„Diffamierende Hetzkampagnen“
TRIER. Der Konflikt zwischen der IG Metall und der Natus GmbH & Co. über die Gründung eines Betriebsrats dauert an. Zwar signalisiert die Gewerkschaft Gesprächsbereitschaft, doch herrscht weiterhin ein grundsätzlicher Dissens.
In einem Schreiben an die Mitarbeiter des Unternehmens, das 16vor vorliegt, warb Frank Natus kürzlich erneut für die von ihm favorisierte Form einer Mitarbeitervertretung. „Auf Basis des Betriebsverfassungsgesetzes“ sollten die Mitarbeiter „selbst einen Katalog aufstellen, der ihre Rechte klar definieren“ solle, schlägt der Firmenchef vor, der von einem „Betriebsrat Natus“ spricht. Er habe aus „vielen Gesprächen in den letzten Wochen erfahren, dass eine solche Mitarbeitervertretung durchaus sinnvoll sein kann und auch von vielen Kolleginnen und Kollegen aus der Belegschaft mitgetragen und begrüßt werden würde“, schreibt Natus und ergänzt: „Daher unterstütze ich dies auch ausdrücklich, jedoch ohne Beteiligung der IG Metall, die von der Belegschaft eine klare Absage erhalten hat und deren Verhalten in den letzten Wochen für unser Familienunternehmen in hohem Maße geschäftsschädigend war und ist“. Der Unternehmer wirft der Gewerkschaft weiterhin „diffamierende Hetzkampagnen“ und „demagogische Plakataktionen in der Loebstraße“ vor.
Die Plakataktion wurde derweil ausgesetzt: „Um unsere Gesprächsbereitschaft zu unterstreichen und das Angebot einer vertrauensvollen Zusammenarbeit an Frank Natus zu erneuern, möchten wir ein klares Zeichen setzen. Die IG Metall hat daher die bisher in der Loebstraße hängenden Plakate vorläufig entfernt“, teilte Roland Wölfl, Erster Bevollmächtiger der IG Metall in Trier mit. Zugleich machte der Gewerkschafter aber unmissverständlich deutlich, dass man an der Gründung eines Betriebsrats auf Basis des Betriebsverfassungsgesetzes bestehe. „Die IG Metall Trier wird die Beschäftigten der Firma Natus in ihrem Wunsch nach der Wahl eines Betriebsrats weiterhin unterstützen. Der Gesetzgeber sieht vor, dass in jedem Unternehmen mit mehr als fünf Beschäftigten ein Betriebsrat zu wählen ist, wenn sich mindestens drei wahlberechtigte Arbeitnehmer dafür aussprechen. Wir bedauern sehr, dass Frank Natus in diesem Zusammenhang das eindeutige Votum von über 200 Beschäftigten für die Wahl eines Betriebsrats in seinem Unternehmen weiterhin ignoriert und sich stattdessen im Betrieb öffentlich gegen gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer und die sie unterstützende IG Metall positioniert“.
Man begrüße zwar, dass Natus „die Notwendigkeit einer Interessenvertretung der Beschäftigten grundsätzlich einzusehen scheint“, doch sei „völlig klar“, dass diese „nur auf Grundlage der geltenden Gesetze und mit den entsprechenden Rechten ausgestattet zum Wohle der Beschäftigten und des Betriebes handeln kann“, so Wölfl.
Weitere Informationen zum Thema: „Auch bei Natus“ und „Verbreitung von Unwahrheiten“
von Marcus Stölb
