Deutsche Bahn macht ernst
FRANKFURT AM MAIN. Was seit Wochen erwartet wurde, ist nun amtlich: Die DB AG streicht zum 11. Dezember nahezu ihr komplettes Fernverkehrsangebot nach Trier zusammen. Das Land Rheinland-Pfalz habe mehrere Angebote abgelehnt, kritisiert das Unternehmen.
Wegen „unzureichender Nachfrage“ passe man das Angebot auf der Moselstrecke an, teilte der Konzern am Freitag mit. Zum nächsten Fahrplanwechsel verkehren statt der bislang sechs ICE- und Intercity-Züge zwischen Luxemburg beziehungsweise Trier und Koblenz künftig nur noch zwei Züge pro Tag und Richtung. Die am stärksten nachgefragten IC-Zugpaare morgens und abends werden beibehalten. Damit fällt auch die durchgehende ICE-Verbindung nach Berlin weg.
Seit mehreren Jahren sei die Nachfrage in den Fernverkehrszügen auf der Moselstrecke gering. Als Grund gibt die DB AG an: „Die ICE/IC-Züge erzielen auf diesem Streckenabschnitt kaum Reisezeit-Vorteile gegenüber den gleich schnellen Regionalexpress-Zügen, die mit den günstigeren Nahverkehrstarifen genutzt werden können. Dementsprechend verbuchte die DB mit ihrem Fernverkehrsangebot auf der Moselstrecke jährliche Defizite in Millionenhöhe.“
Analog zum kürzlich mit den Ländern Niedersachsen und Bremen vereinbarten Integrationskonzept auf der Strecke Bremen–Emden–Norddeich Mole zur Nutzung von Fernverkehrszügen mit Nahverkehrstarifen habe man dem Land Rheinland-Pfalz ein vergleichbares Angebot als Teil des Rheinland-Pfalz-Takts ab 2015 vorgelegt. Dieses habe vorgesehen, die ICE/IC-Züge zwischen Koblenz und Trier in den Fahrplan und Tarif des Nahverkehrsangebots zu integrieren. Die Nahverkehrskunden hätten somit ein stündliches Angebot alternierend aus ICE/IC- und RE-Zügen nutzen können, erläuterte das Unternehmen.
Die seit dem Herbst 2010 darüber geführten Verhandlungen hätten jedoch nicht erfolgreich abgeschlossen werden können, „da das Angebot seitens des Landes Rheinland-Pfalz bedauerlicherweise abgelehnt wurde“. Mit der stattdessen ab 2015 beschlossenen Ausweitung auf ein stündliches, vom Fernverkehr unabhängiges RE-Angebot mit umsteigefreien Verbindungen zwischen Koblenz und Luxemburg, ist der „verkehrliche Nutzen eines parallelen Fernverkehrs“ aus DB-Sicht nicht mehr gegeben. Bereits vor Monaten hatte 16vor darüber berichtet, dass eine Verbesserung des Nahverkehrs womöglich zu einer völligen Einstellung des Fernverkehrs führen könnte. Indirekt lässt die Bahn nun durchblicken, dass ab 2015 ganz schluss sein könnte mit IC-Verbindungen nach Trier.
Man habe dem Land anschließend einen Vorschlag für ein Integrationskonzept für die Jahre 2012 bis 2014 unterbreitet, um bis zur Einführung des Rheinland-Pfalz-Taktes 2015 weiterhin Fernverkehrsverbindungen anbieten zu können, berichtet das Unternehmen weiter. „Hierdurch wären nicht nur die heutigen Verbindungen erhalten geblieben, sondern es wäre der ab 2015 geplante Stundentakt im Nahverkehr auf 2012 vorgezogen worden – mit entsprechenden Vorteilen für die Kunden und das Land. Leider wurde auch dieses Angebot vom Land abgelehnt“. Laut dem Mainzer Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) verlangte der Konzern einen Zuschuss von jährlich rund zwei Millionen Euro. Der Sozialdemokrat lehnte dies jedoch ab und verwies darauf, dass das Land ausschließlich für den Nahverkehr zuständig sei. Luxemburg ließ sich seine Anbindung an das deutsche IC-Netz schon bisher rund 800.000 Euro kosten, wie der luxemburgische Infrastrukturminister Claude Wiseler kürzlich gegenüber 16vor erklärte. Die Entscheidungen der DB haben auch zur Folge, dass sich die Anbindung Luxemburgs an Trier deutlich verschlechtert. Bislang verkehren in den Stunden, in denen ein IC von der Mosel ins Großherzogtum fährt, eine Regionalbahnen. Vonseiten der luxemburgischen CfL hieß es, man werde versuchen, für Ausgleich zu sorgen.
Folgende Fernverkehrszüge verkehren weiterhin zwischen Trier und Koblenz: 7.09 Uhr (Mo-Fr), 9.09 Uhr (täglich) und 10.24 Uhr (Sa u. So) ab Trier (von Luxemburg) nach Emden und Norddeich, und täglich von Norddeich nach Luxembourg um 15.24 Uhr und 17.24 Uhr ab Koblenz.
von Marcus Stölb
