Trierer Gemälde in London

TRIER/LONDON. Ein Jagdstillleben von Johann Joseph Zoffany (1733–1810) aus dem Bestand des Stadtmuseums Simeonstift tritt in zwei Wochen seine Reise zur Royal Academy nach London an.

Seit mehreren Jahren bereiten Wissenschaftler des Yale Center for British Art und der Royal Academy of Arts in London eine große Ausstellung samt umfangreicher Publikation über den Maler Johann Joseph Zoffany (1733–1810) vor. Ab dem 10. März wird eine Schau in der Royal Academy ausgewählte Highlights aller Schaffensphasen zeigen, aus öffentlichen und privaten Sammlungen, und so zum ersten Mal einen umfassenden Überblick über das Œuvre dieses bedeutenden Künstlers bieten. Auch aus Trier reist ein Meisterwerk nach London, um die spektakuläre Schau zu bestücken.

Zoffany ist ein englischer Maler deutscher Herkunft. Im Jahr 1733 in Frankfurt geboren, ging er im Alter von 27 Jahren nach London, wo er überaus große Erfolge mit seinen brillanten Porträts und sogenannten conversation pieces erzielte, zwanglosen Darstellungen gleich mehrerer Personen im entspannten Gespräch. Zu seinen Auftraggebern gehörten alle, die damals Rang und Namen hatten, von berühmten Theaterschauspielern bis zu Mitgliedern des englisches Hofes. Im Jahr 1776 erhob Kaiserin Maria Theresia den angesehenen Maler in den österreichischen Adelsstand, Georg III. ernannte ihn zum Mitglied der Royal Academy.

Zoffanys frühe, in Deutschland entstandene Arbeiten zeigen überwiegend mythologische oder biblische Themen. Seit 1758 stand er im Dienst des Trierer Kurfürsten Johann Philipp von Walderdorff und lebte in der Malerkolonie Ehrenbreitstein in Koblenz. Gemeinsam mit Januarius Zick war auch er an der Ausgestaltung des Kurfürstlichen Palais‘ beteiligt.

Das Stadtmuseum Simeonstift besitzt ein exquisites Jagdstillleben – das einzig bekannte aus seiner Hand –, das wohl ursprünglich zur Raumausstattung im Trierer Palais gedacht war. Virtuos ist die Malweise, wirkungsvoll heben sich die Stofflichkeit von Federn und Fell vor dem schlichten dunklen Hintergrund ab. Jagdstillleben waren als Motiv sehr beliebt und schmückten beispielsweise Speisesäle. Den zeitgenössischen Besucher informierten sie zugleich über das Jagdgeschick des Hausherrn und stellten seine Herrschaft über den Grundbesitz heraus.

Das Jagdstillleben des Stadtmuseums Simeonstift wird in zwei Wochen seine Reise nach London antreten, um dort bis Juni als ausgewiesenes Meisterwerk und einzig bekanntes Stillleben exemplarisch für Zoffanys Zeit in Deutschland zu stehen.

Die Ausstellung „Johann Zoffany: Artist and Enigma“ ist vom 10. März bis 10. Juni in der Royal Academy of Arts in London zu sehen.

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