Schneider blickt auf 2017
TRIER. Der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Nikolaus Schneider, hofft, dass vom Reformationsjahr 2017 ein „starker ökumenischer Akzent“ ausgeht. Das erklärte er am Mittwoch in Trier.
Auf Einladung des Ökumenischen Instituts für interreligiösen Dialog an der Universität Trier diskutierte Schneider mit Bischof Stephan Ackermann über den „Stand der Ökumene nach dem Papstbesuch“. Nach Ansicht des Trierer Bischofs waren die Enttäuschungen infolge des Besuchs von Benedikt XVI. im vergangenen September quasi „vorprogrammiert“. Ackermann: „Alle Beteiligten sind Opfer ihrer Erwartungen geworden“. Der Bischof räumte zugleich ein, dass der Papst selbst daran beteiligt gewesen sei, im Vorfeld seines Besuchs große Hoffnungen zu wecken; etwa durch seinen Brief an den EKD-Ratsvorsitzenden und seine Entscheidung, das Erfurter Augustinerkloster zu besuchen, in das 1505 Martin Luther eingetreten war. Er habe sich vom Papst ein deutlicheres Zeichen im Hinblick auf die Schwierigkeiten konfessionsverschiedener Ehen gewünscht, erklärte der Bischof weiter.
Schneider stellte derweil klar, dass für ihn beim Papstbesuch „das Schöne überwogen“ habe. Manche Äußerung des Papstes hätten ihn „beschwert“, etwa die, dass der Ponitfex keine „Gastgeschenke“ mitgebracht habe und auch keine Verhandlungen führe werde, doch unterm Strich habe es auch viel Gutes gegeben. Es gelte nun, den Blick nach vorne zu richten. Etwa auf 2017, wenn sich zum 500. Mal der Tag jährt, an dem Martin Luther in Wittenberg seine 95 Thesen anschlug und die Reformation ihren Lauf nahm. Dass es im Reformationsjahr ein gemeinsames Abendmahl geben könnte, hält der EKD-Ratsvorsitzende für wenig wahrscheinlich. „Ich würde es mir wünschen“, sagte er am Mittwoch, „aber ich bin da sehr zurückhaltend in meiner Erwartung“. Ackermann dämpfte die zurückhaltenden Erwartungen: Der Wunsch nach einer gemeinsamen Abendmahlfeier sei „sehr hoch gesprungen“.
Einig waren sich Bischof und EKD-Chef darin, dass beide Kirchen eine 2000-jährige Geschichte verbinde. Die Reformation habe auch die römisch-katholische Kirche geprägt, so Schneider, insofern sei 2017 auch für die Katholiken ein bedeutsames Jahr. Er hoffe, dass er die Katholiken noch davon überzeugen könne, dass man diesen Jahrestag feiern könne.
Bereits im nächsten Jahr feiert das Bistum Trier einen 500. Jahrestag. 1512 wurde die im Dom der Moselstadt aufbewahrte „Tunika Christi“ erstmals öffentlich gezeigt. Aus diesem Anlass lud der ehemalige Trierer Bischof und heutige Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, für 2012 zu einer Heilig-Rock-Wallfahrt nach Trier ein. Sein Nachfolger Ackermann hofft nun, dass ein bereits im Januar und Februar stattfindendes Internationales Ökumenisches Forum neue Impulse für den Dialog zwischen den Kirchen geben wird. Schneider hat bereits sein Kommen zugesagt, ebenso der römische Kurienkardinal Kurt Koch, Präsident des „Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen“.
Am Mittwochabend zelebrierten Schneider und Ackermann einen Ökumenischen Gottesdienst im Dom.
von Marcus Stölb
