„Nicht nachvollziehbar“

TRIER. Der Vorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion, Gregor Gysi, hat am Montag Trier besucht. Am Rande einer Abendveranstaltung kam es zu einem lautstarken Aufeinandertreffen von Anhängern der rechtsextremistischen NPD und Gegendemonstranten.

Gysi hatte sich zunächst in Luxemburg mit Premier Jean-Claude Juncker zu einem Gespräch getroffen. Im Mittelpunkt der Unterredung habe die Schuldenkrise in Griechenland sowie die Situation im Euro-Raum gestanden, berichtete der Linken-Wortführer im Bundestag. Dabei habe es durchaus Übereinstimmungen zwischen ihm und Juncker gegeben, resümierte Gysi, der Juncker scherzend attestierte: „Er will den Euro selbstverständlich auch retten“. In einigen Punkten seien sie erwartungsgemäß aber nicht einer Meinung gewesen: So fordere er im Gegensatz zu Juncker einen öffentlich-rechtlichen Bankensektor. In diesem Zusammenhang lobte Gysi auch die Arbeit der Sparkassen. Eher vergiftetes Lob hatte der 63-Jährige für Helmut Kohl übrig: Der habe in seinen ersten Jahren als Kanzler keine Linie gehabt, später dann aber zwei große Themen unbeirrt verfolgt, behauptete Gysi, der auf die Deutsche Einheit und die Europäische Einigung verwies. Bei Kanzlerin Merkel erkenne er bislang nur „Rumgewurschtel“, von einer Linie oder einem Konzept sei für ihn nichts erkennbar.

Nach seinem Treffen mit Juncker hatte Gysi unter anderem das Volvo-Werk in Konz besucht. In Gesprächen mit Betriebsrat und Geschäftsführung sei es hierbei auch um das Thema Leiharbeit gegangen. Anschließend informierte sich der Bundespolitiker in einer Werkstatt der Lebenshilfe Trier, in der Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen arbeiten. Er sei „tief beeindruckt, mit welcher Hingabe, Präzision und mit welchem Fleiß“ dort gearbeitet werde. Diese Arbeit werde viel zu gering geschätzt, hier müsse sich etwas im Denken, aber auch in der Finanzierung dieser Beschäftigungsverhältnisse ändern, um den Mitarbeitern der Werkstätten einen noch stärkeren Ansporn zu geben. Gysi traf sich außerdem mit Vertretern der Bürgerinitiative „Pro Mosel“, die sich gegen den bereits laufenden Bau des Hochmoselübergangs engagiert. Für ihn sei die Notwendigkeit dieses Projekts „nicht gegeben“, die Begründung für das Bauvorhaben sei „nicht nachvollziehbar“.

Am Rande einer Abendveranstaltung im Warsberger Hofs protestierte ein Dutzend Anhänger der rechtsextremistischen NPD gegen den Gysi-Besuch. Mit Fackeln und einer Mahnwache erinnerten die Sympathisanten des kürzlich aus dem Trierer Stadtrat geworfenen NPD-Funktionärs Safet Babic nach eigener Darstellung gegen das SED-Unrecht in der ehemaligen DDR. Mitglieder des Trierer Bündnisses gegen Rechts und Gegendemonstranten protestierten lautstark gegen die erneute Versammlung der Rechten. Mit Hunden und Polizeiwagen trennte die Polizei die beiden Gruppen, in der Dietrichstraße war kein Durchkommen mehr. Die Linken-Bundestagsabgeordnete Katrin Werner äußerte sich verärgert darüber, dass die Stadt unmittelbar neben dem Veranstaltungsort den Aufmarsch der Rechten zugelassen und so den Zugang zum Warsberger Hof für interessierte Besucher unnötig erschwert habe.Werner sprach von einer „Provokation“.

Ein Mitarbeiter des Ordnungsamts erklärte gegenüber 16vor, dass im Rathaus nicht bekannt gewesen sei, dass der Linken-Fraktionschef im Warsberger Hof auftreten sollte. Die NPD habe den Anlass ihrer Mahnwache in ihrem Antrag auf Versammlung, der am vergangenen Donnerstag im Rathaus einging, nicht genannt, berichtete der Verwaltungsmann.

Print Friendly, PDF & Email

von

Schreiben Sie einen Leserbrief

Angabe Ihres tatsächlichen Namens erforderlich, sonst wird der Beitrag nicht veröffentlicht!

Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien!

Noch Zeichen.

Bitte erst die Rechenaufgabe lösen! * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.