgenommen werden kann. Diese tiefen Laute ermöglichen es dem größten Landsäugetier der Welt, sich in der Savanne über mehrere Kilometer hinweg zu verständigen. Akustische Fernsignale dieser Art sind eine wichtige „Geheimsprache“ für die sozial lebenden Tiere.
„Es galt herauszufinden, wie Elefanten diesen Infraschall für ihre Kommunikation erzeugen“, erläutert Lohscheller das Forschungsprojekt. Um dieser Fragestellung nachzugehen, sei einem aus natürlichen Gründen verstorbenen Elefanten der Kehlkopf entnommen worden. In Experimenten habe man die im Kehlkopf liegenden Stimmlippen des Elefanten in tief-frequente Schwingungen versetzt und mittels moderner Hochgeschwindigkeitsvideosysteme genau untersucht. „Elefanten verwenden beim Infraschall denselben Stimmproduktions-Mechanismus wie wir Menschen zum Sprechen und Singen“, erklärt der Stimmforscher Lohscheller die Ergebnisse. Die beiden Stimmlippen des Elefanten, die etwa achtmal größer sind als die beim Menschen, erzeugen die tiefen Töne, indem sie weniger als 20-mal in der Sekunde im Kehlkopf hin- und herschwingen. Das Forscherteam konnte zusätzlich auch faszinierende irreguläre Schwingungsformen der Stimmlippen dokumentieren. Die erzeugten Klänge sind von Elefantenkälbern bestens bekannt und vergleichbar mit den Heiserkeitsformen eines schreienden Babys oder eines Heavy-Metal-Sängers.
Das Forscherteam will auch weiterhin intensiv an diesem Forschungsprojekt weiterarbeiten, um neue Erkenntnisse über die sensible, akustische Kommunikation in der Savanne zu gewinnen.
von 16vor
