500 Jahre Wallfahrtsgeschichte
TRIER. Das Museum am Dom zeigt vom 23. März bis 19. August die Ausstellung „Das Gewand. 500 Jahre Wallfahrt zum Heiligen Rock nach Trier“.
Im Jahre 1512 wurde der „Heilige Rock“ aus dem Hochaltar des Trierer Domes, wo er seit der Weihe des Altares 1196 deponiert war, erhoben und zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Zum 500. Jahrestag dieser Erhebung hat der Bischof von Trier erneut zu einer Wallfahrt eingeladen. Unter dem Leitspruch „Und führe zusammen, was getrennt ist“ sind vom 13. April bis 13. Mai Pilgerinnen und Pilger eingeladen, sich auf den Weg zu machen zu Christus, der im Bild der „Heiligen Rockes“ das Ziel der Wallfahrt ist.
Das Museum am Dom nimmt dies zum Anlass, aus unterschiedlichen Perspektiven auf dieses halbe Jahrtausend Wallfahrts- und Kirchengeschichte zu blicken und den tiefgreifenden Wandel von der spätmittelalterlichen Reliquienverehrung hin zu einer ökumenisch ausgerichteten Christuswallfahrt sichtbar zu machen.
Aus sechs unterschiedlichen Blickwinkeln präsentiert die Ausstellung Charakteristisches, Typisches und Neues zur Geschichte der Heilig-Rock-Wallfahrten und führt einem gleichzeitig den großen zeit- und kirchengeschichtlichen Wandel vor Augen, der sich in diesen 500 Jahren ereignet hat.
Die Ausstellung beginnt gemäß ihrem Anlass mit dem Jahr 1512, als Trier im Mittelpunkt des europäischen Interesses stand: Kaiser Maximilian I. hatte einen Reichstag nach Trier einberufen und ließ auf sein Drängen hin den Hochaltar des Trierer Domes öffnen und den „Heiligen Rock“ erheben. Ein ungeheures publizistisches Echo, Konkurrenz zu anderen Trierer Klöstern sowie heftige Kritik sind die unmittelbaren Folgen. Von den heute seltenen Heiltumsschriften sowie Pilgerzeichen versammelt die Ausstellung erstmals die wichtigsten Stücke.
Ungefähr 20 Heilig-Rock-Wallfahrten haben – je nach Zählung – seither stattgefunden. Zeugnisse der einzelnen Wallfahrten wie bildliche Darstellungen, Andenken, Wallfahrtsfahnen, aber auch von Anfang an kritische bis ablehnende Äußerungen werden in einem weiteren Kapitel vorgestellt und ergeben für jedes Wallfahrtsjahr ein eigenes charakteristisches Bild.
Nach diesem Blick auf die Wallfahrt stellt sich die Frage: wo kommt der „Heilige Rock“ überhaupt her? Wo war er vor 1512 und um was für ein Gewand handelt es sich? Grundlage aller Überlieferung ist der Passus im Johannesevangelium, in dem die Soldaten um das ungenähte Untergewand des Jesus von Nazareth losen.
In der Bildenden Kunst wird der „Heilige Rock“ als Gewand mit langen Ärmeln sowohl in Zusammenhang mit der Kreuzigung als auch bei den sogenannten Leidenswerkzeugen dargestellt. Mit der Verbindung der Helena- mit der Heilig-Rock-Legende zu Anfang des 12. Jahrhunderts zugunsten der Hegemonialbestrebungen Triers wird Helena endgültig zur zentralen Stifterfigur der Trierer Kirche.
Angesichts dieser Legenden wird die Frage nach dem Gegenstand besonders
drängend: wo kommt die Tuchreliquie Anfang des 12. Jahrhunderts her, wie sah sie 1196 aus und wie wurde sie nach 1512 verändert? Der derzeitige Forschungsstand geht davon aus, dass wir beim Anblick des „Heiligen Rockes“ nicht die eigentliche Reliquie, sondern eine Hülle, also ein textiles Reliquiar sehen, in dem die eigentliche Reliquie aufbewahrt ist. Viele Fragen zur Geschichte des Gewandes und seiner Hülle müssen aber derzeit noch offen bleiben.
Von 1512 bis einschließlich 1933 wurde der „Heilige Rock“ jeweils frei hängend auf einer durch die Ärmel gezogenen Stange an unterschiedlichen Stellen gezeigt. Den künstlerischen Höhepunkt der Inszenierung des „Heiligen Rockes“ bildete die barocke Konzeption mit einer eigenen Kapelle am Scheitel des Ostchores und einer innenliegenden Fassade mit Durchblicksöffnung. Da diese Konzeption wohl nie vollständig realisiert werden konnte, wurde eigens für die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Firma „Architectura virtualis“ eine Computeranimation erstellt, die den Besucher diese barocke Konzeption wieder nacherleben lässt.
Was von einer Wallfahrt bleibt, sind neben den undinglichen Erlebnissen und
Erfahrungen natürlich die dinglichen Erinnerungsstücke, die Andenken oder auch nur Mitbringsel von einer solchen Fahrt. Besonderen Wert hatten in früheren Jahrhunderten die Andenken, die am „Heiligen Rock“ angerührt worden waren und dadurch einen besonderen Wert bekamen. Wenig Erfolg hatten die Bemühungen bei den Wallfahrten 1933 und 1959, die Herstellung und Verbreitung von religiösem Kitsch“ durch eine Begutachtung und
Zertifizierung von Andenken einzudämmen.
Zur Ausstellungsvorbereitung bleibt das Museum vom 12. März bis 23. März
geschlossen.
Öffnungszeiten außerhalb der Wallfahrtszeit: Dienstag bis Samstag, 9 bis 17 Uhr, sonntags und an Feiertagen, 13 bis 17 Uhr. Während der Wallfahrtszeit vom 13. April bis 13. Mai gelten geänderte Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 10 bis 18 Uhr, sonntags und an Feiertagen, 13 bis 18 Uhr
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