Kollektiver Kirchenaustritt

TRIER. In einer gemeinschaftlichen Aktion sind am Gründonnerstag in Trier mehrere Menschen aus der Kirche ausgetreten. Vor dem Standesamt am Domfreihof feierten sie anschließend ihre Entscheidung.

Erstmals fand auch in der ältesten Bischofsstadt Deutschlands ein Kirchenaustrittstag statt. Außer in Trier wurden vergleichbare Aktionen unter anderem auch in Mainz, München und Osnabrück durchgeführt. Unter dem Motto „Austritt zum Hasenfest – kollektiver Kirchenaustritt Ostern 2012“ hatten sich in Trier zehn Austrittswillige angekündigt, berichtete Florian Chefai von den Evolutionären Humanisten Trier, der Hochschulgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung (GBS).

Für GBS-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon kam die Aktion einem kleinen Familienfest gleich. Denn neben seiner Schwester trat am Donnerstag auch sein Vater aus der Kirche aus. Vielen Trierern ist Horst P. Schmidt noch als „Singender Kellermeister“ von Weinfesten in Erinnerung. „Entchristlicht bin ich schon seit 20 Jahren, jetzt bin ich auch entkirchlicht“, erklärte er im Anschluss an seinen Besuch im Standesamt gegenüber 16vor. Als Grund für seinen nun vollzogenen Austritt gab Schmidt an, dass ihn die „ganzen Machtstrukturen“ der Kirche schon immer gestört hätten. Dass die Kirchen zudem staatliche Subventionen erhielten und dennoch entscheiden dürften, dass in Einrichtungen wie Kindertagesstätten nur ihnen genehme Menschen arbeiteten, sei für ihn ein Unding. Auch der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche habe ihn dazu bewegt, nun aus der Kirche auszutreten.

Um Interessierten die Entscheidung so leicht wie möglich zu machen, hatten die Veranstalter im Vorfeld gleich mehrere Kirchenaustritte verlost. Laut Florian Chefai erklärten sich drei „Kirchenaustrittspaten“ bereit, die Verwaltungsgebühr von jeweils 20,45 Euro zu übernehmen. Davon profitierte auch Andreas Görgen. Er habe eigentlich schon vor längerer Zeit aus der Kirche austreten wollen, doch habe diese Aktion ihm nun eine gute Gelegenheit geboten. Einen Bezug zu Kirche und Religion hatte Görgen nach eigener Aussage nicht. Ein Grund, nun auszutreten, sei für ihn auch gewesen, dass er bald eine Arbeitsstelle antreten werde und dann keine Kirchensteuern zahlen wolle.  „Ich sehe nicht ein, für etwas zu zahlen, woran ich nicht glaube“, begründete auch Sven Rudolph seine Entscheidung, die Kirche zu verlassen. Wenn man etwas Gutes tun wolle, könne man auch spenden, so Rudolph. Die kollektive Aktion vor dem Standesamt habe ihm die Möglichkeit geboten, „mit Stil und Witz auszutreten“.

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