„Harter Standortfaktor“

TRIER. Der Erhalt von Kulturdenkmälern ist nach Ansicht der rheinland-pfälzischen Kulturministerin Doris Ahnen (SPD) auch ein „bedeutender Wirtschafts- und harter Standortfaktor“.  Das erklärte sie am Sonntag in Trier.

Die Ministerin sprach anlässlich der Eröffnung des bundesweiten Tags des offenen Denkmals. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Romantik, Realismus, Revolution“ und war im Schwerpunkt dem 19. Jahrhundert gewidmet. Das Programm in der Moselstadt umfasste rund 30 Programmpunkte, darunter private Denkmäler, aber auch die Museen. So verzeichnete die am Freitag eröffnete Sonderausstellung „Trier im Bild 1800 – 2000“ einen enormen Besucherandrang.

Im 19. Jahrhundert nahm Trier eine Vorreiterrolle in Sachen Denkmalschutz ein. Napoleon I. verfügte, dass die Porta Nigra von kirchlichen Anbauten wieder freigestellt wurde wurde. Das besterhaltene römische Stadttor auf deutschem Boden sollte als Denkmal zur Geltung kommen. Erst unter den Preußen wurde dieses Ziel erreicht. Der preußische König war es auch, der die imposante Konstantin-Basilika wiedererrichten ließ und der Evangelischen Kirche als Gotteshaus überließ.

In der einstigen Palastaula Kaiser Konstantins fand die zentrale Eröffnungsveranstaltung des Tags des offenen Denkmals statt. Damit war erstmals eine Stadt in Rheinland-Pfalz Ausrichter des Festakts. Anders als im vergangenen Jahr, als Bundespräsident Christian Wulff den Denkmaltag in Lüneburg eröffnete, hatte sich in Trier jedoch keinerlei Bundesprominenz eingefunden. Die Resonanz auf die Eröffnungsveranstaltung war denn auch überschaubar. OB Klaus Jensen dankte den Verantwortlichen dafür, dass die Wahl auf Trier als Ort der bundesweiten Eröffnung fiel. Der Stadtchef erinnerte an die Bedeutung der Stadt auf dem Gebiet des Denkmalschutz und verwies beispielhaft auf den ersten städtischen Konservator Friedrich Kutzbach. Diesem sei es unter anderem zu verdanken, dass das Simeonstift erhalten werden konnte.

Landeskonservator Dr. Joachim Glatz hob ebenfalls auf die Bedeutung Triers für die Denkmalpflege ab. Glatz zitierte Friedrich Karl Schinkel, einen der wohl bedeutendsten Architekten Preußens im 19. Jahrhundert, der auch als Begründer der modernen Denkmalpflege gilt. 1820 schrieb Schinkel: „Die Gegend von Trier besitzt einen Schatz von römischen, gallischen und altdeutschen Altertümern, welcher in seinem ganzen Umfange bisher wenig bekannt war“. Das hat sich geändert, und Schinkel hatte einigen Anteil daran, dass der Schatz gehoben wurde.

Hauptrednerin der Eröffnungsveranstaltung, die musikalisch umrahmt wurde vom Schulorchester des Angela-Merici-Gymnasium, war die Mainzer Kulturministerin Doris Ahnen. Die Sozialdemokratin hob nicht zuletzt die ökonomische Bedeutung des Denkmalschutzes hervor. Investitionen in den Erhalt und die Instandsetzung von Kulturdenkmälern hätten nicht nur einen „Wert als solches“, sondern seien auch ein „bedeutender Wirtschafts- und harter Standortfaktor“. Ahnen würdigte auch die Arbeit der mehr als 500 Vereine, die sich in Rheinland-Pfalz der Förderung des Denkmalschutzes verschrieben hätten.

Laut ihrer Vorstandsvorsitzenden Dr. Rosemarie Wilcken hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz seit ihrer Gründung 1985 aus Spendengeldern und mit Mitteln der Lotterie Glücksspirale mehr als 460 Millionen Euro für den Erhalt von rund 3.800 bedrohten Baudenkmälern zur Verfügung gestellt. „Wir brauchen viele Mitstreiter für diese Aufgabe“, so Wilcken. Der Denkmaltag sei aber auch eine Aufforderung an die Politik, sich weiterhin für den Schutz des kulturellen Erbes einzusetzen, verlangte die Stiftungschefin. An die Adresse der Bundesregierung gerichtet erklärte Wilcken: „Die Kürzung der städtebaulichen Förderung durch den Bund wäre das falsche Signal“. Nach Trier flossen vonseiten der Stiftung bislang etwas mehr als 2,1 Millionen Euro. Hiervon wurden allein für die in den 1990ern erfolgte Restaurierung von Schloss Monaise, der früheren Sommerresidenz des Grafen von Walderdorff, knapp 1,97 Millionen Euro bereitgestellt.

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