Holtzbrinck verkauft Volksfreund
STUTTGART/SAARBRÜCKEN/TRIER. Die Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck trennt sich von der Unternehmensgruppe Saarbrücker Zeitung – und damit auch vom Trierischen Volksfreund.
Die Saarländer sind alleiniger Gesellschafter der Volksfreund-Druckerei Nikolaus Koch GmbH, die das Trierer Blatt herausgibt. Schon seit längerem war über einen Verkauf spekuliert worden, zuletzt im November vergangenen Jahres, als die Stuttgarter den Südkurier aus Konstanz an die Augsburger Mediengruppe Pressedruck veräußerten (wir berichteten). Die hatte zuvor schon die Main-Post aus Würzburg von Holtzbrinck übernommen.
Nun haben sich die Verlagsgruppe und die Gesellschaft für staatsbürgerliche Bildung Saar (GSB) nach eigener Darstellung über den Verkauf der Holtzbrinck-Anteile an der Saarbrücker Zeitung Verlag und Druckerei GmbH verständigt. Zum 1. August werde die GSB ihren bisherigen Anteil von 26 Prozent auf zunächst 46,9 Prozent erhöhen. Bis spätestens Mitte 2014 soll die Verlagsgruppe ihre Beteiligung vollständig an die GSB übertragen. Dies teilten Verlagsgruppe und GSB mit. Entsprechende Verträge seien in Stuttgart unterzeichnet worden. Die Transaktion erfolge „vorbehaltlich der Zustimmung des Bundeskartellamtes und in Abstimmung mit der Beteiligungsgesellschaft der Mitarbeiter“, heißt es weiter. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Laut Branchendienst Turi2.de soll der Kaufpreis im dreistelligen Millionenbereich liegen. Dieser Vermutung widersprechen auch weder Verleger noch Käufer. In einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung (Mittwochsausgabe) erklärte Stefan von Holtzbrinck das Saarbrücker Unternehmen, zu dem neben dem TV auch noch die Lausitzer Rundschau gehört, zu „einer der solidesten Zeitungsgruppen in Deutschland“. Zudem stimmten „nicht nur die Ergebnisse der Gegenwart, sondern auch die Investitionen in die Zukunft“. Der Grund für die Veräußerung liege denn auch einzig und „allein in einer grundsätzlichen strategischen Neuausrichtung seitens der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Wir wollen uns im globalen Wettbewerb auf weniger Standbeine konzentrieren, auf Bildung und Wissenschaft, auf Literatur, auf digitale Geschäftsmodelle“, so von Holtzbrinck.
Dass die GSB dauerhaft die Mehrheit an der Saarbrücker Unternehmensgruppe halten wird, gilt als sehr unwahrscheinlich. Der früherer saarländische Innenminister unter Oskar Lafontaine, Friedel Läpple, der heute für die GSB tätig ist, erklärte bereits: „Die Aufgabe der GSB kann aber nicht langfristig in der unternehmerischen und verlegerischen Führung der Saarbrücker Zeitung liegen. Wir streben an, nach dem Ausscheiden der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck einen neuen Gesellschafter zu finden, der die Rolle der Verlagsgruppe übernehmen kann“. Im Gespräch war in der Vergangenheit unter anderem die Rheinische Post aus Düsseldorf, die als eine der angesehensten und besten Regionalzeitungen der Republik gilt.
von Marcus Stölb
