Prostitution: „Lage nicht verbessert“
TRIER. Weil die Stadt kaum Handlungsmöglichkeiten gegenüber dem kürzlich geöffneten „Flatrate“-Bordell sieht, will sie den Fokus nun auf die sozialen Aspekte der Prostitution legen.
Man wolle versuchen, „über Fragen des Arbeitsrechts und des Gesundheitsschutzes Zugang zu den Sexarbeiterinnen zu finden“, teilte die städtische Frauenbeauftragte Angelika Winter am Montag mit. Winter schaltete sich damit in die seit Wochen andauernde Diskussion ein, die sich vor allem um die zunehmende Straßenprostitution und die Eröffnung des umstrittenen Billig-Puffs in Trier-Nord dreht (wir berichteten)
Zehn Jahre nach Einführung des von der damaligen rot-grünen Bundesregierung auf den Weg gebrachten Prostitutionsgesetzes habe sich die Lage der Prostituierten nicht verbessert, so Winter. Auch seien die Zielsetzungen des Gesetzgebers verfehlt worden. „In Sachen Menge und Vielfältigkeit des Angebots an sexuellen Dienstleistungen stehe Trier im Vergleich zu anderen Städten von Rheinland-Pfalz mit an oberster Stelle. Hierzu zählt auch das seit kurzem bestehende Flatrate-Bordell, das neben menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen auch zu einem verschärften Konkurrenzkampf unter den Betrieben führt und im Lohndumping endet“, heißt es in einer Mitteilung.
Die Frauenbeauftragte plädiert dafür, den Blick stärker auf den soziale Aspekt der Prostituierten zu richten. Sie sieht nach Prüfung der ordnungs- und baurechtlichen Handlungsmöglichkeiten und deren ernüchternden Ergebnissen darin den einzigen Weg, Zugang zu den Prostituierten zu finden. Sozialarbeit, die durch Beratungsstellen wie beispielsweise in Koblenz oder auch Saarbrücken geleistet werde, könne die Frauen in Fragen des Gesundheitsschutzes, des Arbeitsrechtes und – wenn erwünscht – des Ausstiegs beraten. Aber auch sogenannte „Freierprojekte“, die es bundesweit gebe, könnten eine Chance sein, Auskunft über die tatsächlichen Arbeitsbedingungen der Sexarbeiterinnen zu erhalten. Diese „Anlässe“ böten weitere Zugänge in die Bordellbetriebe.
Winter steht im Erfahrungsaustausch mit Projektverantwortlichen der Beratungsstellen anderer Städte und versucht, die Perspektive der sozialen Situation der Prostituierten als ein Bestandteil in das zukünftige gesamtstädtische Konzept zu integrieren. Dass der Gesetzgeber aufgefordert bleibe, Nachbesserungen zügig anzustellen, werde schon aus folgendem Beispiel klar: So werde auf Webseiten öffentlich für „Sex ohne“ geworben. Im Bereich des Gesundheits- oder Jugendschutzes werde hingegen seit Jahren mit hohem Engagement für „safer sex“ plädiert. „Es ist grotesk, dass im Gewerbe der sexuellen Dienstleistungen dies untergraben werden darf und sogar ungeschützter Verkehr angepriesen wird“, kritisiert Triers Frauenbeauftragte.
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von 16vor
