„Sehr übler Nachgeschmack“
TRIER. Einen Tag nachdem bekannt wurde, dass die große Wiese im Palastgarten mehrere Monate lang nicht mehr genutzt werden kann, wächst die Kritik am Verhalten von Bistum und Stadt. SPD, FWG und die Jusos meldeten sich am Dienstag mit Anträgen und Anfragen zu Wort.
Die Sozialdemokraten wollen das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Stadtratssitzung am 31. Mai setzen lassen. In einer umfassenden Anfrage verlangen sie von OB Klaus Jensen (SPD), Stellung zu dem gesamten Vorgang zu nehmen. Antworten wird am Donnerstag kommender Woche wohl die zuständige Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU). Die SPD verweist auf eine Bestimmung der städtischen Grünflächen- und Spielplatzsatzung, in der es heißt, dass Grünflächen „als Ruhezone, zur Erholung und Entspannung der EinwohnerInnen und darüber hinaus zur aktiven Freizeitgestaltung“ dienen. Nach § 2 Absatz 1 der Grünflächensatzung haben sich „die Benutzer so zu verhalten, dass diese nicht in ihren Funktionen nach § 1 Absatz 6 und 7 beeinträchtigt werden.“
FWG bringt Dringlichkeitsantrag ein
Man habe natürlich Verständnis dafür, dass eine Zerstörung der Wiese aufgrund des mehrwöchigen Großereignisses Heilig-Rock-Wallfahrt nicht zu verhindern war, doch hätte die Stadt nach Auffassung der sozialdemokratischen Ratsfraktion vom Bistum eine direkte Wiederherstellung verlangen müssen, damit die Grünfläche in den kommenden Sommermonaten genutzt werden könne. Die SPD will nun von der Verwaltung wissen: „Welche Vereinbarung wurde genau mit dem Bistum bezüglich einer Wiederherstellung der Liegewiese im Palastgarten getroffen?“ und was habe dagegen gesprochen, vom Bistum eine sofortige Wiederherstellung der Wiese zu verlangen, beispielsweise durch Einsatz von Rollrasen. In der Anfrage heißt es weiter: „Gedenkt die Verwaltung erneut mit dem Bistum Gespräche aufzunehmen, um eine schnellere Wiederherstellung der Liegewiese zu erreichen und diese somit früher der Allgemeinheit zur ‚Erholung und Entspannung sowie zur aktiven Freizeitgestaltung‘ wieder zur Verfügung zu stellen?
Die FWG-Fraktion geht noch einen Schritt weiter und bringt einen Dringlichkeitsantrag ein, den der Stadtrat schon nächste Woche beschließen soll. „Die Verwaltung wird beauftragt , umgehend Nachverhandlungen mit dem Bistum zu führen. Ziel der Nachverhandlung soll sein, eine schnellere Wiederherstellung der Grünflächen durch die Verwendung von Rollrasen zu gewährleisten. Die Kosten der Wiederherstellung unter Verwendung von Rollrasen hat das Bistum Trier zu tragen“, heißt es im Antragstext. Die nun absehbare „Einschränkung der Nutzung des Erholungsraumes Palastgarten“ sei für die Allgemeinheit nicht hinnehmbar. Es sei daher „auch im Hinblick auf künftige Sondernutzungen durch Großveranstaltungen im Palastgarten darauf hinzuwirken, dass das Bistum den ordnungsgemäßen Zustand der Grünflächen umgehend auf eigene Kosten wieder herstellt“, verlangen die Freien Wähler.
Jusos attackieren Baudezernentin
Die Trierer Jusos äußerten sich „empört“ über die mehrmonatige Sperrung der Grünfläche. Der Palastgarten habe als einzige große Grünfläche im Stadtzentrum gerade in den Sommermonaten eine hohe Bedeutung für die Lebensqualität vieler Trierer, gibt die sozialdemokratische Nachwuchsorganisation zu bedenken. Dies habe nicht zuletzt die „unsägliche Posse“ um das öffentliche Grillverbot im letzten Jahr gezeigt. „Die Zerstörung des Rasens ist eine Konsequenz der Heilig-Rock Wallfahrt. Darum muss das Bistum auch dafür sorgen, dass die Grünfläche wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt wird. Und zwar so schnell wie möglich – nicht so günstig wie möglich!“, so Melanie Breinig, Sprecherin der Trierer Jusos. Die üben vor allem an der Baudezernentin Kritik: „In der Grillverbot-Debatte hat Frau Kaes-Torchiani noch die geringfügigen Rasenschäden durch das Grillen mit zum Beispiel Einweggrills stark kritisiert und wollte alle Griller verbannen. Die gewaltige Zerstörung durch die Wallfahrt und die Konsequenzen für die Triererinnen und Trierer waren allerdings scheinbar kein großes Problem für die CDU-Dezernentin“, attackierte Paul Richarz, Beisitzer im Vorstand der Jusos, die Dezernentin.
„Wichtig war der Verwaltung wohl vor allem, dass der Rasen rechtzeitig für ‚Brot und Spiele‘ wiederhergestellt ist. Dafür reicht wahrscheinlich die Aussaat. Was das aber in der Zwischenzeit für die Lebensqualität der Menschen in Trier bedeutet, scheint der Dezernentin egal zu sein“, stößt Alexander Kellersch ins selbe Horn. Seine Genossin Sabrina Schneider ergänzt: „Das Bistum hat ein erfolgreiche Wallfahrt gefeiert und mehrere Millionen Euro dafür investiert. Es kann nicht im Interesse der katholischen Kirche sein, dass die Wallfahrt wegen ein paar tausend Euro für Rollrasen bei den Triererinnen und Trierern einen sehr üblen Nachgeschmack hinterlässt“.
von Marcus Stölb
