Knapp 200 Millionen an Rücklagen

TRIER. Das Bistum Trier wird in diesem Jahr voraussichtlich rund 23,6 Millionen Euro aus seinen Rücklagen entnehmen müssen, um den Haushalt 2012 ausgleichen zu können. Das kündigte Generalvikar Georg Holkenbrink am Montag bei der Vorstellung seines Haushaltsplans an.

Als wesentlichen Grund für das erneute Defizit führte er das Auseinanderklaffen von nötigen Investitionen und noch ausstehenden Kostensenkungen an. Es gebe da eine gewisse „Ungleichzeitigkeit“, erklärte Holkenbrink. Während die geplanten Sparbemühungen, über die man im kommenden Monat Klarheit schaffen wollte, erst 2013 zum Tragen kämen, müsse in manchen Bereich schon jetzt investiert werden. Im vergangenen Jahr hatte Bischof Stephan Ackermann weitreichende Kostensenkungen angekündigt.

Der Generalvikar präsentierte am Montag somit ein weiteres Mal einen Haushalt, der einen erneuten Griff in die Rücklagen der Diözese vorsieht. Bereits 2011 musste die Kirche an ihre Reserven gehen, doch statt der anfangs eingeplanten 27 Millionen kam das Bistum am Ende mit 19,5 Millionen Euro Zuschuss aus Rücklagen aus. Auch in diesem Jahr setze man lieber auf eine „konservative statt optimistische“ Haushaltsplanung, betonte der Generalvikar. Diese sieht Ausgaben von mehr als 366 Millionen Euro vor, denen voraussichtlich Erträge von 342,6 Millionen Euro gegenüberstehen. Damit klafft die Schere zwischen Kosten und Erträgen noch weiter auseinander als im Vorjahr. Holkenbrink erklärte auf Nachfrage, dass das Bistum aktuell noch über freie Rücklagen von „knapp unter 200 Millionen Euro“ verfüge. Zugleich kündigte er an, dass der Griff in die Rücklagen aus seiner Sicht auf Dauer nicht fortgesetzt werden dürfe.

Eine zweckgebundene Rücklage bildete das Bistum für die im Frühjahr anstehende erste Heilig-Rock-Wallfahrt in diesem Jahrtausend. Für das Ereignis sind Sachkosten von 3,5 Millionen Euro eingeplant. „Die Wallfahrt ist uns das wert, auch in Zeiten geringer werdender Mittel“, verteidigte Holkenbrink die Ausgaben.

Nicht geringer wird in diesem Jahr voraussichtlich das Kirchensteueraufkommen, im Gegenteil: Das Bistum rechnet derzeit mit 254,2 Millionen Euro. Das wären 1,6 Millionen Euro mehr als 2011, aber noch deutlich weniger als etwa 2008 und 2009, als noch 265 Millionen und mehr Euro über die Kirchensteuer flossen. 2010 kam dann ein Einbruch auf 250 Millionen Euro. Die Einnahmen aus der Kirchensteuer machen fast drei Viertel der gesamten Erträge des Bistums aus. Dennoch erwartet Holkenbrink mittelfristig schwindende Erträge aus der Kirchensteuer.

Mit knapp 1,5 Millionen Katholiken zählt das Bistum Trier nach wie vor zu den größten Diözesen Deutschlands. In den vergangenen 15 Jahren verringerte sich aber die Zahl der Kirchenmitglieder im Bistum um etwa 200.000. Hierfür seien indes nicht ausschließlich Kirchenaustritte, sondern auch die demographische Entwicklung verantwortlich, erklärte Holkenbrink. Der Generalvikar verwies beispielhaft darauf, dass immer weniger Kinder getauft würden.

Direktorin Kirsten Straus, Finanzchefin des Bistums und Leiterin des Zentralbereichs „Ressourcen“ im Generalvikariat, machte deutlich, dass zentrale externe finanzielle Rahmenbedingungen wie die Kirchensteuereinnahmen vom Bistum kaum oder zumindest nicht kurzfristig zu beeinflussen seien. Das gelte auf der Einnahmenseite für die Kirchensteuer und die Vermögenserträge und bei den Aufwendungen für die vorzuhaltenden Pensionsrückstellungen. „Das beeinträchtigt die Planbarkeit der Finanzhaushalte erheblich“, sagte die Finanzchefin. Gerade angesichts der hohen Risiken in Bezug auf die externen Rahmenbedingungen sprach sie sich dafür aus, dass „der ‚vorsichtige Kaufmann‘ unser ständiger Begleiter sein sollte.“

Print Friendly, PDF & Email

von

Schreiben Sie einen Leserbrief

Angabe Ihres tatsächlichen Namens erforderlich, sonst wird der Beitrag nicht veröffentlicht!

Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien!

Noch Zeichen.

Bitte erst die Rechenaufgabe lösen! * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.