Ständige Angst vor Denunziation
TRIER. „Homosexuelle unter dem Hakenkreuz“ lautet der Titel eines Vortrags von Dr. Burkhard Jellonek, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung des Saarlandes, am 16. Mai in Trier.
Die Schirmherrschaft über die Veranstaltung hat Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD) übernommen.
Die Nationalsozialialisten spalteten die Gesellschaft in „Volksgenossen“ und „Gemeinschaftsfremde“. Homosexuelle gehörten zur zweiten Gruppe. Auch wenn es – vergleichbar zu den Juden – die totale Auslöschung von Schwulen und Lesben nicht gab, wurde das Leben der Betroffenen massiv bedroht. Einige Tausend Homosexuelle endeten in den Konzentrationslagern, Zehntausende in Gefängnissen und Zuchthäusern. Viele mussten in die sogenannte freiwillige Kastration einwilligen. Aber selbst die unentdeckten Homosexuellen bezahlten einen hohen Preis, da sie in ständiger Angst vor Entdeckung und Denunziation leben mussten.
Der Referent zeigt, wie die Nazis das Rad der Geschichte buchstäblich zurückdrehten, den Paragraph 175 verschärften, und wie auch die Bundesrepublik Deutschland jahrzehntelang über 50.000 Schwule mit Gefängnis bestrafte. Dr. Burkhard Jellonnek studierte Geschichte und Germanistik an der Universität Münster. Promoviert wurde er mit einer Arbeit über „Homosexuelle unter dem Hakenkreuz. Studien zur Verfolgung von Homosexuellen durch Polizei, Justiz und Medizin im 3. Reich“. Zusammen mit Professor Rüdiger Laumann legte er die Aufsatzsammlung „Verdrängt und ungesühnt. Nationalsozialistischer Terror gegen Homosexuelle“ vor. Seit 1995 leitet Burkhard Jellonnek die saarländische Landeszentrale für politische Bildung des Saarlandes und organisierte die Kongresse „Wider das Vergessen“ (1996) und „Sexuelle Demokratie. Staatsbürgerrechte für Schwule, Lesben, Transidente und Andere“ (2004). Der Referent lebt in Saarbrücken.
Ausgerichtet wird die Veranstaltung vom Aktionsbündnis gegen Homophobie, vom SCHMIT-Z e.V., vom autonomen Schwulenreferat und vom autonomen feministischen Frauen- und Lesbenreferat, unterstützt von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Der Vortrag findet am Mittwoch, 16. Mai, um 20 Uhr im „SCHMIT-Z“ in Trier statt.
von 16vor
