„Silent Disco“ an der Porta, Trier in neuem Licht
Seit Montagnachmittag erstrahlen Triers Straßen in völlig neuem Licht: Die mehr als 5.000 Glühbirnen der Weihnachtsbeleuchtung wurden durch LED-Leuchten ausgetauscht, die mit Ökostrom gespeist werden. Die Energieersparnis ist beträchtlich, der Verbrauch soll um rund zwei Drittel sinken, beziffern die Stadtwerke. Und während in der Vergangenheit kaum mehr als die Hälfte der Glühbirnen die Weihnachtszeit heil überstand, sind die neuen Lichter wesentlich robuster. Unterdessen öffnete der Weihnachtsmarkt, und auf dem Kornmarkt laufen die Vorbereitungen für die zweite Auflage der Eisbahn. Das von OB Klaus Jensen initiierte Programm „Winterliches Trier“ wird in diesem Jahr deutlich erweitert – mit der neuen Open-Air-Reihe „SWT-Wintertreff“ im Brunnenhof. An der Porta Nigra werden „Silent Discos“ und Feuershows geboten.
TRIER. Gestern Nachmittag, punkt 15.30 Uhr: Erstmals in diesem Jahr erstrahlt die komplette Weihnachtsbeleuchtung in der Fußgängerzone, tauchen fast 5.000 LED-Leuchtkörper die Straßen in völlig neues Licht. Für die meisten Passanten dürften die Veränderungen kaum wahrnehmbar sein, doch ist die Zäsur beachtlich. Denn die Zeiten der klassischen Glühbirnen an Girlanden und Hauswänden sind passé, das LED-Zeitalter hat Einzug gehalten. Von einem „Schlüssel zur effizienten und ökologischen Stadtgestaltung“ sprechen die Verantwortlichen – die City-Initiative Trier e.V. , die im Auftrag der Straßengemeinschaften ein neues Konzept entwickelt und die Stadtwerke Trier sowie die Firma Wöffler Verkehrstechnik ins Boot genommen hat.
Im Frühjahr wurde auf Anregung der City-Initiative der „Arbeitskreis Straßengemeinschaften“ ins Leben gerufen. Ziel dieser Initiative sei es gewesen, „gemeinsam neue Wege zu gehen und eine Plattform einzurichten, die ausreichend Platz für kreative Ideen, aber auch konstruktive Kritik bietet und zudem alle Innenstadt-Akteure noch besser untereinander vernetzt“. Bei den Gesprächen unter der Leitung von CIT-Vorstandsmitglied Gerd Guillaume habe sich gezeigt, dass die Weihnachtsbeleuchtung ein Bereich ist, bei dem den Beteiligten eine einheitliche und zentrale Steuerung besonders wichtig war. Die City-Initiative bot daraufhin an, als Gesamtvertragspartner in Kooperation und im Auftrag der Straßengemeinschaften der Simeonstraße, Fleischstraße/Jakobsspitälchen, Konstantinstraße, Dietrichstraße, Brotstraße, Grabenstraße, Johann-Phillip-Straße, Fahrstraße, Palaststraße, Nagelstraße, Kornmarkt und Glockenstraße aufzutreten.
Damit waren auch die Weichen für eine umfassende Umrüstung der Weihnachtsbeleuchtung gestellt. Dank der neuen LED-Leuchtkörper könne der Stromverbrauch um über zwei Drittel von rund 30.000 auf etwa 9.000 Kilowattstunden gemindert werden, prognostizieren die Stadtwerke. Doch der Verbrauch bleibt immens: Um Triers Haupteinkaufsstraßen vorweihnachtlich auszuleuchten, wird pro Saison in etwa so viel Strom benötigt, wie drei Haushalte für ihre sämtlichen Gerätschaften in einem Jahr verbrauchen. Wer nun hofft, durch einen Austausch seiner Glühbirnen ebenfalls mehr als zwei Drittel seiner Stromrechnung einsparen zu können, muss bedenken: In der Regel entfällt weniger als ein Zehntel des Verbrauchs in Privathaushalten auf die Beleuchtung.
Strom aus Wasserkraft für Weihnachtsbeleuchtung
Die SWT finanzieren die Umstellung im Rahmen einer Contracting Lösung: „Wir investieren in das Leuchtmittel und liefern über einen Zeitraum von fünf Jahren Licht an die Straßengemeinschaften“, erläutert SWT-Bereichsleiter Vertrieb/Marketing Matthias Sommer das Modell. Durch den geringeren Stromverbrauch der LED-Technologie fielen im Vergleich zu den Vorjahren keine höheren Kosten an, so Sommer. Nach fünf Jahren geht die Beleuchtung in den Besitz der City-Initiative und der Straßengemeinschaften über. „Darüber hinaus stellen wir sicher, dass die Beleuchtung mit regenerativem Strom aus 100 Prozent Wasserkraft beliefert wird“, ergänzt SWT-Marketingleiter Johann Meyer.
Die Umrüstung war mit einem beachtlichen zeitlichen Aufwand verbunden. So benötigten die Mitarbeiter der Firma Wöffler alleine für die Umstellung der Weihnachtsbeleuchtung in der Fleischstraße über 200 Arbeitsstunden, um weit über 1.000 Fassungen auszutauschen. Man habe auf die Vergütung dieser Arbeitsleistung ebenso verzichtet wie auf die Bezahlung der Fassungen, berichtete Unternehmenschef Michael Wöffler am Montag gegenüber 16vor. Er spricht von rund 8.000 Euro, die man quasi als Sponsor zu dem neuen Konzept beigetragen habe. „Das gehört sich einfach so, wir wollen nicht nur nehmen, sondern auch geben“, so Wöffler auf die Frage nach seiner Motivation für das Sponsoring. Für ihn sei es auch selbstverständlich, dass die Weihnachtsbeleuchtung in seinem Unternehmen zwischengelagert wird.
Insgesamt wurden mehr als 5.000 Leuchtkörper ausgetauscht. Dass die LED-Beleuchtung einen unpersönlicheren Charakter ausstrahlen könnte, glaubt Wöffler nicht: „Wir haben intensiv nach den passenden LEDs gesucht und getestet. Die neuen Leuchtkörper wirken nicht nur hochwertig und edel, sondern sind dem warmen Licht der Glühbirne sehr ähnlich. Die gewohnte abendliche Weihnachtsatmosphäre ist damit garantiert.“ Und was passiert mit den bisherigen Glühbirnen? In der Vergangenheit musste laut Wöffler jeweils rund die Hälfte der Glühbirnen nach einer Saison ausgetauscht werden, weil sie – häufig beim Anstoßen – kaputt gegangen waren. Die neuen LED-Leuchten sind viel robuster, sind sie doch aus Polycarbonat gefertigt.
Eisbahn auf dem Kornmarkt, Open Air im Brunnenhof
Auf dem Hauptmarkt dominieren noch Glühbirnen, hier hat das LED-Zeitalter noch nicht Einzug gehalten. Doch mit der Eröffnung der 95 Buden des Weihnachtsmarkts wurde gestern die Vorweihnachtszeit eingeleutet. Am Donnerstag öffnet auf dem Kornmarkt zum zweiten Mal das „Winterland Trier“, dessen Eisbahn auch in diesem Jahr wieder die Zugnummer des Programms „Winterliches Trier“ sein dürfte. Doch das Angebot, das neben dem Weihnachtmarkt auf Hauptmarkt und Domfreihof weitere Attraktionen bieten soll, wurde in diesem Jahr deutlich erweitert. So wird nun endlich auch das Umfeld der Porta Nigra mit einbezogen. Dort startet am Mittwoch kommender Woche die neue Veranstaltungsreihe „SWT-Wintertreff im Brunnenhof“. Im Mittelpunkt stehen bei freiem Eintritt Kulturveranstaltungen aller Art. Der Brunnenhof werde „als Kulisse in ein ganz besonderes Licht gehüllt“, versprechen die Veranstalter, das städtische Kulturbüro, die Stadtwerke sowie das Bistro Brunnenhof und Master acoustic.
Jensen sieht in dem neuen Angebot einen weiteren entscheidenden Schritt, die Innenstadt zur Vorweihnachtszeit zu beleben: „Natürlich ist es ein Experiment, in dieser kalten Jahreszeit eine Open Air-Veranstaltung anzubieten. Ich bin aber sicher, dass der Charme des Brunnenhofs, aber auch das attraktive Programm des Kulturbüros viele Leute anziehen. Zudem wird die neue Lichtinstallation auf dem Porta Nigra-Vorplatz die Gäste in der Stadt neugierig machen.“ Die Reihe startet am 30. November von 20 bis 22 Uhr mit der ersten „Silent Disco“ in Trier. Die Teilnehmer können zu Füßen der Porta Nigra zu Discoklängen tanzen, die allerdings nur über Kopfhörer übertragen werden. Das Tanzevent findet außerdem am 7. und 14. Dezember statt. An den Freitagen 2.,9. und 16. Dezember, jeweils um 18 Uhr, wird eine Feuershow der Gruppe „Lordship of Fire“ geboten. Musikfreunde sollten das offene Adventssingen mit Trierer Chören an den Samstagen 3., 10. und 17. Dezember, 15 Uhr, nicht verpassen.
Eltern, die die letzten Weihnachtsgeschenke für die Kinder besorgen wollen, können ihre Sprösslinge am Samstag, 3. und 10. Dezember, zwischen 11 und 12.30 Uhr zu einem Adventsbastelworkshop im Stadtmuseum Simeonstift anmelden. Nach einer kleinen Führung durch das Haus zu weihnachtlichen Schwerpunkten gehen die Kinder in die museumspädagogische Werkstatt. Die Kosten pro Teilnehmer betragen fünf Euro. Eine Anmeldung für den Workshop ist erforderlich (Dorothée Henschel, Telefon: 0651/718-1452, E-Mail: dorothee.henschel@trier.de.).
Suppenbar und Lichterkubus
Um die weihnachtliche Stimmung weiter zu steigern, finden beim neuen Wintertreff am 2., 17. und 18. Dezember ab 16 Uhr Lesungen unter dem Motto „Der heilige Strohsack“ statt. Schauspieler Thom Nowothny liest bei wärmendem Feuer und heißen Getränken Weihnachtsgeschichten von Patricia Koelle vor, begleitet von Jan Paltzer am Piano. Wer es lieber ein bisschen eisiger mag, kann sich auf das „Ice Carving“ freuen. An den Dienstagen 6., 13. und 20. Dezember verwandelt ein Bildhauer im Brunnenhof zwischen 16 und 20 Uhr Eisblöcke in Winterobjekte. Das Bistro Brunnenhof sorgt bei allen Wintertreff-Veranstaltungen für die gastronomische Versorgung der Besucher. Zum winterlichen Angebot gehören Feuerzangenbowle, Grog, Zimt-Apfel-Punsch und eine Suppenbar.
Damit möglichst viele Besucher den Weg zum Brunnenhof finden, wird ebenfalls mit Unterstützung der Stadtwerke der Porta Nigra-Vorplatz mit beleuchteten Kegeln und Kugeln dekoriert. Außerdem will die Sparkasse für eine attraktive Illumination des stattlichen, rund 13 Meter hohen Tannenbaums sorgen. Bereits im vergangenen Jahr wurden die Thermen am Viehmarkt in ein ganz besonderes Licht gehüllt. Die Trierer Firma Pro Musik sorgt als Sponsor 2011 erneut für einen glanzvollen Lichterkubus.
von Marcus Stölb
