Hofpoet und Heimatdichter
TRIER. „Mein Trier, wie lieb’ ich Dich“ lautet der Titel eines Vortrags von Jutta Albrecht am Dienstag im Stadtmuseum. Im Mittelpunkt steht das Schicksal des jüdischen Kaufmanns und Künstlers Louis Scheuer.
Louis Scheuer war ein aus Luxemburg stammender jüdischer Kaufmann, der einst die größte und renommierteste private Handelsschule in Trier besaß.
Er war aber auch das, was man ein künstlerischen Allround-Talent nennt: Er war Autor, Komponist, Schauspieler, Regisseur. Mit „Feder und Schreibmaschine“ hat er das gesellschaftliche Leben der Stadt durch seine aktive Mitarbeit in Vereinen enorm bereichert. Er war der „Hofpoet“ der ältesten Trierer Karnevalsgesellschaft, der „KG Heuschreck 1848 e.V.“ und ein begnadeter Trierer Heimatdichter.
Über viele Jahrzehnte hat der die Menschen weit über die Grenzen Triers hinaus mit seinen Liedern, seinen Lustspielen, vor allem mit seinen großen (Karnevals-) Revuen begeistert: nicht nur in deutschen Städten, auch in Luxemburg, Straßeburg, Amsterdam, Polen und selbst in New York wurden seine Stücke aufgeführt. Eines seiner bekanntesten Lieder, „Mein Trier, wie lieb’ ich Dich“, entwickelte sich zum regelrechten Ohrwurm seiner Zeit.
1934 wurde der Jude Scheuer aus dem „deutschen Kulturkreis“ ausgeschlossen, 1936 wurde ihm die weitere Tätigkeit an seiner Handelsschule unmöglich gemacht und er floh nach Frankfurt, wo er mit seiner Frau, Betty Scheuer, lebte. Im Dezember 1958 starb er in Frankfurt, ohne jemals wieder nach Trier, der Stadt, die er so sehr liebte, zurück gekehrt zu sein.
Der Vortrag beginnt am Dienstag um 20 Uhr im Stadtmuseum. Der Eintritt kostet 6 Euro, für Schüler, Studenten und Auszubildende 2 Euro.
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