Todestag auf der Tagesordnung

TRIER. 2012 jährt sich zum 200. Mal der Todestag von Clemens Wenzeslaus. Das Datum drohe sang- und klanglos zu verstreichen, mutmaßte FDP-Fraktionschef Dr. Karl-Josef Gilles und formulierte eine Anfrage an den OB.

Wenzeslaus war  der letzte Trierer Kurfürst, mehr als ein halbes Jahrhundert lang lenkte er die Geschicke des Kurstaates. „Da Trier im kommenden Jahr bereits an die 500-jährige Wiederkehr des Reichstages von 1512 erinnert und damit die Zeigung des Heiligen Rockes verbindet, werden andere Ereignisse offenbar vernachlässigt“, behauptet Freidemokrat und Historiker Gilles in seiner Anfrage. Obwohl Clemens Wenzeslaus als letzter Vertreter des Ancien Régime und letzter souveräner Herrscher der Region heute „sicher nicht unumstritten“ sei, sei er den Ideen der Aufklärung doch „nicht abgeneigt“ gewesen. Wenzeslaus habe das Schulwesen gefördert und zahlreiche gemeinnützige Einrichtungen und Stiftungen, etwa für arme Schulkinder geschaffen. „Er reformierte das Klosterleben, hob die Hälfte aller Feiertage auf und schränkte eine Vielzahl der Prozessionen ein. Auch als Baumeister trat er hervor; in Trier gehen auf ihn etwa das Clementinum und die Hauptwache, die beide noch sein Wappen zeigen, zurück. Seine größten Verdienste erwarb er allerdings um den Moselwein durch die Einführung des Rieslings“, erläutert Gilles, der am Rheinischen Landesmuseum beschäftigt ist. Kurzum: Auch wenn Wenzeslaus seinen Lebensabend in Augsburg verbrachte und am 27. Juli 1812 auf seinem Sommersitz in Marktoberdorf verstarb, sei es doch an der Stadt Trier, dem letzten Kurfürsten zu gedenken, fordert Gilles.

Für seine Fraktion hat er eine Anfrage an den OB gerichtet, die am Donnerstag in der ersten Sitzung des Stadtrats nach der Sommerpause beantwortet werden soll. Im Kern wollen die Liberalen wissen, ob denn die Stadt irgendwelche Veranstaltungen anlässlich des Todestages von Wenzeslaus geplant habe.

Hat sie, erklärt Dr. Sonja Mißfeldt, Sprecherin des Stadtmuseums, am Montag gegenüber 16vor. So werde es anlässlich des Todestages einen Vortrag mit Führung geben, außerdem plane die Stadtbibliothek ein Symposium zu Wenzeslaus. Zudem ist eine größere Publikation zu Triers letztem Kurfürsten in Vorbereitung. Die Federführung für dieses Projekt liegt beim Landeshauptarchiv in Koblenz, doch wird sich das Trierer Stadtmuseum mit einbringen.

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