„Eine neue Qualität gewonnen“
TRIER. OB Klaus Jensen hat das Programm für den am Samstag kommender Woche stattfindenden Bürgerkongress vorgestellt. Die Veranstaltung bildet den Startschuss einer Kampagne für ein weltoffenes und tolerantes Trier.
„Trier kann langfristig nur dann eine weltoffene und tolerante Stadt bleiben, wenn die demokratischen Kräfte zusammenstehen und ein breites Bündnis eingehen“, erklärte der Stadtchef. Bei der Veranstaltung am 18. Juni stellen sich Initiativen vor, die gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung aktiv sind und Konzepte für ein friedliches Miteinander verschiedener Kulturen umsetzen. Außerdem wird diskutiert, wie ein breites Aktionsbündnis in der Praxis aussehen könnte.
Die Tagung ab 14 Uhr im Angela-Merici-Gymnasium (Neustraße) geht auf einen Beschluss des Stadtrats zurück, der im Mai 2010 mit großer Mehrheit entschieden hatte, die Anstrengungen auf diesem Gebiet zu verstärken. Bei der Vorstellung des Programms ging Jensen auf die Hintergründe der Entscheidung ein. Zwar habe das Engagement gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit schon immer eine Rolle gespielt, doch durch den Einzug eines NPD-Vertreters in den Stadtrat habe die Herausforderung „eine neue Qualität“ gewonnen.
Der OB warnte aber davor, die Situation in Trier zu negativ zu sehen. Das gesellschaftliche Leben sei ganz überwiegend durch ein tolerantes und weltoffenes Klima geprägt. „Das bestätigen mir immer wieder die Neubürger ausländischer Herkunft nach der feierlichen Einbürgerungszeremonie“, betonte Jensen. Er eröffnet den Bürgerkongress und nimmt gegen 17.30 Uhr an einer Talkrunde teil.
Zu der von der Lokalen Agenda 21 im Auftrag des Rathauses organisierten Tagung sind ausdrücklich nicht nur „Insider“ eingeladen, die sich ohnehin schon seit langem mit dem Thema befassen, sondern alle interessierte Bürger. Vorträge und Workshops, die sich an der Lebenswirklichkeit von Jugendlichen orientieren, sollen speziell diese Zielgruppe ansprechen. Dabei geht es zum Beispiel um die neuen Medien und ein Zivilcourage-Programm. Diesen Aspekt hob auch die regionale Jugendschutzbeauftragte Christiane Schmitz hervor. In Trier und dem umliegenden Landkreis gebe es schon eine sehr gute Kooperation.
Die Tagung wird durch das Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ gefördert. Nach Aussagen von dessen lokaler Koordinatorin Uta Hemmerich-Bukowski gibt es vielfältige inhaltliche Verknüpfungen, auch mit dem Vorgängerprogramm „Vielfalt tut gut“.
Seit 2007 wurden in Trier und im Landkreis Trier-Saarburg zahlreiche Projekte gefördert. Sie sprechen vor Ort Jugendliche an, die ins rechte Millieu abzugleiten drohen oder die für fremdenfeindliche Entwicklungen sensibilisiert werden sollen. Damit diese positiven Ansätze nicht wieder verpuffen, sollen sie in einer langfristigen Struktur dauerhaft etabliert werden. Dazu kann die durch den Bürgerkongress ohnehin beabsichtigte Vernetzung der Projekte und Bündelung der Kräfte einen wichtigen Beitrag leisten.
Das Interesse der verschiedenen Initiativen, sich bei der Tagung vorzustellen, war nach Aussage von Organisator Zeljko Brkic (Lokale Agenda) so groß, dass man fast an Kapazitätsgrenzen gestoßen sei. Auf der Teilnehmerliste stehen unter anderem Caritas, Diakonie, diverse Jugendeinrichtungen, die AG Frieden, das Multikulturelle Zentrum, das Städtenetz QuattroPole und das Akademische Auslandsamt der Universität.
von 16vor
