„Entwertung der Arbeit“

TRIER. Die Zahl der Leiharbeitsverhältnisse in der Region Trier hat sich laut Deutschem Gewerkschaftsbund in den letzten Jahren, seit dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise im März 2009, um rund 84 Prozent erhöht.

Im Vergleichszeitraum Juni 2009 auf Juni 2011 seien es immer noch 62,5 Prozent Zuwachs gewesen, so der DGB in einer Mitteilung. Absolut habe sich die Zahl der Leiharbeitskräfte in der Region um 1000 erhöht, der Beschäftigungsanstieg sei damit etwa doppelt so stark wie im gesamten verarbeitenden Gewerbe, obwohl im produzierenden Gewerbe fünfzehnmal mehr Beschäftigte tätig seien.

In der Wirtschaft insgesamt hat sich die Zahl der sozial versicherten Jobs in den letzten zwei Jahren um rund 6000 auf gut 153.677 erhöht. 18 Prozent dieser neu geschaffenen Arbeitsplätze entfielen allein auf das Verleihgewerbe, beklagt der Gewerkschaftsbund. In keiner anderen Branche sei die Beschäftigung auch nur annähernd so stark angestiegen.

Mit dem Boom der Leiharbeit „frisst sich schlecht bezahlte und instabile Beschäftigung in den Arbeitsmarkt“, warnt der DGB. Etwa die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse werde nach weniger als drei Monaten wieder beendet, was zu einem sehr hohen Risiko der Arbeitslosigkeit im Verleihgewerbe führe. „Längst dient Leiharbeit nicht mehr nur dazu, personelle Engpässe zu überwinden. Mehr und mehr wird sie von einigen Betrieben systematisch eingesetzt, um mit den schlechten Leiharbeitslöhnen Geschäfte zu machen und die Stammbelegschaften in den Einsatzbetrieben unter Druck zu setzen“, so der DGB-Regionsgeschäftsführer Christian Schmitz.

Im Schnitt verdienten Leiharbeitskräfte nur gut halb so viel wie Beschäftigte insgesamt. Berücksichtige man das unterschiedliche Qualifikationsniveau, so verdienten Leiharbeitskräfte, ob sie eine abgeschlossene Berufsausbildung haben oder nicht, im Schnitt über 1.000 Euro weniger im Monat als in anderen Branchen. Mit der Ausweitung der Leiharbeit breitet sich so der Niedriglohnsektor aus, denn bundesweit arbeiten immerhin drei Viertel der Leiharbeitskräfte unter der Niedriglohnschwelle in den anderen Branchen sind es im Schnitt nur ein knappes Viertel der Beschäftigten. Diese oftmals schlechte Bezahlung im Verleihgewerbe geht mit einem sehr hohen Verarmungsrisiko von Leiharbeitskräften einher.

„Leiharbeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse führen zu einer Entwertung der Arbeit und zu strukturellen wirtschaftlichen Problemen bei den Sozialkassen, dem Konsum, der Altersarmut und der Produktivität. Aber auch die Integrationsleistung der Gesellschaft von jungen Menschen, von Alleinerziehenden und von MigrantInnen wird erschwert, obwohl wir sie zunehmend brauchen. Wir müssen alle zusammen diese Abwärtsspirale stoppen“, fordert Schmitz.

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