Rund um den Trierer Reichstag

TRIER. Im Vorfeld der Mitte April beginnenden ersten Heilig-Rock-Wallfahrt in diesem Jahrhundert befasst sich eine Vortragsreihe in der Volkshochschule mit der Geschichte rund um den Trierer Reichstag von 1512.

Die Veranstaltungen finden jeweils in der VHS am Domfreihof statt und beginnen allesamt um 19 Uhr. Der Eintritt ist kostenfrei.

23. Februar – Referent: Dr. Schauerte

Der Schuss auf den Turm. Kaiser Maximilian und die Erhebung des Trierer Rockes als „symbolische Argumentation“.

Mitten während des Reichstagsbetriebes ordnet der Kaiser an, eines der antiken Bauwerke der Stadt Trier beschießen zu lassen. Was zunächst wie ein Akt fürstlicher Willkür erscheint, zeigt sich bei Heranziehung verschiedener Text- und Bildquellen als äußerst durchdachte und bildmächtige argumentative Strategie. Sie demonstriert zugleich die besondere Art des Antikenverständnisses Maximilians, das seine aktuellen Unternehmungen immer wieder beeinflusst. So deutet auch vieles darauf hin, dass die Erhebung des Trierer Rockes ein geplanter Akt politisch-dynastischer Willensbekundung war und mit der so merkwürdig erscheinenden Beschießung in einem tieferen Zusammenhang steht.

1. März – Referent: PD Dr. Johannes Dillinger

Trier, Kaiserlautern, Speyer: Streit um den Status als Reichsstadt.

Während des Reichstags von 1512 kam es zu Konflikten über den rechtlichen Status der Stadt Trier: War Trier eine Reichsstadt, also ein autonomer Stadtstaat im Verbund des Reiches, oder war Trier eine Landstadt, also nur eine Gemeinde innerhalb des Herrschaftsgebiets des Kurfürsten von Trier? Der Vortrag untersucht die Streitigkeiten um die Rechte der Stadt Trier vom 12. Jahrhundert bis zum großen Gerichtsverfahren um die Herrschaft über die Stadt Ende des 16. Jahrhunderts. Dabei wird besonders auf den Zusammenhang zwischen diesem Konflikt und der Reformation in Trier eingegangen. Mit Trier verglichen werden Kaiserslautern und Speyer, deren rechtlicher Status ebenfalls zeitweilig unklar war.

8. März – Referentin: Helga Schnabel-Schüle

Das Heilige Römische Reich, Deutscher Nation zu Beginn des 16. Jahrhunderts

„Heiliges Römisches Reich“ lautete die offizielle Bezeichnung für den Herrschaftsbereich der römisch-deutschen Kaiser vom Mittelalter bis zum Jahre 1806. In seiner größten Ausdehnung umfasste das Reich fast das gesamte Gebiet des heutigen Mittel- und Teile Südosteuropas. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erhielt das Reich ein wesentlich präziseres Regelsystem und ein institutionelles Gerüst. Das nunmehr festgelegte Zusammenspiel zwischen Kaiser und Reichsständen sollte prägend für die Zukunft werden, der Reichstag, der sich ebenfalls zu jener Zeit herausbildete, war bis zum Ende des Reichs das zentrale politische Forum des Reiches. Zugleich bildete das Reich Institutionen aus, die eine rechtlich geregelte Beilegung von Konflikten ermöglichte. Im 16. Jahrhundert veränderten Reformation und Konfessionalisierung schließlich das Verhältnis von geistlicher und weltlicher Macht. Der Vortrag gibt Einblicke in die komplexe Staatlichkeit, die heute nicht mehr als unmodern, sondern vielmehr als zukunftsweisend bewertet wird.

15. März – Referent: Dr. Seyboth

Der Trierer Reichstag als europäisches Ereignis

Der Trierer Reichstag 1512 war einer der bedeutendsten in der langen Reihe spätmittelalterlich-frühneuzeitlicher Reichsversammlungen. Auf Einladung Kaiser Maximilians I. kamen zahlreiche deutsche Fürsten und Städtevertreter, aber auch Gesandte des Papstes, der Könige von Frankreich, England und Spanien sowie anderer europäischer Mächte in der traditionsreichen Stadt an der Mosel zusammen, um über wichtige innen- und außenpolitische Themen zu beraten. Durch diese illustre Teilnehmerschar erlangte der Trierer Reichstag ein ausgesprochen internationales Gepräge. Im Zentrum der Verhandlungen stand die ausgreifende Kriegs- und Bündnispolitik Kaiser Maximilians, insbesondere sein langjähriger Konflikt mit Venedig, sowie die Forderung der deutschen Stände nach einer neuen Ordnung für das Reich angesichts zahlreicher innerer Missstände und Probleme. Anhand neuer Quellen beleuchtet der Vortrag aber auch den religiös-zeremoniellen Höhepunkt des Reichstags, die durch Maximilian initiierte Auffindung und öffentliche Präsentation des Heiligen Rockes Jesu Christi. Er geht zudem der Frage nach, wie die Stadt Trier ein derartiges Großereignis organisatorisch bewältigte.

22. März – Referent: Professor Dorn

Die Reichsnotarordnung von 1512

Vor 500 Jahren wurde anlässlich des Reichstags von 1512 nicht nur der Heilige Rock erstmals ausgestellt, sondern – wenn auch erst nach dem Umzug des Reichstags nach Köln – die Reichsnotarordnung durch Kaiser Maximilian erlassen. Sie blieb bis zum Ende des Alten Reichs 1806 in Kraft. Der Vortrag zeigt auf, welche Bedeutung der Notarordnung in der Geschichte des Notariats, aber auch und nicht zuletzt im Ringen zwischen Kaiser und Reichsständen um das Machtgefüge im Alten Reich zukommt.

29. März – Referent: Stefan Heinz

Richard von Greiffenklau Kurfürst, Landesherr und Erzbischof der ersten Heilig-Rock-Weisung 1512

Im April 2012 jährt sich die Bischofsweihe des Trierer Erzbischofs Richard von Greiffenklau zum 500. Mal. Aus diesem Anlass bietet es sich an, den ?bedeutendsten Erzbischof seit Balduin von Luxemburg“ wie ihn sein Biograph nennt, in einem Vortrag zu würdigen. Der aus dem Rheingau stammende Adelige erlebte bei seinem Regierungsantritt, der mitten in die Zeit des Trierer Reichstages und die Entdeckung des Heiligen Rockes fiel, eine regelrechte Feuertaufe. Dennoch gelang es dem versierten Politiker von Beginn an auf landes- und reichspolitischer Ebene entscheidend einzugreifen: So verhandelte er in Worms mit Martin Luther, der sich sehr beeindruckt vom Erzbischof zeigte und verteidigte als letzter Trierer Kurfürst in Waffenrock und Schwert sein Erzbistum gegen den Ritter Franz von Sickingen. Auch sein Einsatz für die Kunst, die uns eines der bedeutendsten Denkmäler im Dom hinterlassen hat, und für den Humanismus bezeugen die große Rolle, die dieser Renaissance-Fürst in Trier und darüber hinaus gespielt hat.

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