Rainbowflash in Trier

TRIER. Mit einem Händchen-Flashmob und anschließendem Rainbowflash haben am Donnerstagnachmittag in Trier rund 150 Menschen an die anhaltende Diskriminierung homo- und transsexueller Menschen erinnert.

Anlass war der „International Day Against Homophobia and Transphobia“, kurz IDAHO, der jedes Jahr am 17. Mai stattfindet. Vor 22 Jahren, am 17. Mai 1990, strich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität von der Liste der Krankheiten. Für Mateusz Buraczyk, Hauptreferent des autonomen Schwulenreferats im AStA der Universität, erinnert das Datum aber auch an den berüchtigten Paragraphen 175, der erst 1994 ersatzlos aus dem deutschen Strafgesetzbuch gestrichen wurde. Buraczyk sieht weiterhin erheblichen Handlungsbedarf: „Es gibt noch immer Diskriminierung“, gerade auf Schulhöfen seien schwule und lesbische Jugendliche bis heute Anfeindungen ausgesetzt. Zwar herrsche in großen Teilen der Gesellschaft inzwischen Konsens, dass Homophobie abzulehnen sei, doch seien Aktionstage wie der IDAHO auch hierzulande weiterhin notwendig.

Waren im vergangenen Jahr beim ersten IDAHO noch rund 200 Teilnehmer gezählt worden, war die Resonanz dieses Mal etwas geringer. Doch auch von außerhalb kamen homosexuelle Menschen nach Trier, um am Händchen-Flashmob teilzunehmen. Sebastian Nisi etwa, der aus Mannheim angereist war. „Ich bin nun in einem Alter, in dem man weiß, wo man hingeht oder besser nicht“, berichtete der 27-Jährige gegenüber 16vor. Sorgen mache er sich aber vor allem um Jugendliche, die zu wenig Unterstützung erführen. „In der Schule passiert zu wenig“, kritisierte Nisi, viele Verbindungslehrer seien für die Probleme homosexueller Schüler nicht sensibilisiert.

Von der Porta Nigra setzte sich am Donnerstagnachmittag eine Versammlung aus rund 50 Händchen haltenden und gleichgeschlechtlichen Paaren in Bewegung. Nicht alle waren schwul oder lesbisch, auch Heterosexuelle mischten sich demonstrativ unter die Gruppe, um so ihre Verbundenheit mit den Zielen des IDAHO zu zeigen. Auf dem Kornmarkt fand eine kurze Abschlusskundgebung statt. Alex Rollinger vom Schwul-lesbischen Zentrum Trier (SCHMIT-Z) verlas einen Brief von OB Klaus Jensen, der Schirmherr des IDAHO in Trier war, aber nicht zur Veranstaltung kommen konnte. Für viele queere Jugendliche sei ein Coming-out noch immer ein „existenzielles Problem“, so Jensen. Auch in Trier müsse gegen jede Form von Diskriminierung und Ausgrenzung vorgangen werden, verlangte er. Zugleich stellte der OB aber klar: „Wir können Akzeptanz nicht verordnen, sie muss täglich gelebt werden“.

Sören Landmann vom Trierer „Aktionsbündnis gegen Homophobie“ rief zum Abschluss der Kundgebung zu einer Schweigeminute auf. Gemeinsam gedachten die Teilnehmer unter anderem all jenen Menschen, die in ihren Heimatländern wegen ihrer sexuellen Identität in Haft sitzen oder denen sogar die Todesstrafe droht. Aber auch in Deutschland würden immer wieder homo-, bi- und transsexuelle Menschen physisch und psychisch angegriffen oder von ihren Freunden oder der eigenen Familie verstoßen, so Landmann. Nach der Schweigeminute ließen die Teilnehmer des zweiten IDAHO Luftballons in den Himmel steigen.

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