„Abstoßender Gedanke“

TRIER. Die Trierer Jungsozialisten haben sich gegen eine neue Shopping-Passage in der Innenstadt ausgesprochen. Weder sei ein weiterer Konsumtempel neben der „Trier-Galerie“ sinnvoll, noch das bisherige Verfahren akzeptabel.

„Der boomende Internethandel drängt den Einzelhandel immer weiter zurück – wieso scheint also der Neubau weiterer Verkaufsflächen attraktiv? Die Trier Galerie wurde erst vor wenigen Jahren fertiggestellt und befindet sich aus unserer Sicht immer noch in einer Bewährungsphase. Außerdem zeigen Erfahrungswerte aus anderen Kommunen, dass ein neues Einkaufszentrum nicht selten den Leerstand eines älteren Einkaufszentrums bedingt“, so Melanie Breinig, Sprecherin der Trierer Jusos.

Den kommenden Entwicklungsbedarf an verschiedenen Stellen der Innenstadt erkenne man zwar an, doch „nur weil der Pachtvertrag für die Europahalle ausläuft, bedeutet das noch lange nicht, dass dort zwingend ein Einkaufszentrum entstehen muss. In unserer Stadt fehlt es momentan an wichtigerem“, erklärt Beisitzer Paul Richarz, der ebenso das Wettrüsten der Kommunen mit Konsumtempeln kritisiert: „Gerade erst ist das übertriebene Konzept der ‚Bit-Galerie‘ vor der Umsetzung gescheitert! Immer größer, immer mehr – das kapitalistische Dogma der Maßlosigkeit lehnen wir ab“. Stattdessen solle versucht werden, die Lebensqualität in der Innenstadt zu erhöhen. „Am Standort Europahalle könnte man viele tolle Projekte realisieren. Ein Jugendzentrum, eine neue Skatehalle oder eben auch der Neubau des Theaters – an guten Ideen mangelt es nicht!“.

Zudem fürchten die Trierer Jusos um die bestehende Gastronomie-Kultur am Viehmarkt. „Der Viehmarkt mit seiner inhabergeführten Gastronomie ist gerade für junge Menschen ein zentraler Anlaufpunkt in Trier. Wenn dort ein ECE-Zentrum eröffnet, werden die Mieten steigen und die bisherigen Lokale durch zahlungskräftigere Großkonzerne verdrängt“, warnt Juso-Sprecherin Sabrina Schneider und ergänzt: „Den Gedanken, am heutigen Standort des Simplicissimus zukünftig eine beliebige Burger-Filiale begrüßen zu dürfen, finden wir abstoßend“. Auch das Verhalten der Stadtspitze sei Gegenstand „intensiver Diskussionen“ gewesen und habe bei den Trierer Jusos „Verwunderung“ hervorgerufen. Beisitzer Alexander Kellersch kritisiert: „Eine Entscheidung mit solcher Tragweite darf nicht hinter verschlossenen Türen getroffen werden. Wenn es an einem derart exponierten Standort wie der Europahalle Entwicklungsbedarf gibt, so muss sich der Stadtrat als demokratisch legitimiertes Gremium damit befassen und Konzepte zur Folgenutzung diskutieren“. Wenn dort die Entscheidung getroffen werde, dass die Stadt eine weitere Shopping-Passage benötige, müsse die Verwaltung beauftragt werden, mit Projektentwicklern Sondierungsgespräche zu führen. „Das die Initiative von ECE ausgeht, der Stadtrat zunächst übergangen wurde und keine Gespräche mit anderen Projektentwicklern geführt werden sollen, wirkt auf uns höchst befremdlich.“

Auch Martin Kasel, ebenfalls Beisitzer, führt aus: „Die Innenstadt gehört uns allen. Bevor man ECE die Möglichkeit gibt, die gewachsene Struktur zu sprengen, sollte eine ausführliche Bürgerbeteiligung erfolgen! Der Bürgerhaushalt hat gezeigt, dass die Menschen in Trier viele tolle Ideen für ihre Stadt haben. Dieses Potential sollten wir nutzen!“.

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