Neue Gedenksteine für Nazi-Opfer

TRIER. Auf Vermittlung des Kulturvereins Kürenz und der AG Frieden verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig am Sonntag 14 weitere Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus in Trier.

Die erste Verlegung der zehn Zentimeter großen Gedenksteine fand in der Benediktinerstraße im Maarviertel statt. Dreizehn Schüler der Grundschule St. Johann aus Konz gestalteten die Verlegungsfeier für Katharina Millen. Sie berichteten den zahlreichen Zuschauern vom Leben des Opfers, stellten Kerzen und Blumen auf und präsentierten zum Abschluss ein jiddisches Friedenslied. Zum einen erinnert damit seit Sonntag ein Stolperstein für die am 10. März 1943 in Auschwitz unschuldig verstorbene Katharina Millen, zum anderen ist es ein Aufruf, sich täglich im Kleinen für eine menschenwürdige Gesellschaft einzusetzen und „sich zu vertragen“, wie es im Liedtext heißt.

Ein zweiter Stein wurde danach für den französischen Priester Jean Daligaut vor dem Dommuseum verlegt. Die Patenschaft für den Stein über 120 Euro übernahm die Katholische Studierenden Jugend Trier (KSJ). Ihr geistlicher Leiter, Joachim Keil, eröffnete mit einem Saxophonstück die Würdigungs­feier. Danach erläuterte die geistliche Leiterin, Pastoralreferentin Jutta Lehnert, die Bedeutung der Patenschaft für die KSJ, da deren Jugend­gästehaus in Rascheid nahe dem SS-Sonderlager-KZ Hinzert liegt, wo Jean Daligaut interniert war. Die KSJ habe daher den Förderverein Gedenkstätte KZ Hinzert mitbegründet, um daraus für heute zu lernen. Vom Förderverein stellte Georg Mertes den Menschen und Künstler Daligaut vor, der in Dachau ermordet wurde. Viele Interessierte, darunter auch französische Gäste und Mitglieder der Deutsch-Französischen Gesellschaft waren gekommen, um diesem Opfer zu gedenken und die frühere Funktion des Museums als Gefängnis in Erinnerung zu rufen.

Der dritte Verlegeort befand sich am früheren Eingang zur Heilanstalt des Brüderkrankenhauses: Vor der Peter-Friedhofen-Straße 7 wurden 12 Gedenksteine für Euthanasieopfer verlegt. Dort lebten behinderte und psychisch kranke Menschen, die von dort deportiert und später von den Nazis ermordet wurden. Ihr Leben galt als „lebensunwert“. Die Patenschaften für die Stolpersteine wurden unter anderem von der Lebenshilfe und vom Club Aktiv übernommen, die sich heute für ein Leben in Würde von Menschen mit Behinderungen einsetzen. Neben diesen Einrichtungen übernahmen Schüler des Max-Planck-Gymnasiums und die letztjährige Abschlussklasse 10a der Realschule Plus in Trier-Ehrang sowie die Soroptimist International weitere Patenschaften. Die meisten Biografien dieser NS-Opfer hatte der Historiker Dr. Thomas Schnitzler, auch auf­bauend auf Forschungen Adolf Welters, recherchiert.

„Wir danken allen Paten, Unterstützern und Angehörigen. Sie tragen mit diesen dezentralen Gedenk­stätten dazu bei, dass die Menschen nicht vergessen werden, die aufgrund des Rassen­wahns der Nazis er­mordet wurden oder weil sie der Diktatur im Wege standen“, so Markus Pflüger von der AG Frieden, die auch den Rundgang „Stolpersteine erzählen“ für Gruppen und Schulklassen anbietet.

Bei der abschließenden Gedenkaktion vor dem Evangelischen Elisabethkrankenhaus wurde den Opfern gedacht, die in der Nazizeit durch Zwangssterilisationen gequält wurden. Ein Opfer erzählte von den grausamen Folgen. Dr. Schnitzler überreichte Frieder Lütticken vom Evangelischen Krankenhaus eine Liste mit 706 Namen von Zwangssterilisierten. In seiner Ansprache bekannte Lütticken, Vorsitzender des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Trier, die damalige Schuld des Krankenhauses. Er bedankte sich für die Liste und betonte die Notwendigkeit der Aufarbeitung. Schüler des Max Planck Gymansiums hatten Tafeln zu Opferbiografien mit den Namen und Herkunftsorten von Zwangssterilisierten angefertigt. Sie sind ab sofort in der Kranken­hauskapelle ausgestellt. „Viele Angehörige wissen nicht, was geschehen ist, wir können weitere Hinweise brauchen“, erläuterte Dr. Schnitzler.

Die zehn Zentimeter großen Gedenksteine werden ebenerdig vor dem letzten Wohnort des Naziopfers in den Boden eingelassen. Die Menschen sollen da innehalten, wo die Menschen lebten – also gedanklich stolpern – so die Idee von Gunter Demnig, der die Gedenksteine für Opfer des Nationalsozialismus in Trier und zahlreichen anderen Städten verlegt.

Insgesamt sind nun in Trier 136 Stolpersteine für Opfer des National­sozialismus verlegt. Das Projekt lebt durch Patenschaf­ten für einzelne Steine à 120 Euro und Spenden für die Recherche­arbeit (Kulturverein Kürenz e.V., Sparkasse Trier, BLZ 58550130, Konto-Nr. 1807312; oder an AG Frieden, Spar­kas­se Trier, BLZ 58550130, Konto-Nr. 113746).

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