„Ich wurde gelinkt“

TRIER. Das „Café Lecca“ in der Bahnhofstraße darf auch weiterhin nicht auf die Genehmigung einer neuen Außenterrasse hoffen. Das machte Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) am Mittwochabend in der Sitzung des Bauausschusses klar.

Auf Antrag der Grünen informierten die Dezernentin und Tiefbauamtsleiter Wolfgang van Bellen über den aktuellen Sachstand. Beide verteidigten die Maßnahme, auf der Fläche der früheren Taxistände Fahrradbügel anzubringen und keinen neuen Freisitz zu genehmigen. Im Vordergrund stehe die Pflicht, ausreichend Platz für Fußgänger zu schaffen, argumentiert die Verwaltung.

Im März 2007 hatte das Bauverwaltungsamt dem damaligen Pächter des „Lecca“ die Außengastronomie zunächst genehmigt. Diese bestand aus einem Holzkonstrukt und umfasste eine Fläche von 1,90 Tiefe und 7,40 Meter Länge. Doch schon im April 2007 wurde die Genehmigung widerrufen. Die Begründung: Die Terrasse kollidiere mit den Zielen eines im Frühjahr 2006 durchgeführten Workshops „Perspektiven für den Bahnhofsbereich Trier“. Dessen Schlussbericht sieht unter anderem vor, aus der Bahnhofsstraße eine „großzügige Achse für Fußgänger und Radfahrer“ zu machen, erläuterte van Bellen vor dem Ausschuss. Doch aus der großzügigen Achse wurde bis dato nichts, so wie sich auch der gesamte Bahnhofsvorplatz heute kaum einladender präsentiert als 2006. Zwar wurden einige Betonkübel und auch ein paar Werbeträger entfernt, doch der große Wurf blieb aus – weil hinten und vorne das Geld fehlte, und wohl auch der politische Wille. So hält sich die Aufenthaltsqualität vor Triers Hauptbahnhof nach wie vor in Grenzen.

Anders vor dem „Lecca“, wo die Terrasse in den Sommermonaten immer bestens besucht war. Das Café ist ein beliebter Treffpunkt im Bahnhofsquartier, der Freisitz bot gerade bei schönem Wetter zusätzliche Kapazitäten. Als der Inhaber wechselte, sah man im Rathaus die Gelegenheit gekommen, diesem Freisitz ein Ende zu bereiten. Rechtlich war man auf der sicheren Seite: Der Widerspruch des früheren Inhabers gegen den Widerruf der Sondernutzungserlaubnis vom April 2007 war zurückgewiesen worden. Da die Sondernutzungserlaubnis zudem mit dem Inhaberwechsel erlischt und auch nicht übertragbar ist, stellte der neue Chef Savino Pistis einen Antrag auf Erteilung einer neuen Genehmigung – ohne Erfolg. „Aus Gründen der Freihaltung eines barrierefreien Gehwegs mit einer Breite von 3,40 Meter“, sei die Sondernutzungserlaubnis verwehrt worden, so van Bellen, der darauf verwies, dass zu Zeiten des früheren Freisitzes lediglich 1,50 Meter für Fußgänger blieben. Doch der Tiefbauamtsleiter bestätigte auch, dass „eine erneute Prüfung“ des Antrags in Aussicht gestellt wurde für den Fall, dass die Taxistände auf dem „Restgehweg“ entfallen sollten. Tatsächlich hob die Straßenverkehrsbehörde die beiden Taxistände zwischenzeitlich auf, doch an ihrer Stelle wurden nun Fahrradbügel montiert. „So bestand die Möglichkeit, sowohl dem festgestellten Bedarf für Fahrradabstellflächen entgegenzukommen wie auch sicherzustellen, dass der Restgehweg in Höhe des Café Lecca nicht mehr, wie vorher geschehen, häufig von parkenden Fahrrädern weitgehend zugestellt wird“, argumentierte der Tiefbauamtschef. Dass sich an der Einschätzung der Verwaltung noch etwas ändern könnte, steht nicht zu erwarten.

Ortsvorsteher Heinrich kritisiert Verhalten der Verwaltung

Dominik Heinrich, parteiloser Ortsvorsteher von Trier-Mitte/Gartenfeld und Mitglied der Grünen-Ratsfraktion, kritisierte das Vorgehen der Verwaltung: Diese habe erkennbar nicht versucht, gemeinsam mit dem Inhaber nach einer einvernehmlichen Lösung zu suchen. Ihm dränge sich deshalb der Eindruck auf, als hätten die zuständigen Mitarbeiter des Rathauses „einen Vorwand gesucht, um der Terrasse den Garaus zu machen“. Als einige Lecca-Fans diese Äußerung mit Beifall quittierten, drohte die Baudezernentin kurzerhand damit, sie des Saales zu verweisen. Zuhörer von Ausschusssitzungen dürfen weder Unmuts- noch Beifallsbekundungen abgeben, eine kurze und freundliche Ermahnung statt Drohung hätte es aber sicherlich auch getan. Heinrich fuhr fort und beklagte, dass die Fahrradbügel aus dem Budget des Ortsbeirats finanziert worden seien, dieses Gremium mit dem Vorhaben aber gar nicht befasst gewesen sei. Wolfgang van Bellen konterte, dass die Bügel aus dem städtischen Etat finanziert wurden. Freunde des „Lecca“ mutmaßen nun, in der Verwaltung habe man so eine Diskussion im Ortsbeirat über die Entscheidung bewusst vermeiden wollen.

Für Pistis ist der Fall jedenfalls noch nicht abgeschlossen. Frustriert kommentierte der 49-Jährige im Anschluss an die Sitzung die Antworten der Verwaltung: „Das ist nur traurig, aber ich habe ehrlich gesagt auch nichts anderes erwartet“. Der „Lecca“-Chef sollte noch deutlichere Worte in Richtung Rathaus wählen: „Ich wurde gelinkt“. So habe man ihn seinerzeit aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass die Taxistände wegkommen, um so Platz für einen neuen Freisitz zu schaffen, berichtet er. Als er das dann erreicht habe, seien die Fahrradbügel aufgestellt worden. Zudem habe man ihm vonseiten der Verwaltung wiederholt gesagt, dass eine Gehwegbreite von zwei bis maximal 2,50 Meter benötigt werde. Pistis fühlt sich nun ausgetrickst. Doch aufgeben will er nicht. Eventuell werde er eine Unterschriftenaktion starten oder über Facebook Unterstützung für sein Anliegen mobilisieren, kündigte er am Mittwoch gegenüber 16vor an.

Einen weiteren Bericht zum Thema finden Sie hier: „Lecca“-Terrasse auf der Kippe

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