Tassen mit Stadtteil-Motiven

TRIER. Für seine Dauerausstellung hat das Stadtmuseum seine Porzellan-Sammlung mit kostbaren Tassen mit Trierer Stadtteil-Motiven ergänzt.

In einem Auktionskatalog des Kunsthauses Lempertz in Köln entdeckte Dr. Bernd Röder vom Stadtmuseum Simeonstift zwölf Tassen und sechs Untertassen eines Services der Trierer Porzellanmanufaktur aus dem 19. Jahrhundert. Mit Geldern des Freundeskreises ersteigerte das Haus die seltenen Tassen mit Motiven von Trierer Vororten für seine Sammlung.

Porzellan wurde 1710 erstmals in Europa hergestellt und entwickelte sich im 18. Jahrhundert zu einem sehr prestigeträchtigen Wirtschaftszweig. Die Produktion des „weißen Goldes“ war meist eng an die Höfe gebunden und wurde vom Adel gefördert. Als Anfang des 19. Jahrhunderts in Trier eine Manufaktur entstand, hatte sich der Käuferkreis schon erweitert: Kostbare Service und Dekorgegenstände dienten nicht nur dem Adel, sondern auch reichen Bürgern zur Repräsentation.

1807/08 begann der im Hunsrück geborene Christian Joseph Deuster eine Manufaktur im ehemaligen Martinskloster am Moselufer einzurichten. Er hatte bereits erste Erfahrungen in Paris gesammelt. Der neue Standort war ideal: Die zum Martinskloster gehörende, an der Mosel gelegene Mühle erlaubte eine einfache Anlieferung und Aufbereitung der Rohstoffe. Die Manufaktur entwickelte sich rasch zu einem Großbetrieb mit rund 80 Angestellten, das durchschnittlich 100 Service pro Woche produzierte. Das Sortiment umfasste unter anderem Kaffee- und Teeservice, Ziertassen, Vasen und Pfeifenköpfe. Besonders beliebt waren Sammeltassen mit berühmten Trierer Bauwerken oder Ansichten der Stadt und ihrer Umgebung.

Bislang besaß das Stadtmuseum lediglich Tassen dieser Manufaktur, die Trierer Baudenkmäler und Antiken zeigen. Eine Zuordnung und Identifizierung der jetzt hinzugekommenen Stücke war dank des hauseigenen Ausstellungskatalogs „Für Bürger und Fremde, die auf Eleganz halten – Trierer Porzellan“ möglich.

Die neuen Tassen sind schlicht zylindrisch geformt und Gold gerahmt. Sie zeigen zum Beispiel Pfalzel, Pallien, Kürenz und Herrenbrünnchen. Das Dekor stammt vom Porzellanmaler Johann Baptist Walrand, wie die schwarze Marke „I.W.“ verrät. Umfang und Zustand der Kollektion sind einzigartig. Porzellan hat eine große kulturhistorische Bedeutung für Trier. Noch bevor grafische Ansichtsmappen die antike Größe und den Reiz der Mosellandschaft über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt machten, vermittelten Anfang des 19. Jahrhunderts vor allem die Produkte der Manufaktur das Lebensgefühl.

Dem Trierer Porzellan ist eine Abteilung in der Dauerausstellung gewidmet, die durch das Tassenset erweitert wird. Es steht derzeit an prominenter Stelle. Das Simeonstift ist täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Print Friendly, PDF & Email

von

Schreiben Sie einen Leserbrief

Angabe Ihres tatsächlichen Namens erforderlich, sonst wird der Beitrag nicht veröffentlicht!

Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien!

Noch Zeichen.

Bitte erst die Rechenaufgabe lösen! * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.