„Doppelter Gewinn“
TRIER. Großer Bahnhof in der Gneisenaustraße: Innenminister Roger Lewentz und Justizminister Jochen Hartloff (beide SPD) haben am Freitag in Trier-West das landesweit vierte „Haus des Jugendrechts“ eingeweiht.
Der Justizminister erläuterte dabei, dass ein vernetztes Zusammenwirken von Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendamt sowie der Jugendgerichtshilfe essentiell sei bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität. „Strafverfahren gegen Jugendliche und Heranwachsende sind besondere Verfahren, bei denen der Erziehungsgedanke im Vordergrund steht. Die Reaktion auf strafrechtlich relevantes Verhalten muss individuell und vor allem zeitnah zur Straftat erfolgen“, betonte Hartloff. Innenminister Lewentz sagte, die verbesserte Aufbau- und Ablauforganisation in den Häusern des Jugendstrafrechts trage in erheblichem Maße dazu bei, kriminelle Karrieren zu verhindern: „Jugendliche Straftäter schnell zu überführen und zur Verantwortung zu ziehen ist wichtig“, sagte der Minister, „noch wichtiger ist es aber zu verhindern, dass junge Menschen überhaupt zu Tätern werden und dauerhaft in die Kriminalität abgleiten.“
Die Landesregierung habe sich wiederholt dafür ausgesprochen, in Rheinland-Pfalz Häuser des Jugendrechts einzurichten. Die Einrichtungen hätten den Erfolg ihrer Arbeit bereits durch die guten Praxisergebnisse und durch Evaluationen unter Beweis gestellt. Alle Beteiligten erhofften sich, auf diese Weise dazu beizutragen, dass das frühe Abgleiten junger Menschen in kriminelle Karrieren verhindert werde. Die Einrichtung der Häuser des Jugendrechts sei ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Jugendkriminalität und für mehr Opferschutz sowie Gewaltprävention, betonte Minister Hartloff.
In dem für knapp fünf Millionen Euro aufwändig umgebauten Gebäude der früheren Gneisenaukaserne sind Jugendexperten der Polizei, Jugendstaatsanwälte, die Jugendgerichtshilfe, die regionale Jugendschutzbeauftragte, der Verein „Starthilfe“, die Bundespolizei, die Opferhilfe „Weißer Ring“ und das Jugendwerk „Don Bosco Helenenberg“ untergebracht. 3,7 der 5 Millionen Euro Baukosten flossen aus dem Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“. Für Oberbürgermeister Klaus Jensen ist das nach gut zweieinhalb Jahren abgeschlossene Projekt in doppelter Hinsicht ein großer Gewinn: Neben der konkreten, individuellen Hilfe für die jungen Straftäter sei es eine erhebliche städtebauliche Aufwertung für Trier-West. Die Stadt werde alles tun, um die Weiterentwicklung des gesamten Gneisenauberings voranzubringen. Das gelte auch für das schon seit langem geplante, aber noch nicht realisierte Studentenwohnheim. „Es gibt kaum eine schönere Aufgabe als eine solche Investition in die kommende Generation“, betonte der OB. Er bedankte sich beim Land, den Partnern im Haus des Jugendrechts, dem Trierer Architekturbüro 9+, den Baufirmen sowie der Gebäudewirtschaft und dem Jugendamt im Rathaus für die reibungslose Zusammenarbeit.
Polizeipräsident Lothar Schömann erklärte am Nachmittag bei einem „Tag der offenen Tür“, dass alle vertretenen Institutionen auf eine gute Nachbarschaft vor Ort setzten. Das Haus stehe immer offen, so Schömann. Zahlreiche Bewohner des Stadtteils nutzten am Freitag die Gelegenheit, das Gebäude zu besichtigen. Weitere Häuser des Jugendrechts gibt es in Ludwigshafen, Mainz und Kaiserslautern.
von 16vor
